Berufsunfähigkeitsversicherung Burnout 2018-12-03T11:22:23+00:00

Berufsunfähigkeitsversicherung und Burnout – Ratgeber und Tipps

Berufsunfähigkeitsversicherung bei Burnout
Lesezeit: 13 min

Psychische Erkrankungen werden bei berufsunfähigen Arbeitnehmern immer häufiger diagnostiziert. Neben Depressionen und Angsterkrankungen spielt dabei auch das sogenannte „Burnout“ eine zentrale Rolle. Theoretisch kann jeder eines Tages von diesem Krankheitsbild betroffen sein. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung Burnouts abdeckt. Hier haben wir alle wichtigen Informationen und Tipps zur Versicherungsauswahl zusammengestellt.

Zahlt eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei Burnout?

Wer an einem Burnout leidet, muss in der Regel mit einer längeren Behandlung rechnen. Von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren kann es dauern, bis ein Patient wieder seiner Arbeit nachgehen kann.
Für diese lange Zeitspanne reicht die maximal sechswöchige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers im Krankheitsfall nicht aus. Wer als Angestellter Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente hat, kann nur mit rund 30 Prozent seines letzten Bruttoeinkommens rechnen. Selbständige, die aufgrund eines Burnouts nicht mehr arbeiten können, sind ohne private Berufsunfähigkeitsversicherung ganz ohne Absicherung.

Aus diesen Gründen ist es wichtig, sich mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung für den Fall einer psychischen Erkrankung abzusichern. Es gibt einige Anbieter, die auch ein Burnout als psychische Erkrankung anerkennen, die zu einer Berufsunfähigkeit führen kann.
Wichtig ist deshalb, dass Sie im Vorfeld prüfen, ob Ihr gewünschter Versicherer diesen Schutz bietet.

Voraussetzung für die Leistung bei einem Burnout ist es meist, dass die Krankheit schon über sechs Monate andauert und die Arbeitsbeeinträchtigung mehr als 50 Prozent beträgt.

Nervenkrankheiten häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit

Die Ratingagentur Morgen & Morgen hat Stand Mai 2017 eine Statistik mit den häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit aufgestellt. Demnach gehören Nervenkrankheiten mit mehr als 30 Prozent zu den häufigsten Ursachen, die zu einer Berufsunfähigkeit geführt haben. Erst danach folgen Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats. An dritter Stelle liegen Krebs und Geschwülste.
Quelle: http://www.morgenundmorgen.com/downloadcenter/PRESSEMITTEILUNGEN/

Experten gehen schon lange davon aus, dass Stress beim Arbeiten und die immer höhere Arbeitsbelastung bei fehlender oder verminderter Freizeit die Gefahr von psychischen Krankheiten erhöhen.

Auch der die Bundesländer übergreifende Gesundheitsbericht 2017, der vom „Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg Health Capital“ erstellt wurde, hat gezeigt, dass psychische Krankheiten 2017 zu mehr als 50 Prozent ursächlich für eine Erwerbsunfähigkeit waren.
Quelle: http://www.healthcapital.de/uploads/media/BP_Gesundheitsbericht_2017_web.pdf

Darauf sollten Sie beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten

Wer sich bei einer Berufsunfähigkeit absichern möchte, die durch eine psychische Erkrankung verursacht wurde, sollte gerade diesen Aspekt bei seiner BU prüfen.

Hier finden Sie einige Anhaltspunkte für den BU-Vergleich:

  • Ist Burnout in den Versicherungsbedingungen als Leistungsfall aufgeführt?
  • Wie stark muss die Berufsunfähigkeit bei Burnout sein, damit die Versicherung eine BU-Rente zahlt?
  • Welche Risikoaufschläge müssen Sie bei einer bereits behandelten Burnout-Erkrankung in Kauf nehmen?
  • Welche psychischen Krankheiten sind mit der BU noch abgedeckt?

Haben Sie noch weitere Fragen zum Thema „Berufsunfähigkeitsversicherung und Burnout“? Dann können Sie gerne unsere Experten kontaktieren. Diese helfen Ihnen dabei, passende BU-Tarife zu vergleichen!

Was ist ein Burnout?

Das Burnout-Syndrom ist meist das Ergebnis eines längeren Prozesses. Dabei ist die psychische Belastung für die Betroffenen so hoch, dass diese keinen Antrieb mehr haben und permanent erschöpft sind. Begleitet werden kann ein Burnout auch von einem starken Gefühl der Niedergeschlagenheit und depressiven Verstimmungen. Im extremen Fall kann ein Burnout eine Depression bedingen.

In der Folge der körperlichen Symptome können die Patienten zum Beispiel ihren Hobbys nicht mehr nachgehen, sie treffen keine Freunde mehr und sind in der Arbeit nicht mehr belastbar. Dieser Rückgang kann wiederum mit einem erhöhten Druck einhergehen, den die Betroffenen sich selbst machen. Daraus ergibt sich ein Teufelskreis, der zu einem Zusammenbruch führen kann, wodurch die Betroffenen nicht mehr berufsfähig sind.

Bis ein Burnout diagnostiziert wird, können viele Monate oder auch Jahre vergehen, denn der Prozess vollzieht sich meist schleichend und ist für jeden Patienten individuell. Mögliche Hinweise auf ein Burnout machen Experten in folgenden Aspekten aus:

  • hoher individueller Leistungsdruck
  • extremes Leistungsstreben
  • Vernachlässigung der persönlichen Bedürfnisse durch die eigene Arbeit
  • Überspielen eigener Probleme und Konflikte
  • Bezweifeln eines eigenen Wertesystems mit Dingen, die ehemals wichtig waren
  • innere Leere und dadurch mögliche Überreaktion in den Bereichen Sexualität, Ernährung, Drogen oder Alkohol
  • depressive Stimmung mit Gefühlen wie Hoffnungslosigkeit, Gleichgültigkeit oder Erschöpfung
  • Suizidgedanken

Durch die Bezeichnung „Burnout“ und die unmittelbare Verknüpfung mit dem Beruf wurde das Krankheitssymptom oftmals als „Managerkrankheit“ bezeichnet. Doch tatsächlich kann jeder davon betroffen sein, der hohem individuellen Stress ausgesetzt ist.

Die Auflistung der möglichen Anzeichen ist hier nur exemplarisch. Diese Informationen können keine professionelle psychologische Beratung oder den Besuch beim Hausarzt ersetzen.

BU bei Burnout abschließen – spezielle Bedingungen beachten

Wer schon einmal an einem Burnout gelitten hat oder akut an einem Burnout leidet, muss bei einem Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Ablehnung rechnen. Denn für die meisten Versicherungsgesellschaften ist das Risiko zu groß einen Kunden mit psychischen Erkrankungen zu versichern. Häufig spielt es dabei keine Rolle, ob nur wenige Stunden bei einem Psychotherapeuten genommen wurden oder ein Antragsteller stationär in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht war.

Dennoch bedeutet eine Ablehnung nicht, dass gar keine BU bei Burnout mehr möglich ist. So können zum Beispiel Leistungsausschlüsse oder Risikoaufschläge ermöglichen, dennoch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.
Sollten Sie selbst schon einmal an einem Burnout gelitten haben oder aktuell an einem Burnout leiden und Sie möchten eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, ist eine sogenannte „Risikovoranfrage“ zu empfehlen.

In diesem Fall stellen Sie nicht sofort einen Antrag bei einem Versicherungsunternehmen, sondern ein Versicherungsmakler stellt für Sie mit Ihren Gesundheitsdaten eine anonymisierte Anfrage bei verschiedenen Versicherungsunternehmen. Sie wissen dann direkt, welche Versicherer Sie gegen einen Risikoaufschlag oder bei Leistungsausschlüssen dennoch versichern würden. Zugleich vermeiden Sie, dass Ihre Anfrage zu einer Ablehnung führt. Ablehnungen von Versicherungsanträgen können im „Hinweis- und Informationssystem“ (HIS) der Versicherungswirtschaft eingetragen werden. Bei einem Antrag greifen die Versicherungen darauf zu. Sollte dann eine Ablehnung eingetragen sein, ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Ablehnung höher.

Was im Leistungsfall zu tun ist

Wenn ein Versicherter eine BU-Rente nach einem Burnout beziehen möchte, hat er die „Beweislast“, dass er durch das Syndrom zu mehr als 50 Prozent berufsunfähig ist. Da die Begleiterscheinungen des Burnout-Syndroms häufig keine eindeutige Krankheitsbestimmung zulassen, gibt es Versicherer, die die Leistung ablehnen.

Im Jahr 2006 hat das Landgericht dennoch einem Kläger die BU-Rente zugesprochen. (Quelle: https://www.anwalt.de/rechtstipps/berufsunfaehigkeitsversicherung-muss-bei-burn-out-des-versicherten-zahlen-landgericht-muenchen_071040.html) Seither können sich Versicherte auf diesen Fall berufen und Leistungen bei einem Burnout einfordern. Wichtig dabei ist, dass psychische Erkrankungen im Leistungsumfang des Versicherungsvertrags stehen.

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