Private Krankenversicherung Altersrückstellungen 2018-12-03T14:46:10+00:00
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Private Krankenversicherung und Altersrückstellung

Altersrückstellungen in der privaten Krankenversicherung
Lesezeit: 14 min

Ein wichtiges Thema bei Privaten Krankenversicherungen ist die Altersrückstellung. Auf diese Weise legen privat Krankenversicherte einen Teil ihrer monatlichen Versicherungsbeiträge automatisch für das Alter zurück. So sollen drastisch steigende Beiträge für ältere PKV-Versicherte vermieden werden. Doch was geschieht mit der Altersrückstellung bei einem PKV-Wechsel? Wie hoch ist die Rückstellung überhaupt? Lesen Sie hier alle wichtigen Informationen rund um die PKV und Altersrückstellung!

Was sind Altersrückstellungen bei einer Privaten Krankenversicherung?

Bei Altersrückstellungen der privaten Krankenversicherung handelt es sich um Rücklagen, die mit einem Teil der Versicherungsbeiträge der Mitglieder angespart werden. Demnach lässt sich die Altersrückstellung mit einem Sparbuch vergleichen, auf das die Versicherten einzahlen, um die Beiträge im Alter stabil zu halten. Denn: Die Rückstellungen beruhen auf der Annahme, dass die Kosten für Behandlungen und Arzneimittel mit zunehmendem Alter der Versicherten steigen. Dementsprechend müssen die Versicherungen mehr Kosten übernehmen. Diese Kostensteigerung wirkt sich wiederum auf die Beiträge der PKV aus. Sie werden mit steigendem Lebensalter erhöht.

Würden die Versicherungsgesellschaften keine Rücklagen bilden, würden die PKV-Beiträge für Versicherungsnehmer im Rentenalter deutlich höher ausfallen. Das Prinzip der Altersrückstellung ist somit nicht nur für die Versicherer eine finanzielle Risikoabsicherung, sondern auch für die PKV-Versicherten von Vorteil, da ihre Beiträge nicht exorbitant steigen.

Gesetzliche Regelung zum Prämienzuschlag für die Altersrückstellung: 10-Prozent-Regel

Seit dem 1. Januar 2000 ist es den PKV gesetzlich vorgeschrieben, bei jedem Neuvertrag zehn Prozent auf jede monatlich gezahlte Versicherungsprämie aufzuschlagen. Diese Regelung betrifft Versicherte im Alter zwischen 22 und 61 Jahren.
Bei der „10-Prozent-Regel“ handelt es sich um einen Mindestsatz. Die Versicherungsgesellschaften können jedoch auch deutlich höhere Aufschläge für die Altersrückstellung erheben.

Grundsätzlich fallen die Altersrückstellungen der PKV höher aus, wenn ein Versicherungsnehmer erst in höherem Alter in die PKV wechselt. Denn in diesem Fall hat das Versicherungsunternehmen weniger Zeit zur Verfügung, um entsprechende Rücklagen zu bilden.

Versicherer sind nicht nur zur Rücklage von mindestens zehn Prozent der Versicherungsprämie fürs Alter verpflichtet, sondern sie müssen diese Anteile auch verzinst anlegen. Die durch die Anlage der Rückstellungen erzielten Zinsgewinne müssen zu 90 Prozent der Gemeinschaft der Versicherten zugeführt werden. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass Beitragserhöhungen ab dem 65. Lebensjahr abgeschwächt werden.

Wie gut der Mechanismus der Altersrückstellung tatsächlich funktioniert, ist von der Verzinsung der zurückgestellten Beitragsanteile abhängig. Zur Berechnung der Altersrückstellung dürfen die Versicherer mit einem maximalen Zinssatz von 3,5 Prozent kalkulieren. Möglich ist selbstverständlich eine Berechnung mit einer niedrigeren Verzinsung. Dementsprechend niedriger fällt die angesparte Altersrückstellung aus.

Erzielen Versicherungsgesellschaften Zinserträge, die deutlich über dem geplanten Zinssatz liegen, können sie die Überschüsse für günstigere Versicherungsprämien oder Beitragsrückerstattungen nutzen.

Beitragssenkungen ab dem 80. Lebensjahr
Ist ein PKV-Versicherter 81 Jahre alt geworden, sind die Versicherungen dazu verpflichtet, die nicht genutzten Altersrückstellungen zur Beitragssenkung einzusetzen. Die Grundlage dafür liefert das Versicherungsaufsichtsgesetz.

PKV-Altersrückstellungen zur Sicherung von Versicherungsleistungen

Die PKV unterscheidet sich von der GKV durch das Versicherungsprinzip. Während die Gesetzlichen Krankenkassen als Solidargemeinschaft arbeiten, sind PKV Wirtschaftsunternehmen.

Bei der GKV trägt die gesamte Gemeinschaft der Versicherten den Risikoanteil eines einzelnen Versicherten. In der PKV trägt das Versicherungsunternehmen den Risikoanteil selbst. Er hängt von den Gesundheitskosten des Versicherten ab.

Das Risiko wird somit bei der GKV von allen Versicherten mit ihren Beiträgen getragen, unabhängig davon, wie hoch der Versicherungsbeitrag ist. Um das steigende Gesundheitsrisiko älterer Versicherten zu verringern, erheben die privaten Krankenkassen Altersrückstellungen.

Kann ich meine Altersrückstellungen bei einem Wechsel der Privaten Krankenversicherung mitnehmen?

Für privat krankenversicherte Verbraucher spielt die Altersrückstellung vor allem bei einem PKV-Wechsel eine wichtige Rolle. Denn unter bestimmten Voraussetzungen ist mit einem Komplettverlust der Rücklagen zu rechnen. Hier zeigen wir Ihnen die unterschiedlichen Szenarien und ihre Konsequenzen für die Altersrückstellung.

Tarifwechsel innerhalb der gleichen Versicherungsgesellschaft
Wer in der PKV versichert ist, kann bei seinem Versicherer kostenlos in einen anderen Tarif wechseln. Das sogenannte „Tarifwahlrecht“ sieht einen problemlosen Tarifwechsel innerhalb der gleichen Versicherungsgesellschaft vor, sofern der neue Tarif gleiche Leistungen beinhaltet. In diesem Fall ist zum Beispiel keine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich. Zugleich können auch die angesammelten Altersrückstellungen mitgenommen werden. Denn das Tarifwechselrecht garantiert nach dem Versicherungsvertragsgesetz, dass die versicherte Person ihre mit dem bestehenden Vertrag erworbenen Rechte und Altersrückstellungen in einen gleichartigen Tarif übernehmen kann.

Die Rückstellungen lassen sich auch bei einem Wechsel in einen höherwertigen Tarif mitnehmen. Allerdings kann das Versicherungsunternehmen dann sowohl eine Gesundheitsprüfung als auch einen Risikoaufschlag verlangen. Ebenso kann eine Wartezeit festgelegt werden.
Wechseln Sie aus einem Volltarif der PKV in den Basistarif des Unternehmens, können bestehende Altersrückstellungen ebenso voll angerechnet werden.

PKV-Wechsel zu einem anderen Anbieter
Während die Altersrückstellungen bei einem Tarifwechsel innerhalb der Versicherungsgesellschaft in voller Höhe erhalten bleiben, müssen Versicherte mit Verlusten rechnen, wenn sie zu einer anderen PKV wechseln. Bei einem Wechsel zu einem anderen Anbieter sind Versicherungen seit dem 1. Januar 2009 nur verpflichtet, Altersrückstellungen auf der Grundlage des Basistarifs zu übergeben. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Versicherte beim neuen Anbieter in einen Volltarif oder Basistarif wechselt. Ebenso ist die Höhe der übertragenen Altersrückstellungen unabhängig davon, welcher Tarif bereits genutzt wurde.

Wer bereits vor dem 1. Januar 2009 in der PKV versichert war, kann bei einem Wechsel der Krankenkasse nur Altersrückstellungen mitnehmen, die nach dem 1. Januar 2009 gebildet wurden. Alle Rückstellungen vor diesem Stichtag sind verloren.

Zahlen und Fakten: Wie hoch sind die Altersrückstellungen der Privaten Krankenversicherungen in Deutschland?

Die PKV in Deutschland erhöhen die Altersrückstellungen seit vielen Jahren kontinuierlich, während die Zahl der Versicherten sogar zurückgegangen ist. Zwischen 2006 und 2016 haben sich die Altersrückstellungen der PKV verdoppelt.

JahrAltersrückstellungen der PKV in Deutschland
2006113,4 Milliarden Euro
2008134,4 Milliarden Euro
2010158 Milliarden Euro
2012181,6 Milliarden Euro
2014206,2 Milliarden Euro
2016233 Milliarden Euro

Kann ich meine Altersrückstellungen bei einer Privaten Krankenversicherung auszahlen lassen?

Eine Auszahlung der Altersrückstellung ist bei einem Wechsel der Krankenkasse oder des Tarifs nicht möglich. Die angesparten Rücklagen werden entweder auf der Grundlage des Basistarifs an eine neue Versicherungsgesellschaft oder beim Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens auf den neuen Tarif übertragen.

Regelung seit 2009
Bis zum Jahr 2009 konnten Privatversicherte ihre Altersrückstellungen bei einem Wechsel des Anbieters nicht mitnehmen. Wer die PKV wechselte, hatte danach seine komplette Altersrückstellung verloren.
Um den Versicherungswechsel auch für ältere Versicherte zu vereinfachen, wurde 2009 gesetzlich geregelt, dass ein Teil der Altersrückstellung auch auf den neuen PKV-Vertrag übertragen werden kann.

Können Altersrückstellungen der PKV bei einem Wechsel zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung ausgezahlt werden?

Wer von der PKV in die GKV wechselt, verliert seine kompletten Altersrückstellungen. Denn das Solidarprinzip der GKV nutzt keine Altersrücklagen, da alle Mitglieder in Form des Umlageprinzips alle Mitglieder tragen. Ältere Versicherte werden auf diese Weise von jüngeren Mitgliedern mit dem Beitrag unterstützt.

Um einen Komplettverlust der Altersrückstellung zu vermeiden, können Sie bei Ihrer bisherigen PKV eine Zusatzversicherung wie eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Für diese Tarife können die bisher angesparten Altersrückstellungen genutzt werden.
Wollen Sie eine Rückkehr zur PKV nicht ausschließen, ist es auch möglich, die Altersrückstellungen mit einer Anwartschaft zu sichern.

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