25. August 2020|Lesezeit: 5 min

Eigentlich war es vom Gesetzgeber unmissverständlich gemeint. Seit 2018 mit der IDD Richtlinie und der novellierten Fassung der Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) die Richtlinie (EU) 2016/97 des Europäischen Parlaments und des Rates zum Versicherungsvertrieb in deutsches Recht umgesetzt wurde, sind 15 Weiterbildungsstunden pro Jahr für Versicherungsmakler obligatorisch.

Das gilt für jeden Makler, Vermittler und am Vertrieb von Versicherungen direkt Beteiligten. So lautet der aktuelle europäische Mindeststandard. Der Weiterbildungsverpflichtung unterliegen demzufolge auch alle am Versicherungsbetrieb beteiligten Personen des Innendienstes wie etwa Mitarbeiter der Vertragsverwaltung oder Schadensbearbeitung und das Management von Branchenunternehmen.

Der Gesetzgeber will mit der Weiterbildungspflicht die bestmögliche Beratungsqualität im Sinne des Verbrauchers und Kunden sichern.

Wir vom wefox Makler Magazin berichteten zu den Themen Weiterbildungspflicht und gesetzliche Änderungen dazu zuletzt im Mai 2019. Es ging konkret darum, woran Versicherungsmakler eine gute Weiterbildung erkennen können. Inzwischen hat die Judikative nachdrücklich bestätigt, was die Legislative beschlossen hat. Die neue Weiterbildungspflicht gemäß IDD gilt für jeden Makler.

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts (VG) Ansbach Anfang Juli 2020 erfolgte, weil ein Makler dagegen geklagt hatte. Der Versicherungsvermittler und Geschäftsführer einer Maklerbüro GmbH erhielt 2019 einen Bescheid der IHK. Die forderte ihn auf, die Erfüllung der Weiterbildungspflicht nach § 34d Absatz 9 Satz 2 der Gewerbeordnung für 2018 nachzuweisen. Der Makler behauptete, dass er sich aufgrund von Ausnahmetatbeständen nicht weiterbilden müsse und zog vor den Kadi.

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Gibt es Gründe, die die Pflicht zur Weiterbildung für Makler aufheben?

Der klagende Versicherungsvermittler führte im Laufe des Verfahrens u.a. drei Begründungen an. Zum einen berief er sich auf die sog. „Alte-Hasen-Regelung“, Stichwort: Bestandsschutz. Nach dieser Formel erhielten alle Vermittler, die seit August 2000 ununterbrochen beispielsweise als Makler tätig sind, ihre Zulassung zum Eintrag ins Vermittlerregister ohne den danach verpflichtend eingeführten Sachkundetest.

Somit sollten für sog. „Alte Hasen“ folglich auch die später gesetzlich vorgeschriebenen Weiterbildungsstunden entfallen. Immerhin habe der Gesetzgeber den Sachkundetest für Veteranen ebenso nicht für erforderlich gehalten. Und falls doch eine Pflicht zur Fortbildung bestanden haben sollte, führte der Kläger als zweiten Punkt an, habe er dazu keine Angebote von der IHK erhalten.

Entbindet die Weiterbildungspflicht von der Eigenverantwortung, für deren Erfüllung Sorge zu tragen?

Seiner Meinung nach müssten der Gesetzgeber oder seine mit der Durchführung beauftragten Organe dafür sorgen, dass er Informationen und Hinweise für Fortbildungsveranstaltungen mit versicherungsunabhängigen Referenten erhalte. Und überhaupt habe der klagende Versicherungsmakler ebenfalls keine Veranstaltungsangebote von privaten Bildungsträgern erhalten.

In pseudologischer Fortsetzung baute der Makler darauf den dritten Punkt seiner Argumentation auf. Es gäbe nämlich gar keine unabhängigen Weiterbildungen in seiner Region. Zudem seien solche von Referenten, die von einer Versicherungsgesellschaft bezahlt würden, im Ergebnis wertlos und nicht zumutbar. Denn dabei würde es sich im Wesentlichen nur um reine Werbeveranstaltungen handeln.

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Nein, gibt es nicht, sagt das Gerichtsurteil in mindestens 3 Antworten!

Das Gericht folgte keiner dieser Auffassungen. Das VG Ansbach wies die Klage des Maklers in allen Punkten zurück. Es äußerte sich in der Begründung sehr deutlich zu jedem einzelnen der vorgebrachten Streitpunkte und sogar darüber hinaus. Sollten bislang noch Zweifel bestanden haben, dass die neue Fortbildungspflicht nicht für alle gelte, dürften diese jetzt ausgeräumt sein.

Der Bescheid der Industrie- und Handelskammer zum Nachweis der Weiterbildung sei rechtmäßig. Das Urteil könnte gar Präzedenzwirkung für ähnliche Streitfälle haben. Versicherungsvermittler, die sich jetzt noch mit ähnlich gelagerten Auffassungen in der Diskussion mit Kammern und Ämtern befinden, seien die Entscheidungsgründe des VG Ansbach wärmstens ans Herz gelegt.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und gewiss nicht als Rechtsberatung gemeint, hier drei interessante Aspekte des Rechtsspruchs in vereinfachtes Deutsch für Nichtjuristen übersetzt:

  • Einen Automatismus von Ausnahmen gibt es nicht: Das Gericht stellte klar, dass aus einer Ausnahmeregelung nicht zwangsläufig eine nächste Ausnahmeregelung abzuleiten ist. Das stünde nicht im Gesetz und das habe der Gesetzgeber deshalb so auch nicht vorgesehen.

    Zudem gäbe es keine anderen Gründe, Anlässe und Anforderungen, die den Makler dauerhaft von der Weiterbildungspflicht befreiten. Das könnten Zusatz- und Parallelqualifikationen wie etwa der Abschluss eines rechtswissenschaftlichen Studiums ebenfalls nicht leisten.

    Die Weiterbildungspflicht für Versicherungsvermittler gelte und zwar unabhängig von der Tatsache, ob der Makler als „Alter Hase“ keine gesonderte Sachkundeprüfung ablegen musste oder zugleich noch ausgebildeter Jurist sei. Das eine ändere nichts am anderen.

  • Die Weiterbildungspflicht ist legitim und zweckmäßig: Wer den Kunden gut beraten möchte, ist selbst gut beraten, sich bei der Wissensaktualisierung gut beraten zu lassen. Weiterbildung sei eine Pflicht, die für alle gleichermaßen gelte. Vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung würde sie zudem niemanden individuell unverhältnismäßig benachteiligen.

    Der Nachweis der Weiterbildungspflicht sei deshalb völlig legitim. Weiterbilden bedeute, dass der Makler seine berufliche Handlungsfähigkeit erhält, anpasst oder erweitert. Das seien vernünftige und zweckmäßige Erwägungen. Die habe der Gesetzgeber im Sinne des Allgemeinwohls zu treffen.

    Der Kunde baue darauf, dass der Versicherungsmakler sich bei seiner Tätigkeit umfassend mit den am Versicherungsmarkt bestehenden Produkte Dritter, nämlich den Versicherungsprodukten der Versicherungsgesellschaften, gut auskenne. Diese für eine gute Kundenberatung nötige Aktualisierung der Marktkenntnis erfordere regelmäßige Weiterbildung.

  • Der Makler ist für die Auswahl seiner Weiterbildungsinhalte selbst verantwortlich: Die Argumentation, wonach dem klagenden Makler keine Angebote unterbreitet worden seien und unabhängige Fortbildungsangebote nicht existieren würden, liefe somit ins Leere. Das ergäbe sich bereits aus der Möglichkeit zum Selbststudium.

    Dabei erwähnte das Gericht nicht einmal explizit die Möglichkeit digitaler Fern-Seminare, falls es in einer Region tatsächlich an analogen Angeboten mangelt. Etliche Anbieter wie die Deutsche Versicherungsakademie (DVA), die Deutsche Makler Akademie (DMA) und andere Träger bieten zum Beispiel jedes Jahr Hunderte von Online Seminaren, Webinaren und E Learning Kursen an.

    In punkto mangelnder Unabhängigkeit und zu werblicher Bildungsangebote folgte das Gericht dem klagenden Makler zunächst. Doch schnell kehrte es den Spieß um. Denn im Umkehrschluss zählten Bildungsveranstaltungen, die gezielt Produkte im Blick haben, ebenso zur Weiterbildung. Schließlich gehöre genau dies ja zur Erfordernis besagter Marktkenntnis.

Tipp

Sie sind Makler und im Vertrieb trotz des hektischen und fordernden Arbeitsalltags stets offen zum Dazulernen? Oder finden Sie gerade aufgrund des brummenden Vertriebs nur schwierig Zeit für zeitintensive oder kostspielige Weiterbildungsmaßnahmen? Welche Anforderungen auch immer Sie managen müssen. Drum herum um die Weiterbildung kommen Sie sowieso nicht.

Nutzen Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Fortbildungsumfänge lieber gleich als Chance. Gehen Sie Ihre jährliche Weiterbildung ebenso strategisch an wie gute Kundenberatung. Legen Sie sie doch beispielsweise in das berühmte Sommerloch kurz vor dem Jahresurlaub. Das fällt nicht groß auf. Und danach können Sie sich erholen und en passant gleich noch die neuen Kursinhalte reflektieren.

Falls die Realität doch einmal abrupt in Ihre Weiterbildungspläne dazwischen grätscht. Viele Bildungsträger bieten Maklern die Möglichkeit an, einen Kurs bei Bedarf zu unterbrechen und später weiter fortzuführen. Apropos gute Qualität: Gute Angebote an Kursen und Seminaren sind häufig durch unabhängige Dritte zertifiziert. Das erkennen Sie leicht an geläufigen Gütesiegeln.

So hat etwa die österreichische Tochter wefox Austria jüngst im Mai 2020 das IBW-Gütesiegel „Weiterbildung Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten“ erhalten. Spätestens seitdem gilt sie offiziell als zertifizierte Bildungsinstitution. Und die deutsche wefox engagiert sich zum Beispiel schon seit Jahren im renommierten Verein zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin e.V.

Der Versicherungs-Marktplatz und Makler-Pool wefox unterstützt seine Kooperations-Makler nicht nur tatkräftig in der Praxis – etwa mit dem Broker Portal, dem hauseigenen leistungsstarken MVP. Sondern das Unternehmen fördert ebenso Weiterbildungsinitiativen aktiv mit Rat und Tat. Das gilt für individuelle der eigenen Mitarbeiter genauso, wie für solche von assoziierten Partnermaklern.

Auch Sie sind herzlich eingeladen, sich am Kooperationsmodell wefox als Kooperationsmakler zu beteiligen. Profitieren Sie von einer starken Partnerschaft bei Tagesgeschäft, Vertrieb, Verwaltungsunterstützung, Akquise, Beratung und Kundenbetreuung! Und freilich bleiben Sie mit wefox jederzeit in punkto IDD, Weiterbildung und Qualifizierung auf dem Laufenden.

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