Was Versicherungsmakler heute mindestens über Blockchain wissen sollten

Beitragsreihe: So nutzen Versicherungsmakler die Vorteile von Insurtechs – #6

Lesezeit: 5 min

Skepsis oder Offenheit? Geht es um Insurtechs, die Versicherungen und Beratungsservices dazu anbieten, entscheiden sich immer mehr Versicherte für deren innovative Services. Vor allem jüngere Verbraucher greifen immer häufiger auf moderne Versicherungsdienstleistungen zurück. Die Branche ist nach Angaben des New Players Network in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz inzwischen auf 80 Insurtechs angewachsen. Schneller, effizienter, kundenfreundlicher – das sind die Top 3-Vorzüge, mit denen die jungen Firmen um neue Partner und Kunden für ihre wachsenden Netzwerke werben.

Einige Insurtechs grenzen sich strikt von den etablierten Vertriebsstrukturen ab. Da knirscht es schon mal zwischen den alten Platzhirschen und den digitalen Emporkömmlingen. Andere Insurtechs gehen weniger konfrontativ vor und verstehen sich als Ergänzung im Schnittfeld zwischen alter und neuer Versicherungsbranche. Unterm Strich werden die großen Insurtechs oft in einem Atemzug genannt. Ihre Geschäftsmodelle unterscheiden sich aber teils deutlich voneinander.

Einige wie Knip oder Getsafe verdienen Geld, indem sie das direkte Maklermandat ihrer Kunden anstreben. Andere wie Coya agieren mit eigener Versicherungslizenz. Und wieder andere wie wefox fahren integrativ und mehrgleisig. Das Berliner Insurtech arbeitet sowohl mit eigenen Inhouse-Maklern als auch mit externen Kooperations-Maklern zusammen. Der Draht zu den etablierten Versicherern ist gut und kurz. Seinen Maklerpartnern garantiert wefox hundertprozentige Bestandssicherheit. Das Geschäftsmodell steht für gemeinsames Wachstum. Welche Lösungen für kooperierende Versicherungsmakler und Versicherte besonders hilfreich sind, zeigt diese Beitragsreihe.

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Die Blockchain-Technologie wird die Wertschöpfungskette drastisch verändern

Vor allem die Insurtechs sind es auch, die neue innovative Technologien und Kundenlösungen konsequent vorantreiben. Als nächsten bahnbrechenden Technologiesprung haben viele Experten die Blockchain ausgemacht. Ihr werden so immense Vorteile zugesprochen, dass sie schon bald unseren Alltag stark umkrempeln dürfte. Vielleicht so gravierend wie zuletzt das Internet oder seinerzeit der Verbrennungsmotor und die Elektrizität.

Wenn das Internet für den Beginn der Informationsgesellschaft steht, dann bedeutet die Blockchain nicht mehr oder weniger als den endgültigen Sprung ins vollautomatisierte digitale Zeitalter. So oder so ähnlich wird es später einmal heißen, wenn der Blick retrospektiv zurückgeht. Womöglich tut die Blockchain das auch in Kombination mit der potenziell ebenfalls disruptiven Technologie der künstlichen Intelligenz (KI). Das ist aber Thema eines anderen Beitrags.

Grundsätzlich ist der Blockchain zuzutrauen, das Internet der Informationen und das Internet der Dinge um das Internet der Werte zu ergänzen.

Was ist damit gemeint und was steckt dahinter? Im Grunde ist die Blockchain eine transaktionale, dezentrale und bei Bedarf endlose Datenbank. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bezeichnet eine Kette von Datenblöcken. Diese Kette lässt sich fortlaufend um neue Datenblöcke erweitern, in denen neue Transaktionen vermerkt werden. Das Prinzip ähnelt einem unbestechlichen Buchhalter oder Chronisten, der täglich alle Transaktionen zu einem bestimmten Zweck auf ein Blatt Papier schreibt und am Abend in einen großen Ordner heftet. Das Blatt Papier entspricht dem Datenblock. Der Ordner ist die Blockchain.

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Potenziale der Blockchain für die Versicherungsbranche

Der Vergleich mit dem Buchhalter ist nicht zufällig gewählt. Die Finanzbranche ist bekanntlich als erster Wirtschaftszweig stark mit der Technologie in Berührung gekommen. Der Hype um die Krypto- Währung Bitcoin ist keinem verborgen geblieben. Und die Finanzbranche ist zurecht in Aufruhr. Verständlicherweise, wenn man sich vor Augen hält, was und wen die Blockchain im Währungs- und Finanzverkehr künftig alles überflüssig machen könnte. Zentral-, Geschäfts- und Depotbanken, Goldreserven, Regulierungsbehörden und viele Institutionen und Profiteure mehr wären in ihrer heutigen Form plötzlich obsolet, wenn alle Geschäfte peer-to-peer über Krypto-Währungen und dezentrale Netzwerke abgewickelt würden.

Die Finanzwelt ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aber nur der Anfang der Blockchain-Revolution. Denn die Informationen, die in den chronologischen Datenblöcken gespeichert werden können, sind frei wählbar. Alles, was Inhalt, Wert und Konditionen besitzt, lässt sich abbilden. Ob es Bitcoins, Besitzurkunden, Frachtpapiere oder eben Versicherungsverträge sind, ist letztlich völlig egal. Noch steht die Technologie am Übergang von der Pionier- in die Wachstumsphase. Aber schon jetzt halten erste Blockchain-basierte Prozesse und Produktstandards auch in der Versicherungsbranche Einzug.

Besonders interessant und für jeden Versicherungsmakler von größtem Interesse sind zum Beispiel Versicherungsprodukte, die über sogenannte ‚Smart Contracts‘ funktionieren.

Damit sind intelligente digitale Verträge gemeint, die auf Grundlage von Wenn-Dann-Regeln bestimmte Arbeitsschritte wie ein Programm selbstständig ausführen. Die Auslandsreise- Krankenversicherung, die bei Abflug automatisch in Kraft tritt und sich bei Rückkehr von selbst wieder deaktiviert. Die Flugverspätungsversicherung, die dem Kunden bei Verspätung automatisch eine Entschädigung ausbezahlt. Die Reiseschutzversicherung, die dem Kunden im Leistungsfall den Reisepreis eigenständig zurückerstattet. Die Krankenversicherung, die dem langzeit gesunden Verbraucher automatisch eine Prämie zurückzahlt. Einiges davon gibt es schon. Vieles ist denkbar. Noch mehr wird kommen.

Und nicht nur die Vorreiter der Branche, die jungen und dynamische Insurtechs haben die Zeichen der Zeit erkannt. Inzwischen beschäftigen sich auch schon einige große Versicherungskonzerne wie die Allianz, Münchener Rück & Co. intensiv mit dem Thema. Dennoch hinkt die deutsche Versicherungswirtschaft nach Meinung aller Experten international jetzt schon hinterher. Im Jahr 2018 haben nach einer aktuellen Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) nur 13 Prozent der Branchenunternehmen schon personelle und finanzielle Ressourcen in das Thema investiert. Weitere 5 Prozent diskutieren erste Investitionen für das Jahr 2019. Da sind andere Länder deutlich weiter. Denn so oder so wird die Blockchain nicht ohne Folgen für die künftige Arbeit des Versicherungsmaklers bleiben.

Die 3 großen Vorteile der Blockchain

Über den Erfolg der Blockchain auf dem Versicherungsmarkt entscheiden letztlich wie immer zwei Faktoren. Der Verbraucher muss die Produktinnovationen annehmen. Und für die Anbieter müssen sich die Prozessinnovationen lohnen. Wie wahrscheinlich beides ist, wenn erst einmal noch bestehende technische und organisatorische Probleme zuvorderst durch die sich immer weiter potenzierende Rechnerleistung gelöst sind, kann sich jeder Makler schnell ausrechnen. Denn die Vorteile für den Kunden und die Gesellschaften liegen klar auf der Hand:

  • Sicherheit: Alle Versicherten- und auch wettbewerbsentscheidenden Unternehmensdaten sind bestens geschützt. Die dezentrale Ablage auf vielen verschiedenen Computern, Clouds und Rechnernetzwerken rund um den Globus in Verbindung mit sicheren Verschlüsselungen machen Blockchains fast unangreifbar. Wenn zum Beispiel eine Versicherungspolice als Blockchain in einem Netzwerk mit 100.000 Nutzern – sogenannten Nodes – abgelegt ist, dann gibt es von dieser Blockchain auch 100.000 voneinander unabhängige Kopien. Zusätzlich enthält jeder Block einen referenziellen Prüfwert zum vorherigen Block – den sogenannten Hash. Das macht Blockchains gegenüber herkömmlichen zentralen Datenbanken praktisch fälschungssicher. Eine Version eines Versicherungsvertrages könnte leicht gefälscht werden. Das würde im automatisierten Querabgleich mit den anderen 99.999 Kopien samt aller verknüpften Hashs aber schnell auffallen. Fälschungen oder fehlerhafte Blockchains werden rasch aussortiert. Im Englischen spricht man bei solchen Systemen auch von einer „Distributed Ledger Technology“ (DLT). Der Begriff bezeichnet eine verteilte Buchhaltungstechnik.
  • Flexibilität: Wie Blockchain-Netzwerke konfiguriert werden, ist völlig individuell zu bestimmen. An manchen können die Nutzer anonym teilnehmen. Bei anderen müssen sie sich persönlich identifizieren. Manche Blockchains sind öffentlich und jeder kann mitmachen wie beim Bitcoin. Andere sind dagegen privat bzw. geschlossen und richten sich an einen festen Kreis von Teilnehmern. Das ist vor allem für Unternehmen wie Versicherungsgesellschaften, Insurtechs, aber auch größere Maklerbüros und ihre jeweiligen Stakeholder (Kunden, Aktionäre, Makler, Sachverständige, Mitarbeiter usw.) sehr interessant. Es gibt auch geschlossene Systeme, bei denen sich mehrere Unternehmen zum gegenseitigen Nutzen zusammentun, die sonst erbittert um Marktanteile konkurrieren. Das beste Beispiel dafür ist das junge B3i-Konsortium, in dem sich global 13 große traditionsreiche Versicherer zusammengefunden haben. Darunter befinden sich neben der deutschen Allianz beispielsweise die niederländische Ageon und die US- amerikanische Liberty Mutual. Sie bündeln in einer dezentralen Blockchain gemeinsam diverse Vertragsbedingungen, um etwa im Schadensfall durch Naturkatastrophen die Abwicklung effizienter zu gestalten.
  • Geschwindigkeit: Die Blockchain kann Vertragsabschlüsse deutlich beschleunigen. Transaktionen in Echtzeit wie beispielsweise beim internationalen Geldverkehr mit Krypto- Währungen sind möglich. Die Informationen über den Versicherten und seinen Versicherungsschutz werden fälschungssicher und direkt in eine Blockchain codiert und unmittelbar zwischen allen Berechtigten geteilt. Der Versicherer erhält die Angaben umgehend. Der Versicherte ist im Nu geschützt. Der Makler erhält flott seine Provision oder Courtage. Im Leistungsfall tritt ohne Diskussion die vereinbarte Regelung in Kraft. Reibungsverluste reduzieren sich. Der Verwaltungsaufwand, wie etwa durch die manuelle Bearbeitung eines Sachbearbeiters, sinkt ebenfalls. Das bereits erwähnte B3i-Konsortium verspricht sich nach eigenen Angaben, dass jeder der teilnehmenden Versicherer schon mit der heutigen Blockchain- Technologie 30 Prozent seiner Verwaltungskosten einsparen kann.

Tipp: Vielleicht noch nicht nächste Woche und möglicherweise noch nicht in wenigen Monaten – aber schon in sehr naher Zukunft wird die Blockchain drastische Auswirkungen auf die Versicherungsbranche entfalten. Das disruptive Potenzial der Innovation im Versicherungswesen ist kaum zu überschätzen. Bereiten Sie sich als Versicherungsmakler heute schon darauf vor. Die digitale Dezentralisierung von Werten kommt. Der Kunde von morgen wird höhere Ansprüche an Datensicherheit, Flexibilität und Geschwindigkeit stellen. Der Versicherungsmakler, der dann noch Erfolg haben will, sollte eng an der weiteren Entwicklung der Blockchain-Revolution bei Versicherungsprodukten dranbleiben. Ignorieren Sie nicht die Zeichen der Zeit wie seinerzeit Telekom-Chef Ron Sommer. Der meinte bekanntermaßen noch 1990: „Das Internet ist eine Spielerei für Computerfreaks. Wir sehen darin keine Zukunft.“ Wie anders es gekommen ist, wissen wir.

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2019-06-11T12:42:21+02:00

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