Berufsunfähigkeitsversicherung Vorerkrankungen 2018-12-03T11:51:13+00:00
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Berufsunfähigkeitsversicherung und Vorerkrankungen – Tipps und Informationen

Berufsunfähigkeitsversicherung Vorerkrankungen
Lesezeit: 14 min

Wenn Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollen, müssen Sie beim Antrag Gesundheitsfragen des Versicherers beantworten. Auf diese Weise möchte die Versicherung mehr über Ihren Gesundheitszustand und somit über mögliche Vorerkrankungen wissen. Denn Ihre bisherigen und aktuellen Erkrankungen beeinflussen das Versicherungsrisiko. Hier haben wir alle wichtigen Informationen rund um das Thema „BU Vorerkrankungen“ für Sie zusammengestellt.

Kann ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung trotz Vorerkrankungen abschließen?

Grundsätzlich können Sie trotz Vorerkrankungen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Ob eine Versicherungsgesellschaft Ihren Antrag annimmt, hängt von der Art, der Schwere und dem Umfang Ihrer Vorerkrankungen ab.

Während es bei einigen Erkrankungen in der Regel problemlos möglich ist, gegen einen Risikoaufschlag dennoch versichert zu werden, sind manche schwere Krankheiten ein K.O.-Kriterium für Versicherer.

Versicherungsgesellschaften lehnen eher selten komplett ab

Manche Verbraucher scheuen sich aufgrund von Vorerkrankungen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Dabei bietet diese Police eine elementare Absicherung bei Verlust der Arbeitskraft.

Statistisch gesehen werden rund drei Viertel aller BU-Anträge angenommen. Für rund ein Zehntel aller Anträge bieten Versicherungsgesellschaften Leistungsausschlüsse bei Vorerkrankungen an. Mit Risikozuschlägen erhalten immer noch fast drei Prozent aller Antragsteller trotz Vorerkrankungen eine BU-Versicherung.

In weniger als fünf Prozent aller BU-Anträge lehnen die Versicherer komplett ab, ohne dass die Möglichkeit auf Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge besteht. Die Chancen sind also auch mit Vorerkrankungen generell nicht schlecht, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu erhalten.

Vorerkrankungen sollten bei Gesundheitsfragen nicht verschwiegen werden

Wichtig ist, dass künftige Versicherungsnehmer bei Gesundheitsfragen keine Vorerkrankungen verschweigen. Dies gilt insbesondere für die im Fragebogen erfragten Krankheiten.

Denn bei falschen Angaben ist der Versicherungsschutz in Gefahr. So kann der Versicherer den Vertrag einseitig kündigen, wenn feststeht, dass der Versicherungsnehmer beim Beantworten der Gesundheitsfragen Vorerkrankungen verschwiegen hat.

Es ist darüber hinaus auch möglich, dass eine Versicherungsgesellschaft die bereits gezahlte BU-Rente zurückverlangt, wenn herauskommt, dass die versicherte Krankheit schon vor dem Vertragsabschluss bestanden hatte und vom Versicherungsnehmer nicht angegeben wurde.

Gesundheitsfragebogen – was fragen die Versicherer?

Die Fragen der Versicherer bezüglich des Gesundheitszustands oder Vorerkrankungen der Antragsteller sind immer ähnlich. Gefragt wird:

  • Ob der Antragsteller in den vergangenen fünf Jahren bereits einmal von einer Versicherung abgelehnt wurde.
  • Ob der Antragsteller in den letzten fünf Jahren erkrankt war, an einer Behinderung litt oder geistige bzw. körperliche Schäden von einer Krankheit oder Verletzung davongetragen hat.

Zugleich werden Krankheiten präzisiert und auf alle Körperbereiche bezogen, wie Herz, Lunge, Magen, Darm, Stoffwechsel oder Kreislauf.

Darüber hinaus fragen die Versicherer nach Krebsleiden sowie nach akuten oder chronischen Leiden. Auch nach psychischen oder nervlichen Erkrankungen wird gefragt, ebenso nach Erkrankungen der Knochen, der Wirbelsäule, der Augen oder der Ohren. Schließlich möchten Versicherungsgesellschaften auch wissen, ob Allergien bestehen.

In der Regel liegt der abgefragte Zeitraum bei Gesundheitsfragen zwischen drei und zehn Jahren. Sollte die Erkrankung vor dem abgefragten Zeitraum liegen, muss diese in der Regel nicht angegeben werden.

Welche Vorerkrankungen können zu Einschränkung oder Ablehnung der BU führen?

Abhängig von der Schwere und der Art der Vorerkrankung kann diese auch zur Ablehnung einer BU führen.

  • psychische Leiden: Als häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit fragen Versicherungsgesellschaften besonders nach psychischen Leiden. So können Depressionen, Angsterkrankungen oder andere psychische Erkrankungen bei vielen Anbietern zur Ablehnung führen. Allerdings ist in manchen Fällen eine BU durch Leistungsausschlüsse dennoch möglich.
  • Erkrankungen des Bewegungsapparats: Ob Bandscheibenvorfall, Rheuma oder chronische Gelenkschmerzen, diese Erkrankungen spielen beim Antrag auf eine BU eine wichtige Rolle. Doch meist können für spezielle Bereiche Leistungsausschlüsse oder Risikoaufschläge vereinbart werden, sodass eine BU trotz dieser Art von Vorerkrankungen immer noch möglich ist.
  • Allergien: Im Rahmen der Gesundheitsprüfung werden potentielle Versicherungsnehmer auch nach Allergien gefragt. Sie können im schlimmsten Fall zur Berufsunfähigkeit führen, doch in der Regel können Antragsteller bei Leistungsausschlüssen mit einer BU-Versicherung trotz Allergien rechnen.

Krankheiten und Ablehnungswahrscheinlichkeit

Eine allgemeine Aussage zur Ablehnung von bestimmten Vorerkrankungen zu treffen, ist nicht möglich. Denn die Versicherungsgesellschaften arbeiten alle mit unterschiedlichen Modellen zur Risikoberechnung. So kann eine bestimmte Vorerkrankung bei einem Anbieter zur Ablehnung des Antrags führen, und bei einem anderen Versicherer ist eine BU mit Leistungsausschlüssen möglich.
Deshalb ist es immer wichtig, mit Vorerkrankungen die Angebote verschiedener Versicherungsgesellschaften miteinander zu vergleichen.

Es gibt jedoch Vorerkrankungen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Ablehnung führen. Zum einen gibt es meist keine Heilungschancen und zum anderen ist das Risiko einer Berufsunfähigkeit bei den Betroffenen besonders hoch:

  • Asthma
  • Diabetes Typ I
  • Herzinfarkt
  • Krebs (bösartige Tumore)
  • Morbus Crohn
  • Multiple Sklerose
  • Neurodermitis
  • Rheuma

Neben diesen körperlichen Leiden sind psychische Erkrankungen ein häufiger Grund für Ablehnungen von Versicherungsanträgen. Allerdings findet gerade bei psychischen Leiden meist eine sehr genaue Prüfung statt, da Krankheitsbilder und Prognosen trotz gleicher Diagnose sehr unterschiedlich sein können.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht mit einigen Vorerkrankungen und der Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung, einer Annahme mit Leistungsausschluss oder Risikoaufschlag. (Ohne Gewähr)

Ablehnung wahrscheinlichMögliche Annahme mit LeistungssauschlussAnnahme mit Risikoaufschlag möglich
AngststörungHörsturzMyome
Depressive ErkrankungBluthochdruckHämorrhoiden
Rheumatische ArthritisKurz-/Weitsichtigkeit über acht DioptrienSchilddrüsenunterfunktion
SchilddrüsenüberfunktionBandscheibenvorfallChronische Gastritis

Anonyme Risikovoranfrage stellen!
Wenn Sie Vorerkrankungen haben und sich nicht sicher sind, ob ein BU-Antrag erfolgreich ist, sollten Sie am besten eine anonymisierte Risikovoranfrage stellen. Diese können unsere Experten für Sie durchführen.
Dabei wird ein Antrag ohne Ihren Namen, aber mit Ihren Gesundheitsdaten bei verschiedenen Anbietern gestellt. Anschließend erhalten Sie Antworten der Versicherer, ob eine BU möglich wäre, und wenn ja, zu welchen Bedingungen.

Warum ist das wichtig? Die Versicherungsgesellschaften arbeiten mit einer Datenbank, dem Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherungswirtschaft (HIS). In dieser Datenbank werden Angaben zu Versicherungsnehmern und zu abgelehnten Anträgen gespeichert. Vor einem Antrag greifen die Versicherer auf die Daten des HIS zu. Stehen dort bereits mehrere Ablehnungen, ist die Chance groß, dass Antragsteller erneut eine Ablehnung erhalten.

Mit einer anonymen Risikovoranfrage wird der Eintrag im HIS vermieden. Darüber hinaus ist die Chance groß, dass Ihr Versicherungsantrag angenommen wird, wenn eine Versicherung auf der Basis Ihrer Gesundheitsdaten bereits ein Angebot gemacht hat.

Risikozuschläge bei Genesung wieder verringern

Für viele Verbraucher sind Risikozuschläge die einzige Möglichkeit, um trotz Vorerkrankung eine BU zu bekommen. Die Aufschläge können 50 Prozent und mehr betragen. So kann ein Versicherungsnehmer bei gleichem Beruf und gleichem Alter ohne Vorerkrankungen für seine BU zum Beispiel 100 Euro pro Monat bezahlen. Aufgrund von Allergien oder einem Rückenleiden kann es jedoch sein, dass Sie für das gleiche Produkt mit Risikoaufschlag 150 oder sogar 200 Euro monatlich berappen müssen.

Doch Risikoaufschläge sind nicht „in Stein gemeißelt“, denn laut Versicherungsvertragsgesetz können diese auch reduziert werden, wenn sich die Umstände geändert haben:
„Ist wegen bestimmter gefahrerhöhender Umstände eine höhere Prämie vereinbart und sind diese Umstände nach Antragstellung des Versicherungsnehmers oder nach Vertragsschluss weggefallen oder bedeutungslos geworden, kann der Versicherungsnehmer verlangen, dass die Prämie ab Zugang des Verlangens beim Versicherer angemessen herabgesetzt wird.“
https://dejure.org/gesetze/VVG/41.html

Kurz: Haben Sie beim Abschluss der BU einen Risikoaufschlag aufgrund einer Vorerkrankung hinnehmen müssen, kann dieser verringert werden, wenn die Erkrankung geheilt wurde. Damit Sie die Senkung der Prämie erreichen können, benötigen Sie für die erfolgreiche Behandlung einer Erkrankung ein ärztliches Attest. Darin wird bescheinigt, dass Ihr Gesundheitsrisiko genauso groß ist wie bei einer Person, die diese Vorerkrankung nicht hatte.

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