Private Krankenversicherung Angestellte 2018-12-03T13:08:51+00:00
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Private Krankenversicherung für Angestellte:
Praktische Tipps & alle wichtigen Informationen

Private Krankenversicherung für Angestellte
Lesezeit: 16 min

Angestellte haben ab einem bestimmten Jahresbruttoeinkommen die Möglichkeit, sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen. Dies bedeutet, dass sie zwischen der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung wählen können. Für welche Versicherung Sie sich letztlich entscheiden, hängt von den angebotenen Leistungen der PKV, Ihren Lebensumständen, den Kosten sowie einem Vergleich verschiedener Tarife ab. In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige und erhalten praktischen Tipps rund um die Private Krankenversicherung für Angestellte.

Wann kann ein Angestellter wählen, ob er sich privat krankenversichert?

Angestellte haben grundsätzlich die Möglichkeit, sich privat zu versichern, wenn sie die Versicherungspflichtgrenze, auch Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) genannt, überschreiten. Diese Grenze wird für jedes Jahr neu ermittelt und basiert auf der allgemeinen Lohnentwicklung. Seit 2011 ist die JAEG kontinuierlich gestiegen. Sie liegt 2018 bei 59.400 Euro. Übersteigt Ihr jährliches Bruttoeinkommen diese Summe, können Sie als Angestellter zu einer PKV wechseln.

Wenn Ihr Gehalt die Versicherungspflichtgrenze überschritten hat, erhalten Sie in der Regel von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse die Nachricht, dass Sie freiwilliges MItglied in der GKV sind und Sie Ihre Krankenversicherung frei wählen können. Nach dem Erhalt dieser Information, können Sie in der GKV verbleiben oder in die PKV wechseln.

Liegt Ihr Angestelltengehalt über der Pflichtversicherungsgrenze, sollten Sie sich gut überlegen, ob die GKV oder die private Krankenversicherung für Sie sinnvoll ist.

Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenzen 2018:

 jährliches Bruttoeinkommen 2018
Versicherungspflichtgrenze59.400 Euro
Beitragsbemessungsgrenze53.100 Euro

Beitragsbemessungsgrenze: Dieser Wert gibt an, bis zu welcher Höhe Ihres Gehalts Sozialversicherungsbeiträge maximal berechnet werden. Der Gehaltsanteil, der über dieser Grenze liegt, wird nicht mehr für die Ermittlung der Beitragshöhe berücksichtigt.

Versicherungspflichtgrenze (Jahresarbeitsentgeltgrenze): Dieser Wert wird auch Jahresarbeitsentgeltgrenze genannt und bestimmt die Gehaltshöhe, ab welcher keine Pflichtversicherung für die GKV besteht und Versicherte sich zwischen GKV und PKV entscheiden können. Liegt der Verdienst unter dieser Grenze, ist die GKV verpflichtend und es besteht keine Wahlmöglichkeit.

Wann ergibt ein Wechsel in die PKV für Angestellte Sinn?

Wer als Angestellter vor einem Wechsel in die private Krankenversicherung steht, sollte genau überlegen. Grundsätzlich gilt: Wer früh in die PKV eintritt, kann von günstigen Beiträgen bei hohen Leistungen für Angestellte profitieren.
Sie sollten aber zugleich berücksichtigen, dass eine Rückkehr in die GKV nach der Entscheidung für die PKV erst einmal nicht so einfach möglich ist.

  • Ältere Angestellte mit Vorerkrankungen: Für diese Gruppe ist ein Verbleib in der GKV meist die bessere Wahl. So können mögliche Leistungsausschlüsse und Risikoaufschläge in der PKV vermieden werden.
  • Angestellte mit Kindern: Kinder von GKV-Mitgliedern erhalten eine beitragsfreie Mitversicherung bis zum Alter von 21 Jahren oder, wenn die Kinder kein eigenes Einkommen haben, auch bis zum Alter von 25 Jahren. In diesem Fall kann eine gesetzliche Krankenversicherung sinnvoller sein, weil sonst für jedes Kind separat eine private Krankenversicherung abgeschlossen werden müsste, was die monatlichen Kosten deutlich in die Höhe treiben würde.
  • Angestellte ohne Kinder, ohne gravierende Vorerkrankungen, mit hohem Einkommen: Diese Gruppe könnte von einem Wechsel zur PKV deutlich profitieren. Zum einen können die Beiträge bei höherer Leistung sinken. Oder es können komfortablere PKV-Tarife gewählt werden, ohne dass die Beiträge enorm ansteigen, da der Arbeitgeber auch einen Anteil übernehmen muss.
  • Angestellte mit größerem Leistungsanspruch: Wer von kürzeren Wartezeiten beim Facharzt, der freien Arztwahl sowie privatärztlichen Leistungen als Angestellter profitieren möchte, kann über einen Wechsel zur privaten Krankenversicherung nachdenken, wenn er die Versicherungspflichtgrenze mit seinem Gehalt überschreitet.

Vorteile der PKV für Arbeitnehmer

Wer sich als Arbeitnehmer für eine private Krankenvollversicherung entscheidet, kann von verschiedenen Vorteilen profitieren. Hierzu zählen:

  • individuell anpassbarer Versicherungsschutz
  • Versicherungsbeiträge sind nicht einkommensabhängig
  • Möglichkeit zur freien Wahl fachärztlicher Behandlung
  • hohe Kostenerstattungen bei Zahnersatz möglich
  • Versicherungsleistungen passen sich in der Regel garantiert dem medizinischen Fortschritt an
  • Beitragsrückerstattungen, wenn Leistungen nicht in Anspruch genommen wurden
  • höhere Leistungen bei Behandlungen im Krankenhaus möglich
  • höhere Leistungen bei Unterbringung im Krankenhaus möglich
  • höhere Erstattungsleistungen bei Sehhilfen möglich

Angestellte in der GKV können mit privaten Zusatzversicherungen wie der Zahnzusatzversicherung für einen erweiterten Versicherungsschutz sorgen. Allerdings ist dann fraglich, ob die Kombination aus GKV und Zusatzversicherung günstiger ist als eine private Krankenvollversicherung.

Beitragsrückerstattung nutzen
Besonders junge Arbeitnehmer können von der Beitragsrückerstattung der PKV profitieren. Werden innerhalb eines Versicherungsjahres keine Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch genommen, können Versicherte abhängig vom gewählten Tarif bis zu sechs Monatsbeiträge zurückerstattet bekommen. Der Vorteil für Angestellte: Sie erhalten sowohl den Arbeitgeberanteil als auch den eigenen Beitrag zurück. Allerdings müssen Angestellte bei Beitragsrückerstattungen auch mögliche Steuereinbußen berücksichtigen.

Darauf sollten Angestellte bei der PKV achten

Wenn sich Angestellte für eine private Krankenversicherung entscheiden, sollten sie unbedingt eine solide Versicherungsgesellschaft auswählen. Denn in der Regel erfolgt ein PKV-Wechsel eher selten, wenn eine Versicherung einmal gewählt wurde.

Deshalb sollten künftige Versicherungsnehmer vor dem Versicherungsantrag nicht nur Tarife, sondern auch Versicherungsgesellschaften vergleichen.

Zu berücksichtigen ist bei der Wahl des Tarifs, dass folgende Faktoren Einfluss auf die Police und die Kosten haben:

  • der Versicherungstarif selbst und die darin enthaltenen Optionen
  • der Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers sowie seine Vorerkrankungen
  • das Alter des Versicherungsnehmers

Seit 2012 gibt es keine Unterschiede mehr zwischen Tarifen für Männer oder Frauen, sondern die PKV bietet nur noch Unisex-Tarife an.

Der freiwillige Arbeitgeberzuschuss bei der Privaten Krankenversicherung

Arbeitgeber leisten nicht nur zur GKV, sondern auch für die PKV ihrer Angestellten einen Zuschuss. Denn letztlich kommt die gute Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch dem Unternehmen zugute.
Die Aufteilung des Krankenversicherungsbeitrags erfolgt in der Regel auch bei der PKV zu gleichen Teilen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Der Arbeitgeberzuschuss zur privaten Krankenversicherung kann bei Angestellten bis zu 50 Prozent des Monatsbeitrags betragen. Der monatliche Arbeitgeberzuschuss orientiert sich dabei an dem Zuschuss, der auch für die GKV fällig wäre und bei maximal 7,3 Prozent der Einkommenshöchstgrenze liegt.
Eine Voraussetzung für den Erhalt des Zuschusses ist, dass die Leistungen der PKV mindestens den Leistungen der GKV entsprechen. Der Zuschuss des Arbeitgebers wird nicht wie bei der GKV direkt mit der Versicherung verrechnet, sondern zusammen mit dem Gehalt auf das Konto des Arbeitnehmers überwiesen.

Wer rund 4.000 Euro Euro verdient, kann demnach einen Krankenkassenzuschuss vom Arbeitgeber für seine PKV von bis zu 300 Euro erhalten. Der maximal mögliche Arbeitgeberzuschuss beträgt 323,03 Euro. Zugleich tritt die Deckelung von maximal 50 Prozent des monatlichen PKV-Beitrags in Kraft.

Wenn ein Arbeitnehmer den Zuschuss des Arbeitgebers aufgrund eines sehr günstigen PKV-Tarifs nicht vollständig in Anspruch nimmt, kann er die Differenz zum Maximalbetrag für die Versicherungsbeiträge seiner Angehörigen nutzen. Das können der Ehepartner oder Kinder bis zum Alter von 18 Jahren sein. Der nicht genutzte Arbeitgeberzuschuss kann auch bis zu einem Alter von 23 Jahren auf die Kinder aufgeteilt werden, wenn diese keine eigenen Einkünfte haben. Vollständig von einer Altersbegrenzung befreit ist der Arbeitgeberzuschuss für Kinder, wenn diese an einer Behinderung leiden, die sie daran hindert, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen.

In der PKV versicherte Angestellte haben auch bei geringem Einkommen ein Anrecht auf einen Arbeitgeberzuschuss.

Weitere Voraussetzungen für einen Zuschuss des Arbeitgebers zur PKV

Wie hoch der Zuschuss des Arbeitgebers ausfällt, kann er anhand der sogenannten „Arbeitgeberbescheinigung“ berechnen. Diese Bescheinigung erhalten privat Versicherte von ihrer Versicherungsgesellschaft zur Vorlage beim Arbeitgeber.

Das Sozialgesetzbuch V (SGB V) sieht folgende Voraussetzung für die Zahlung eines PKV-Arbeitgeberzuschuss vor:

  • Die PKV muss nach Art einer Lebensversicherung geführt werden und Rückstellungen bilden.
  • Die PKV muss einen Basistarif anbieten.
  • Der überwiegende Teil der Versicherungsbeiträge muss zugunsten des Versicherten genutzt werden.
  • Die PKV muss auf eine Kündigungsfrist im Rahmen des ordentlichen Kündigungsrechts verzichten.
  • Die PKV darf ihre Versicherung nicht mit anderen Versicherungspartnern betreiben.

Leistungsbaustein Krankentagegeld der PKV für Angestellte

Angestellte haben gegenüber Selbständigen den Vorteil, dass ihr Gehalt bei Krankheit bis zu sechs Wochen in voller Höhe vom Arbeitgeber weitergezahlt wird. Wer gesetzlich krankenversichert ist, kann nach dieser Zeit Krankengeld von der GKV erhalten.
Für privat krankenversicherte Angestellte gilt diese Regelung nicht. Sie müssen sich selbst eine Krankengeldversicherung suchen.
Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, dass der Versicherungsschutz bei Angestellten in der PKV auch eine Krankentagegeld-Versicherung enthält. Sie sollte ab der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit leisten. Empfehlenswert ist ein Tagegeld, das dem 30. Teil des monatlichen Lohns entspricht. Die Höhe des Tagegelds kann in der PKV individuell festgelegt werden.

Können Angestellte von der PKV wieder in die GKV wechseln?

Viele Angestellte in der PKV gehen davon aus, dass sie nicht mehr zur GKV wechseln können. Das stimmt nicht ganz. Es ist zwar schwierig von der privaten Krankenversicherung zur gesetzlichen Krankenversicherung zu wechseln, doch unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Solange das Einkommen der versicherten Person über der Pflichtversicherungsgrenze liegt, ist eine Rückkehr in die GKV nicht möglich. Sollte das Gehalt allerdings sinken, zum Beispiel aufgrund eines Berufswechsels oder eines Wechsels des Arbeitgebers und die Grenze wird unterschritten, ist ein Wechsel möglich.
Ebenso kann der Verlust des Arbeitsplatzes bei Bezug von Arbeitslosengeld eine Rückkehr in die GKV ermöglichen.

Nahezu unmöglich ist die Rückkehr in die GKV für Angestellte ab 55 Jahren. Ob der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung möglich ist, müssten Einzelfälle entscheiden. Wer die hohen Kosten für die PKV im Alter vermeiden möchte, kann eventuell versuchen, in den Basistarif zu kommen.

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben und eine Beratung zur PKV für Angestellte benötigen, helfen unsere Experten gerne weiter.

Private Krankenversicherung für Angestellte im Öffentlichen Dienst

Wer im Öffentlichen Dienst angestellt ist, wird nach der Tarifordnung des Öffentlichen Dienstes (TVöD) oder der Tarifordnung der Länder (TV-L) bezahlt. So können die Beschäftigten anhand ihrer Gehälter und der jeweiligen Ordnungen in der Regel sehr einfach ermitteln, ob eine Private Krankenversicherung im Öffentlichen Dienst möglich ist oder nicht. Denn auch hier gilt die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) von 59.400 Euro (Stand: 2018). Da sich diese Grenze jedoch an der Entwicklung der jährlichen Einkommen orientiert, kann sie bei einer negativen allgemeinen Gehaltsentwicklung ebenfalls sinken. In diesem Fall haben besser verdienende Angestellte im Öffentlichen Dienst die Möglichkeit, früher zur PKV zu wechseln.

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