Berufsunfähigkeitsversicherung Voraussetzungen 2018-11-28T12:32:09+00:00
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Berufsunfähigkeitsversicherung:
Voraussetzungen Abschluss & Leistungsfall

Voraussetzungen in einer Berufsunfähigkeitsversicherung
Lesezeit: 15 min

Für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gelten verschiedene Voraussetzungen. Auch wenn Sie berufsunfähig werden und eine BU-Rente beziehen wollen, müssen dafür bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Wir haben in diesem Ratgeber alles Wissenswerte sowie praktische Tipps für Sie zusammengestellt.

Diese Voraussetzungen müssen Sie für den Abschluss einer BU erfüllen

Damit Sie sich gegen Berufsunfähigkeit absichern können, müssen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung-Gesundheitsprüfung durchlaufen. Hierfür stellt der Versicherer zahlreiche Gesundheitsfragen, anhand derer er das Versicherungsrisiko und demnach die Prämie berechnet.
Erst nach erfolgreicher Gesundheitsprüfung haben Sie die Voraussetzungen für eine BU erfüllt.

Auch Hobbys werden in den Gesundheitsfragebögen abgefragt. Wer ein risikoreiches Hobby wie Fallschirmspringen oder Reiten ausübt, kann in manchen Fällen die Voraussetzungen für eine BU nicht erfüllen und muss mit Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung rechnen.

Sonderfall: Vereinfachte Gesundheitsfragen

Manche Versicherungsunternehmen bieten eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit reduzierten Gesundheitsfragen an. Diese Policen sind für Antragsteller mit Vorerkrankungen konzipiert, die bei herkömmlichen Gesundheitsfragen mit einer Ablehnung rechnen müssten.

Die Beschränkung der Gesundheitsfragen geht jedoch in der Regel mit eingeschränkter Leistung einher. Darüber hinaus kann die Höhe der BU-Rentenleistung nur bis zu einem Maximalbetrag gewählt werden.

Einige Versicherer koppeln vereinfachte Gesundheitsfragen auch an besondere Anlässe. Sie ermöglichen es, einen bestehenden Vertrag einfacher aufzustocken. Solche besonderen Anlässe können in einer Heirat, der Geburt eines Kindes oder in der Aufnahme eines neuen Jobs nach Abschluss des Studiums oder der Ausbildung sein.

Start des Versicherungsschutzes einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Sobald Ihr erster Versicherungsbeitrag für Ihre BU bei der Versicherungsgesellschaft eingegangen ist, beginnt Ihr Versicherungsschutz. Der genaue Tag wird im Versicherungsvertrag festgelegt.

Sollten Sie die Versicherungsbeiträge per Lastschrift einziehen lassen, müssen Sie auf eine ausreichende Deckung des Kontos achten.

Die Voraussetzungen für eine Berufsunfähigkeit

Die Voraussetzung für den Versicherungsfall ist bei einer BU gegeben, wenn ein Versicherter seinen Beruf aufgrund einer Krankheit oder körperlichem Verfall mindestens sechs Monate am Stück nicht mehr ausüben kann. Die Versicherungsunternehmen prüfen im Leistungsfall genau.

  • Krankheit oder Kräfteverfall
    Als Krankheit wird in diesem Fall ein Gesundheitszustand bezeichnet, der vom eigentlichen körperlichen oder seelischen Zustand so weit abweicht, dass eine Arbeit im aktuellen Beruf nicht oder zu weniger als 50 Prozent möglich ist. Krankheiten können seelischer Natur sein wie Depressionen oder Angstzustände, aber auch körperliche Ursachen haben wie Rückenleiden oder chronische Schmerzen.
    Von einem Kräfteverfall wird ausgegangen, wenn physische und psychische Belastbarkeit dem aktuellen Alter nicht mehr entsprechen und so eine Arbeit nicht mehr möglich ist. Wichtig ist, dass ein Arzt Kräfteverfall oder Krankheit nachweisen kann. Die dadurch entstehenden Beeinträchtigungen müssen sich direkt auf die Arbeit des Versicherten auswirken.
  • „50-Prozent-Regel“
    Die Voraussetzung für eine BU-Rente ist gegeben, wenn die versicherte Person ihrem zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich nicht mehr dauerhaft nachgehen kann. Berufsunfähig gemäß den Versicherungsbedingungen sind Versicherte dann, wenn sie höchstens 50 Prozent ihrer bisherigen Arbeit leisten können. Die Leistungsfähigkeit wird dabei meist auf die Arbeitsstunden bezogen. Hat ein Arbeitnehmer wöchentlich 40 Stunden gearbeitet, wäre er im Sinne der Versicherung berufsunfähig, wenn er aufgrund einer Erkrankung oder Kräfteverfalls nur noch 19 Stunden wöchentlich arbeiten könnte. Um diese Beeinträchtigung nachzuweisen, müssen Versicherte im Leistungsfall erläutern, wie sich ihr Arbeitsalltag gestaltet hat. Bei besonders schweren Erkrankungen verzichten Versicherungsgesellschaften auch auf diesen Nachweis.
  • Prognose für längere Dauer der Berufsunfähigkeit
    Eine dritte Voraussetzung für die BU-Rente ist, dass die Berufsunfähigkeit nicht nur kurzfristig eintritt, sondern über einen längeren Zeitraum anhält und als „voraussichtlich dauernde“ Berufsunfähigkeit von einem Arzt prognostiziert wird. Der Zeitraum variiert bei den unterschiedlichen Gesellschaften und kann von sechs Monaten bis zu drei Jahren reichen.

Häufige Ursachen für eine Berufsunfähigkeit

Es gibt viele verschiedene Ursachen für eine Berufsunfähigkeit. Sie kann sowohl durch eine Krankheit als auch durch einen Kräfteverfall eintreten. Für die Versicherung muss ein Arzt die Berufsunfähigkeit belegen.

Statistisch gesehen sind psychische Erkrankungen wie Depressionen die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit, gefolgt von Nervenkrankheiten. Erst danach folgen Erkrankungen des Bewegungsapparats oder des Skeletts sowie Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems.

Im Leistungsfall zählt die Art der „Verweisung“

Die Voraussetzungen für einen Leistungsfall werden in der Berufsunfähigkeitsversicherung durch die Art der „Verweisung“ geschaffen. Damit wird festgelegt, ob ein Versicherungsnehmer trotz Berufsunfähigkeit in seinem ursprünglichen Beruf dennoch einer anderen Tätigkeit nachgehen könnte. Dementsprechend kann eine Versicherung die Leistung verweigern.
In der Praxis werden die abstrakte oder die konkrete Verweisung im Versicherungsvertrag angewandt:

  • abstrakte Verweisung: In diesem Fall prüft der Versicherer nach dem Antrag auf die BU-Rente, ob ein anderer Beruf „abstrakt“ möglich wäre. Dabei kommt es nicht darauf an, ob entsprechende Jobs auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind, sondern es geht lediglich darum ob der Versicherte eine andere Tätigkeit als seine bisherige trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung ausüben könnte.
    Die Versicherung versucht bei der abstrakten Verweisung außerdem nachzuweisen, dass die neue Arbeitsmöglichkeit hinsichtlich des Einkommens nur geringfügig schlechter gestellt sein könnte und dass der Versicherte diese Arbeit mit seiner bisherigen Ausbildung oder seinen Fähigkeiten durchaus ausüben könnte.

Ein Beispiel: Ein angestellter Handwerker hat ein Rückenleiden und kann deshalb seiner Arbeit auf der Baustelle nicht mehr nachgehen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung könnte im Falle einer abstrakten Verweisung darauf hinweisen, dass der Versicherte auch einer Arbeit im Büro des Arbeitgebers nachgehen könnte, selbst wenn es diese Stelle so nicht gibt.

Eine entsprechende Klausel mit abstrakter Verweisung könnte so aussehen:

Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich mindestens 6 Monate außerstande ist, ihren versicherten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, auszuüben und auch keinen anderen Beruf ausübt, der aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung ausgeübt werden kann und der bisherigen Lebensstellung entspricht.
Quelle: https://openjur.de/u/447940.html

  • konkrete Verweisung: Bei einer konkreten Verweisung, verweist der Versicherungsvertrag auf die konkret ausgeübte berufliche Tätigkeit des Versicherten. Diese entspricht dem Wissen und den Fähigkeiten der versicherten Person und sichert seinen aktuellen Lebensstandard.
    Ein Versicherungsunternehmen kann im Leistungsfall nur dann auf einen anderen Job verweisen, wenn der Versicherte die entsprechende Ausbildung oder die entsprechenden Fähigkeiten dafür besitzt und dabei weder eine Unter- noch Überforderung entsteht. Darüber hinaus müsste der andere Job eine ähnlich hohe Vergütung sowie eine ähnliche soziale Wertschätzung wie der bisherige Beruf bieten. Enthält der BU-Vertrag eine konkrete Verweisung, ist es Aufgabe des Versicherten im Leistungsfall nachzuweisen, warum er auf eine bestimmte Tätigkeit nicht verwiesen werden kann.

Ein Beispiel: Ein Schichtleiter in einer Fabrik erkrankt, sodass er seine Führungsrolle nicht mehr ausüben kann. Die Versicherung möchte ihn deshalb auf eine einfache Arbeit am Band verweisen. In diesem Fall kann der Versicherte belegen, dass die „neue“ Arbeit weder dem Einkommen noch der sozialen Wertschätzung seiner bisherigen Arbeit entspricht.

So kann eine Klausel mit konkreter Verweisung im Versicherungsvertrag aussehen:

Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich mindestens 6 Monate außerstande ist, ihren versicherten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, auszuüben.
Quelle: https://openjur.de/u/447940.html

Was kann ich tun, wenn die Versicherung die Voraussetzungen für die Berufsunfähigkeit nicht anerkennen will?

Es kann vorkommen, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung Leistungen ablehnt. In diesem Fall können Versicherte zunächst Widerspruch einlegen. Empfehlenswert kann es dann auch sein, sich die Hilfe eines Fachanwalts für Versicherungsrecht zu holen.
Im besten Fall nehmen die Betroffenen bereits vor dem Antrag auf die BU-Rente eine anwaltliche Beratung in Anspruch. So steigt die Chance, dass keine Ablehnung erfolgt.

Welche Alternativen habe ich, wenn die BU meinen Versicherungsantrag ablehnt?

Wer verhindern möchte, dass er beim Antrag auf Versicherung abgelehnt wird, sollte bei Vorerkrankungen am besten eine Risikovoranfrage stellen. Dabei wird ermittelt, welche Einschränkungen es bei einem möglichen Versicherungsschutz geben könnte.
Danach sollten Sie prüfen, ob Ihr Versicherungsschutz trotz Leistungsausschlüssen noch ausreichend ist. So kann eine BU immer noch sinnvoll sein, selbst wenn ein Knie oder ein Fuß aufgrund von Vorerkrankungen ausgeschlossen wird. Ist im Leistungsausschluss jedoch die komplette Wirbelsäule enthalten, ist der Versicherungsumfang eher gering.

Sollte trotz Risikovoranfrage und Leistungsausschlüssen nur eine Ablehnung durch die Versicherung erfolgen, bleiben noch weitere Alternativen wie eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Unfallversicherung speziell für Unfallschäden.

Berufsunfähigkeit vor der ersten Prämienzahlung

In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass die Berufsunfähigkeit eintritt, bevor der Versicherte die erste Versicherungsprämie gezahlt hat. Das Versicherungsunternehmen hat hier die Möglichkeit, die Leistung zu verweigern. Allerdings muss der Versicherer Folgendes belegen können:

  • Der Versicherungsschein wurde dem Versicherten fristgerecht zugestellt.
  • Die Prämienberechnung erfolgte korrekt.
  • Der Versicherungsnehmer wurde korrekt belehrt.
  • Der Versicherungsnehmer ist verantwortlich für den verspäteten Zahlungseingang.
  • Die Abbuchung des Versicherungsbeitrags wurde vom Versicherer angekündigt.

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