3. Juni 2020|Lesezeit: 6 min

Gesetzesänderungen und neue Rahmenbedingungen greifen meist nicht über Nacht. So kündigen sich novellierte Gesetze, Erlasse und Verfügungen auf EU-, Bundes- oder Landesebene oft allein schon durch das langwierige Gesetzgebungsverfahren etliche Zeit vorher an.

In diesen Verfahren und Prozessen werden vorab sogar alle betroffenen Fachverbände und besonders großen Marktteilnehmer gehört und konsultiert. Außerdem berichtet die Presse regelmäßig über anstehende Neuigkeiten. Kurzfristiger können eigentlich nur gravierende Vorgänge in Umwelt und Gesellschaft für neue Rahmenbedingungen sorgen.

Theoretisch hätten also meistens alle, die es beispielsweise beim Thema Versicherungen betrifft – insbesondere die Versicherten selbst, aber ebenso die Versicherungsmakler und die Versicherungsunternehmen – genügend Vorlaufzeit, um sich auf Neuerungen einzustellen. Das betrifft die Anbieter- und Nachfragerseite.

Den Versicherungsnehmern, Versicherungsgesellschaften und den ihnen vertrieblich zuarbeitenden Maklern bliebe somit in 99 von 100 Fällen genügend Zeit. Wertvolle Vorlaufzeit, um neue Policen zu entwickeln, alte Versicherungstarife zu modifizieren und die Versicherten auch dank der Beratung durch den Versicherungsmakler zu informieren.

Praktisch jedoch bricht kurz vor knapp stets die berühmte Hektik aus. So lange ein Gesetz, eine Verfügung, ein Erlass oder ein neuer Steuersatz noch nicht endgültig mit Brief, Siegel und Datum versehen sind und in Kraft treten, schieben etliche das Thema vor sich her. Es könnte ja noch alles anders kommen. Dabei wohnen jeder Änderung neue vielversprechende Vertriebspotenziale inne.

An dieser Dynamik kann diese Beitragsreihe zwar auch nichts ändern. Wohl aber kann sie auf aktuelle Neuerungen hinweisen, die von echter Relevanz für jeden Versicherungsmakler sind. Zusammengefasst werden im Folgenden hilfreiche Tools und Ansätze für den Makler, die beim künftigen Produktvertrieb helfen können.

Mehr Neukunden, stärkere Kundenbindung und weniger Administrationsaufwand – mit digitaler Schubkraft. Werden Sie jetzt Partner bei wefox.

Mehr erfahren

Die gesetzliche Verpflichtung zur Altersvorsorge für Selbstständige kommt

Selbstständige sind anders als normale Arbeitnehmer nicht unbedingt rentenversicherungspflichtig in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Sie müssen sich als Freiwillige oft selbst um ihre finanzielle Altersvorsorge kümmern. So ist es jedenfalls bislang noch. Das könnte sich bald ändern. So will es die Regierung und eine breite politische Mehrheit. So steht es im aktuellen Koalitionsvertrag.

Selbständige und Freiberufler, die nicht anderweitig obligatorisch abgesichert sind, sollen künftig gesetzlich zur hinreichenden Altersvorsorge zwangsverpflichtet werden. Den Termin für einen Gesetzesentwurf dazu, zunächst auf Referentenbasis, hatte das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mehrfach verschoben. Die Angelegenheit ist indes nicht vom Tisch:

Ja, das Thema [Anm.: die Einbeziehung der Selbstständigen in die Rentenversicherungspflicht] steht weiterhin auf unserer Agenda.

So bestätigte es zuletzt Ende Mai 2020 Dominik Ehrentraut, Stellvertretender Pressesprecher des BMAS, auf unsere Anfrage hin. Einen konkreten Zeitplan konnte er allerdings noch nicht verraten. Bei der Terminplanung scheint Vorsicht eingekehrt zu sein. Schließlich riss man die erste selbst gesetzte Deadline schon in der ersten Jahreshälfte 2019. Auch die zweite Frist gegen Ende 2019 hielt nicht.

Einem Bericht des Neuen Deutschland zufolge rechnen Insider jetzt erst dann mit einem Entwurf, wenn das Parallelthema Grundrente endgültig durch das Parlament ist. Vermutlich ist damit frühestens von Sommer oder mittlerweile sogar von Herbst 2020 die Rede.

Dringender Handlungsbedarf

Denn nicht nur der Zwist unter den parlamentarischen Kontrahenten um das Thema Grundrente kam dazwischen, sondern vor allem das Krisenmanagement von Corona und COVID-19. Die Rentenversicherungspflicht von Selbstständigen befindet sich derzeit genauso in der Warteschleife wie viele andere politische Vorhaben.

Unabhängig vom genauen Zeitpunkt ist weiterhin fest von einer gesetzlichen Neuregelung auszugehen. Dafür spricht nicht allein nur die Ministeriumsaussage, sondern insbesondere ebenso der Fakt, dass immer mehr Selbstständige aus verschiedensten Gewerben von Altersarmut betroffen sind.

Die Grundsicherungsquote – also die Quote derer, die im Alter wegen unzureichender Rente Grundsicherung beziehen – stieg unter Selbstständigen zuletzt deutlich stärker an als unter Arbeitnehmern in abhängiger Beschäftigung.

Kaum anders lassen sich die Zahlen interpretieren, die zum Beispiel die Bundesregierung bereits 2016 bei einer entsprechenden Lageeinschätzung offenlegte. Nachzulesen sind die Erkenntnisse dazu in der Antwort (Drucksache 18/10762), die die Regierung seinerzeit auf eine große Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hin veröffentlichte.

Auch die Ergebnisse der jüngeren und repräsentativen Studie des Instituts YouGov im Auftrag der Quirin Privatbank vom August 2019 weisen in diese Richtung. Demnach fürchten sich 62 Prozent aller Menschen mit selbstständiger oder freiberuflicher Tätigkeit vor Altersarmut oder unzureichender finanzieller Absicherung.

Mehr Neukunden, stärkere Kundenbindung und weniger Administrationsaufwand – mit digitaler Schubkraft. Werden Sie jetzt Partner bei wefox.

Mehr erfahren

Chancen und Möglichkeiten der Pflichtregelung

Die Suche nach der Lösung, wie eine hinreichende Altersvorsorge künftig jeden wieder etwas angeht, wird eine gesetzliche Antwort erhalten. Und der Kelch des Sozialgesetzbuches (SGB) und der Sozialversicherung geht dann auch nicht mehr an Selbständigen, Freiberuflern und Existenzgründern vorbei.

Zumindest nicht an denen, die anders als Minijobber und Studenten hauptberuflich ihren Lebensunterhalt in der Selbstständigkeit oder in freien Berufen verdienen. Das BMAS geht von ca. drei Mio. Betroffenen aus. Ausgenommen bleiben lediglich diejenigen, die wie Ärzte, Handwerker oder Künstler schon in berufsständischen Versorgungswerken obligatorisch rentenversichert sind.

Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.

An dieses geflügelte Wort wird sich deshalb schon in Kürze der eine oder andere künftig rentenversicherungspflichtige Selbstständige erinnern. Die Wahl lautet demnächst nicht mehr, ob und wie fürs Alter freiwillig vorzusorgen sei. Sondern sie entscheidet sich nur noch zwischen der Pflichtmitgliedschaft in der GRV oder einer Alternative, die als sog. Opt-out-Lösung zugelassen ist.

Gut beraten sind dann die Selbstständigen, die sich vorab von ihrem Versicherungsmakler haben gut beraten lassen. Die Vertriebschancen, die sich daraus für Vermittler ergeben, liegen auf der Hand. Wer später Leistung erwartet, muss heute Beiträge zahlen. Und wer die beste Leistung aus seinen Beiträgen erwartet, sollte schnell Kontakt zu seinem Sachwalter in Versicherungsfragen aufnehmen.

Die Positiv-Liste möglicher Lösungen dürfte kurz ausfallen

Welche Versicherungslösungen dabei einen Nachfrageboom erleben werden, hat der Gesetzgeber im Grunde bereits vorweggenommen. Denn die neben der GRV gestatteten Opt-out-Lösungen sollen unbedingt insolvenz- und pfändungssicher sein und zudem zu einer Rente oberhalb des finanziellen Grundsicherungsniveaus führen.

Experten wie etwa Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV), befürworten deshalb beispielsweise laut Bericht des Versicherungsmagazins eine sog. Positivliste. Diese soll allen Beteiligten transparent Orientierung bieten, welche Versicherungsprodukte in Zukunft zulässig sind, um der neuen gesetzlichen Norm zu genügen.

Damit reduzieren sich die passenden Versicherungslösungen auf dem heute sehr vielschichtigen Markt für Altersvorsorgeprodukte erheblich. Im Folgenden eine verkürzte und unverbindliche Einschätzung zur Prüfung der Möglichkeiten:

  • Basis-Rente bzw. Rürup-Rente: Die Basis-Rente behandelt Arbeitnehmerschaft und Selbstständigkeit vom Grundsatz her gleich. Diese Art der privaten Altersvorsorge kommt dem Ansatz und Ziel nach der gesetzlichen Rentenversicherung vermutlich am nächsten. Kapitalauszahlungen sind nicht möglich. Letztlich steht eine lebenslange Rente zur Verfügung.

    Zudem partizipiert sie stark von steuerlicher Förderung durch den Staat. Dennoch bietet die Rürup-Rente anders als die GRV verschiedene Wahlmöglichkeiten von Produkten mit einer Garantieverzinsung, fondsgebundenen Rentenversicherungen oder hybriden Varianten bis hin zu solchen mit Indexpartizipation.

    Auch eine zusätzliche Erweiterung um klassische GRV-Elemente wie Hinterbliebenenschutz oder Schutz vor Berufsunfähigkeit bzw. Erwerbsunfähigkeit ist möglich. Dass die Basisrente die künftigen Opt-out-Voraussetzungen erfüllt, ist somit nahezu sicher.

  • Riester-Rente: Die Riester-Rentenversicherung in ihren verschiedenen Versionen, die ebenfalls steuerlich gefördert wird, lohnt sich vor allem für Gutverdiener und aufgrund der hohen Kinderzulagen ebenso für Familien mit mehreren Kindern. Nur in begrenztem Umfang lohnt sie sich auch für alleinstehende oder kinderarme Geringverdiener.

    Dieser Form der privaten Altersvorsorge droht, dass sie nicht den geplanten Opt-out-Ansprüchen genügt. Denn etwa Pfändungssicherheit wäre nach gültiger Rechtslage möglicherweise nur dann gegeben, wenn Förderfähigkeit vorläge. Hier behandelt das Produkt bzw. dessen steuerliche Förderfähigkeit Arbeitnehmer und Selbstständige jedoch ungleich.

    Für Selbständige gilt diese Förderfähigkeit nämlich an dieser Stelle grundsätzlich nicht. Nur eine mittelbare Förderfähigkeit über den Ehegatten könnte eventuell geltend gemacht werden. Allein schon deshalb ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Riester-Produkte die Prüfung der Opt-out-Anforderungen an die neue Versicherungspflicht nicht erfüllen.

  • Private Rentenversicherung: Die vielfältigen Formen der privaten Rentenversicherung – ob als klassische, fondsgebundene oder hybride Varianten – dürften die Opt-out-Bedingungen sogar gleich aus mehreren Gründen verfehlen.

    So gereicht insbesondere die eigentlich positive und durchweg hohe Flexibilität dem Produkt hier zu seinem eigenen Nachteil. Sie sind beispielsweise nicht ganz zufällig als Sicherheit beim Erwerb einer Immobilie beliebt. Beleihen, entnehmen, vorzeitig kündigen oder kapitalisieren – alles ist möglich.

    All das verstieße allerdings auch gegen wesentliche Prüfungskriterien der geplanten Gesetzesneuregelung. Private Rentenversicherungen bieten nämlich weder Pfändungs- noch Insolvenzsicherheit.

  • Betriebliche Altersvorsorge: Mit der Gesellschafter-Geschäftsführer-Versorgung (GGF) können sich freie Unternehmer eine wirksame Altersvorsorge aufbauen. Zum Beispiel geht das elegant über den Geschäftsführervertrag als Arbeitgeber. So macht sich der Inhaber selbst zum Arbeitnehmer in der eigenen Firma.

    Die GGF erfüllt mit ihren Bausteinen Direktversicherung und Unterstützungskasse zumindest auf den ersten Blick die gesetzlich vorgesehenen Bestimmungen der Pfändungs- und Insolvenzsicherheit.

    Auf den zweiten Blick allerdings genügen wiederum einige Kriterien kaum den kommenden Opt-out-Anforderungen. Denn sowohl bei der Direktversicherung als auch beim angesparten Vermögen der Unterstützungskasse ließen sich, entsprechende vertragliche Vereinbarungen vorausgesetzt, vom Gesetzgeber unerwünschte vorzeitige Kapitalentnahmen erwirken.

Tipp

Als Versicherungsmakler, der sich mit der Materie schon näher befasst hat, sind Sie womöglich ebenso bereits zum Schluss gekommen, dass es für den Selbstständigen letztlich wohl nur auf die kleinstmögliche Wahlfreiheit hinauslaufen könnte. Die Entscheidung fiele zwischen der starren GRV oder eben der flexibleren Rürup-Rente.

Sollten die Versicherer nicht noch entsprechende Tarif- und Produktinnovationen entwickeln, die die künftigen gesetzlichen Vorgaben an Opt-out-Lösungen ebenfalls vollumfänglich erfüllen, bleibt es wohl grundsätzlich auch dabei. So fällt der Vergleich im Moment recht einfach.

Vor allem für gut und besser verdienende Selbstständige gibt es in diesem Szenario kaum einen vernünftigen Grund, sich nicht freiwillig privat über eine Basisrente für den Ruhestand abzusichern. Lediglich für Selbstständige mit erheblichen Einkommensrisiken lohnt sich der Gang in die gesetzliche Rentenversicherung womöglich mehr.

Was sich für Sie als Makler auf jeden Fall lohnen dürfte, ist das Neugeschäft durch die beabsichtigte Gesetzesänderung. Realisieren Sie es. Nutzen Sie Ihre Kraft und Expertise, um das damit verbundene Vertriebspotenzial zu heben. Über Ihre Kompetenz findet der Versicherte zur individuell besten Lösung.

Besonders effektiv können Sie Ihr Kerngeschäft – Beratung, Angebot und Abschluss – übrigens dann gestalten, wenn Sie vor- und nachgelagerte Aufgaben an verlässliche Partner delegieren. Lassen Sie sich entlasten, um Ihre Wertschöpfungskette besser auszulasten. Nutzen Sie dazu zum Beispiel leistungsfähige Tools für Akquise, Kundenverwaltung, Kundenservice oder zur Lead-Gewinnung.

Solche wie sie etwa der digitale Maklerpool und Versicherungs-Marktplatz wefox kostenfrei für seine assoziierten und dennoch zugleich weiterhin unabhängigen Makler anbietet. Kooperationsmakler von wefox steigern ihr Einkommen damit in der Regel erheblich. Eine Umsatzverdopplung gleich im ersten Jahr ist keine Seltenheit. Interesse geweckt?

Mehr Neukunden, stärkere Kundenbindung und weniger Administrationsaufwand – mit digitaler Schubkraft. Werden Sie jetzt Partner bei wefox.

Mehr erfahren