Private Krankenversicherung Arbeitslosigkeit 2018-12-03T14:36:44+00:00
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Private Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit – wichtige Antworten und wertvolle Tipps

Private Krankenversicherungen bei Arbeitslosigkeit
Lesezeit: 16 min

Wer arbeitslos wird, sorgt sich häufig um seinen Versicherungsschutz, wenn er zuvor in einer Privaten Krankenversicherung war. Grundsätzlich ist eine Private Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit nicht ausgeschlossen. Ob ein Versicherter in der PKV bleiben kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die wir Ihnen in diesem Artikel näher erläutern.

Ohne Arbeit privat krankenversichert bleiben – die Voraussetzungen

Wer angestellt war und arbeitslos wird, erhält Arbeitslosengeld I. In diesem Fall können Betroffene ihre Private Krankenversicherung aufrechterhalten. Hierfür ist es nötig, sich von der Versicherungspflicht für die Kranken- und Pflegeversicherung befreien zu lassen.

Voraussetzung zur Beibehalten ist, dass der ALG I-Empfänger zuvor mindestens fünf Jahre eine Private Krankenvollversicherung genutzt hat. Die gesetzliche Grundlage liefert hier das Sozialgesetzbuch V.

Auch wenn die Möglichkeit zur Befreiung von der Versicherungspflicht besteht, wird jedoch häufig die Frage gestellt, ob die PKV bei Arbeitslosigkeit sinnvoll ist. Die Antwort auf diese Frage müssen sich die Betroffenen selbst geben. Hier sind einige Beispiele:

  • Singles: Wer allein für sich und seine Lebenshaltung aufkommt, für den kann sich das Aufrechterhalten der PKV bei Arbeitslosigkeit lohnen. Eine Rückkehr in die GKV hingegen ist dann meist nicht empfehlenswert. Dies gilt insbesondere dann, wenn nur von einer temporären Arbeitslosigkeit ausgegangen wird und ein neuer Job mittelfristig in Aussicht steht.
  • Partner mit doppeltem Verdienst und ohne Kinder: Ist ein Partner arbeitslos geworden, kann es ebenfalls lohnenswert sein, in der PKV zu verbleiben. Wer schon sicher ist, dass er nur für einen überschaubaren Zeitraum ALG I beziehen wird, sollte sich deshalb von der Versicherungspflicht befreien lassen.
  • Alleinverdiener mit Kindern: War der privatversicherte Ehepartner vor dem Bezug von ALG I alleinverdienend, lohnt sich meist eine Rückkehr in die GKV. Denn darüber können der Partner, die Partnerin sowie die Kinder beitragsfrei mitversichert werden. Diese Möglichkeit würde bei Aufrechterhaltung der PKV entfallen.
  • Ältere Arbeitnehmer über 50: Wer über 50 Jahre alt ist, seine Arbeit verloren hat und bald ALG I bezieht, kann die Chance nutzen nun in die GKV zu wechseln. Allerdings sollte dabei berücksichtigt werden, dass bei einem Verdienst über der Jahresentgeltgrenze nach der Arbeitslosigkeit dann wieder eine Befreiung von der Versicherungspflicht bestehen kann.

Anwartschaftsversicherung
Es gibt die Möglichkeit, für die Dauer des ALG I-Bezugs zur GKV zu wechseln und gleichzeitig die Anwartschaft auf die PKV nach dem Ende der Arbeitslosigkeit zu wahren. Gegen einen geringen monatlichen Betrag sichern sich die Anwärter so die Chance, ohne Gesundheitsprüfung in die PKV zurückzukehren. Wer diese Option wählen möchte, sollte im Vorfeld bei seinem Versicherer nachfragen, zu welchen Konditionen eine Anwartschaft möglich ist.

Sich arbeitslos von der Versicherungspflicht befreien lassen

Wer arbeitslos geworden ist und in der PKV bleiben möchte, sollte sich innerhalb von zwei Wochen nach dem Verlust der Arbeit von der Versicherungspflicht befreien lassen. Hierfür muss ein Antrag bei der zuständigen GKV gestellt werden. Der Befreiungsbescheid muss dann beim zuständigen Jobcenter eingereicht werden.

Wer innerhalb der ersten drei Monate seiner Arbeitslosigkeit auf die Befreiung von der Versicherungspflicht verzichtet, wird automatisch vom Arbeitsamt in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert.

PKV und ALG II

Wer arbeitslos geworden ist und nach dem Erhalt von Arbeitslosengeld I weiterhin ohne Arbeit ist, kann Arbeitslosengeld II (ALG II) beantragen. Im Alltag wird das ALG II auch Hartz IV genannt, nach dem Initiator der Arbeitsmarktreform.

Auch mit ALG II ist es möglich, die Private Krankenversicherung aufrechtzuerhalten. Allerdings hängt das davon ab, wie Sie zuvor versichert waren. Folgende Szenarien sind möglich:

  • Sie waren vor dem Erhalt von ALG II freiwillig in der GKV versichert: In diesem Fall werden Sie versicherungspflichtig, sobald Sie ALG II erhalten. Sie müssen sich demnach in der GKV versichern.
  • Sie waren vor dem Erhalt von ALG II privat krankenversichert: Bei diesem Szenario sind Sie laut Sozialgesetzbuch V, Paragraf 5, Absatz 5a nicht verpflichtet, in die GKV zurückzukehren: „Nach Absatz 1 Nr. 2a ist nicht versicherungspflichtig, wer zuletzt vor dem Bezug von Arbeitslosengeld II privat krankenversichert war oder weder gesetzlich noch privat krankenversichert war“

Grundsätzlich darf Ihr Versicherer Ihnen die PKV nicht kündigen oder Leistungen ruhen lassen, wenn Sie ALG II erhalten.

Beziehen Sie ALG II, können Sie einen Zuschuss zur PKV vom Jobcenter erhalten. Dieser Zuschuss zur PKV ist maximal so hoch wie die Kosten, welche das Arbeitsamt für die GKV übernimmt. Im Jahr 2018 liegt der Zuschuss zur PKV bei maximal 345,15 Euro. Die Pflegeversicherung wird mit 56,42 Euro pro Monat bezuschusst. Liegt die Versicherungsprämie für die PKV über diesem Maximalbetrag, müssen Leistungsempfänger die Differenz selbst tragen.

Wichtig ist außerdem, dass die Jobcenter bei Tarifen mit Selbstbehalt nur die Versicherungskosten und keine Kosten für Behandlungen übernehmen. Wenn der gewählte Selbstbehalt der eigenen PKV zum Beispiel bei 1.000 Euro liegt, müssen ALG II-Empfänger Behandlungen bis zu dieser Grenze pro Jahr aus eigener Tasche bezahlen.

Kein Zuschuss bei möglicher Familienversicherung

Können sich Empfänger von ALG II beitragsfrei über die GKV bei einem Ehepartner oder Familienmitglied mitversichern, können sie zwar in der PKV bleiben, doch bezahlt das Amt weder einen Zuschuss zur Krankenversicherung noch zur Pflegeversicherung.

Privat Krankenversicherte können bei ALG II jederzeit in den Basistarif wechseln, für welchen es keinen Selbstbehalt gibt. Der Tarif entspricht den Leistungen der GKV und muss per Gesetz seit 2009 von den Versicherungsgesellschaften angeboten werden. Es ist ebenso möglich, die Selbstbeteiligung der PKV oder den Tarif anzupassen. Wer jedoch nach dem Bezug von ALG I wieder eine Tarifverbesserung nutzen möchte, muss erneut eine Gesundheitsprüfung bei seinem Versicherer durchlaufen.

Überblick: Die Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit

ALG Iversicherungspflichtigvon der Versicherungspflicht befreit
versicherte Person ist 55 Jahre oder älterneinja
in den letzten fünf Jahren privat krankenversichertneinja
in mehr als der Hälfte der vergangenen fünf Jahre ohne Versicherung oder nicht versicherungspflichtig gewesenneinja
in den letzten fünf Jahren in der GKV oder der PKV versichert gewesenjaja
in den letzten fünf Jahren freiwillig gesetzlich krankenversichert gewesenjanein
ALGIIversicherungspflichtigvon der Versicherungspflicht befreit
privat krankenversichertneinja, mit Zuschuss
in der GKV versichertja, der volle Beitragnein

Wo bin ich krankenversichert, wenn ich kein Arbeitslosengeld mehr bekomme?

Nach dem Ende der Arbeitslosigkeit bzw. nach dem Ende des Bezugs von ALG I oder II haben Arbeitnehmer oder Selbständige abhängig von der Art der Versicherung zuvor wieder verschiedene Versicherungsmöglichkeiten:

Die PKV wurde bei ALG I und/oder ALG II beibehalten

  • Einkommen liegt unter der Pflichtversicherungsgrenze von 59.400 Euro brutto pro Jahr: Wird eine neue Beschäftigung aufgenommen und das Einkommen liegt unterhalb der Versicherungspflichtgrenze, besteht Versicherungspflicht. In diesem Fall muss sich der oder die Betroffene gesetzlich krankenversichern. Ist noch nicht absehbar, ob das Einkommen mittelfristig die Jahresentgeltgrenze überschreitet, können Arbeitnehmer mit ihrer PKV eine Anwartschaftsversicherung abschließen.
  • Einkommen liegt über der Pflichtversicherungsgrenze: In diesem Fall können die Arbeitnehmer frei entscheiden, ob sie privat oder freiwillig gesetzlich versichert bleiben wollen.
  • Es wird eine selbständige Arbeit hauptberuflich aufgenommen: Bei dieser Konstellation kann die PKV weitergeführt werden oder die Betroffenen nutzen die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung. Das kann sich vor allem bei geringen Einkünften in der Selbständigkeit lohnen oder dann lohnen, wenn Kinder vorhanden sind.

Die Person war während der Arbeitslosigkeit über die GKV versichert
Wird eine Anstellung aufgenommen, deren Jahreseinkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, bleibt die GKV weiter bestehen. Sollte das Einkommen darüber liegen, besteht die Möglichkeit, die GKV zu kündigen und sofort in die PKV zu wechseln.

Wechsel zur GKV bei Arbeitslosigkeit ab 55 Jahren

Wer ab 55 Jahren arbeitslos wird, kann in der Regel nicht mehr in die GKV zurückkehren. Eine Rückkehr ist vor allem dann nicht möglich, wenn die betreffende Person in den letzten fünf Jahren vor dem Jobverlust nicht in der GKV, sondern ausschließlich privat krankenversichert war.
Wer vorher schon einmal privat krankenversichert war, kann bei Arbeitslosigkeit ab 55 Jahren in den Basistarif wechseln, der vom Arbeitsamt auch bei ALG II voll bezuschusst wird.

Wer schon vor dem 31. Dezember 2008 privat krankenversichert war, kann noch in den Standard- oder den Basistarif der PKV wechseln, wenn er ab 55 Jahren arbeitslos wird.

FAQ zur PKV bei Arbeitslosigkeit:

Was kostet eine Private Krankenversicherung wenn man arbeitslos wird?
Die Kosten für die Private Krankenversicherung bleiben auch bei Arbeitslosigkeit die gleichen. Bei ALG I können die Kosten vom Arbeitslosengeld getragen werden, bei ALG II leistet das Arbeitsamt einen Zuschuss in Höhe der vergleichbaren Leistung der GKV. Darüber hinaus ist es möglich, dass privat krankenversicherte Arbeitslose in den Basistarif wechseln. Er wird meist in voller Höhe übernommen, da er vergleichbare Leistungen zur GKV-Regelversorgung bietet.

Kann man als Arbeitsloser in die Private Krankenversicherung wechseln?
Ein PKV-Wechsel ist bei Arbeitslosigkeit in der Regel nicht möglich. Vielmehr besteht bei Versicherungspflicht die Notwendigkeit zur GKV zu wechseln, auch wenn die arbeitslose Person zuvor privat krankenversichert war. Um die PKV beizubehalten, muss ein Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht bei der zuständigen GKV gestellt werden.

Gibt es spezielle PKV-Tarife für Arbeitslose?
Nein, diese Tarife gibt es nicht. In der Regel werden die bisherigen Tarife beibehalten oder Arbeitslose wechseln in einen Tarif mit geringerer Selbstbeteiligung und geringeren Leistungen. Ansonsten können Sie auch in den Basistarif wechseln, der ähnliche Leistungen wie die GKV bietet und dementsprechend meist vollständig vom Arbeitsamt bei ALG II bezuschusst wird. Wenn der Basistarif genutzt wird, zahlt das Arbeitsamt den Beitrag direkt an den Versicherer.

Bleiben meine Familienangehörigen in der PKV, wenn ich arbeitslos werde?
Wenn Sie arbeitslos werden und privat krankenversichert sind, besteht die Möglichkeit, zur gesetzlichen Krankenversicherung zurückzukehren, sofern Sie das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Haben Sie eigene Kinder und waren zum Beispiel bisher Alleinverdiener, kann die GKV die bessere Lösung sein. Denn für die PKV-Verträge Ihrer Ehepartnerin oder des Ehepartners sowie die PKV-Policen der Kinder müssten Sie weiterhin bezahlen. Zwar gäbe es auch hier die Möglichkeit, dass das Arbeitsamt einen Zuschuss leistet, doch tatsächlich wären Sie, die Partnerin/der Partner sowie die Kinder in der Familienversicherung der GKV mitversichert.

Kann ich in die PKV wechseln, wenn ich nicht mehr arbeitslos bin?
Wenn die Voraussetzungen für einen PKV-Wechsel erfüllt sind, können ehemalige Arbeitslose problemlos wechseln. Hierfür muss zum Beispiel die Jahresentgeltgrenze überschritten oder eine selbständige Tätigkeit aufgenommen werden.

Kann ich mit Arbeitslosengeld I in der PKV bleiben?
Auch bei Arbeitslosigkeit und Bezug von ALG I ist ein Verbleib in der PKV möglich. Gleiches gilt auch bei ALG II.

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