Private Krankenversicherung Beitragserhöhung 2018-12-03T15:05:05+00:00
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Private Krankenversicherung – Beitragserhöhung für Wechsel nutzen oder nicht?

Beitragserhöhung in der privaten Krankenversicherung
Lesezeit: 15 min

Private Krankenversicherungen sind Unternehmen, die im eigenen Interesse und im Interesse der Versicherten verantwortlich und wirtschaftlich handeln müssen. Aufgrund verschiedener Ursachen können die Ausgaben für die Versicherungsgesellschaften steigen. Um die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit zu erhalten, müssen Private Krankenversicherungen regelmäßig Beiträge anpassen. Wenn Ihre PKV eine Beitragserhöhung ankündigt, stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten offen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was eine Beitragserhöhung in der PKV bedeutet und wodurch sie verursacht wird.

Welche Faktoren führen zu Beitragserhöhungen in der Privaten Krankenkasse?

Die Privaten Krankenkassen sichern ihren Mitgliedern im Rahmen des Versicherungsantrags Leistungen zu, die dem medizinischen Fortschritt entsprechen. Dafür werden die Beiträge nach ausgeklügelten mathematischen und statistischen Verfahren kalkuliert. Allerdings können verschiedene Ursachen dazu führen, dass die ursprüngliche Kalkulation mit den tatsächlich entstehenden Kosten nicht mehr übereinstimmt. Die Versicherungsgesellschaften würden langfristig Verluste machen, die im schlimmsten Fall zu eingeschränkter Handlungsfähigkeit führen könnten.

Die Kosten können aufgrund folgender Entwicklungen steigen:

  • Neue Behandlungsmethoden und neue medizinische Geräte: Im Zuge des medizinischen Fortschritts können sich Untersuchungs- und Behandlungsmethoden entwickeln, die bei der ursprünglichen Tarifkalkulation noch nicht möglich waren. Dabei kann es sich zum Beispiel um bildgebende Verfahren in der Radiologie handeln oder um pharmakogenetische Untersuchungen ebenso wie um neuartige Medikamente.
  • Höherer Leistungsbedarf der Versicherten: In diesem Fall benötigen die Versicherten mehr Leistungen als die Experten der Versicherungsgesellschaften bei der Beitragskalkulation prognostiziert haben.
  • Allgemeine Preisentwicklung: Durch wachsende Lohn- und Materialkosten im Gesundheitswesen können die Erstattungskosten der Versicherungen deutlich steigen.
  • Demografischer Wandel: Allgemein wird die Bevölkerung immer älter, da die Bundesbürger ein immer höheres Durchschnittsalter erreichen. Damit gehen höhere medizinische Kosten einher, die von den Versicherern getragen werden müssen.
  • Niedrige Zinsen am Kapitalmarkt: Die Privaten Krankenversicherungen legen einen Teil der Versichertenbeiträge am Kapitalmarkt an, um das Gesamtkapital für Leistungen sowie Altersrückstellungen zu erhöhen. Durch die Niedrigzinsphase der Europäischen Zentralbank ist die aktuelle Verzinsung häufig niedriger als bei der Kalkulation der Versicherungsprämien eingeplant. Die Folge sind höhere Kosten für die Versicherer.

Um den vertraglich garantierten Versicherungsschutz einhalten zu können, müssen Versicherungsunternehmen der PKV die Beiträge an diese Entwicklungen anpassen.

Beitragsanpassung (BAP) = Beitragserhöhung?
Wenn PKV-Versicherte Post erhalten, in welcher von einer Beitragsanpassung die Rede ist, handelt es sich dabei meist um eine Beitragserhöhung. Welcher Begriff verwendet wird, hängt vom Standpunkt oder der PR-Politik des Unternehmens ab. Während die Bezeichnung „Beitragsanpassung“ den Fokus auf die Modifikation der Versicherungsprämie aufgrund gestiegener Ausgaben oder Tarifanpassungen in den Fokus rückt und auch eine Anpassung nach unten möglich macht, ist der Begriff „Beitragserhöhung“ für Verbraucher eher negativ konnotiert, ähnlich wie „Steuererhöhung“ oder „Mieterhöhung“. Am Ende spielt es keine Rolle, ob von Beitragsanpassung oder Beitragserhöhung die Rede ist. Meist müssen Versicherte danach mehr für ihre Versicherung bezahlen. In Ausnahmefällen haben private Versicherungen, zum Beispiel bei der Pflegeversicherung oder seltener bei der PKV, die Beiträge aufgrund positiver Entwicklungen nach unten korrigiert.

Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhung

Wenn Ihre Private Krankenversicherung den Versicherungsbeitrag erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht, unabhängig von der Vertragslaufzeit. Dieses Recht tritt ab der Bekanntgabe der Beitragsanpassung in Kraft. Somit können Sie Ihr Sonderkündigungsrecht in der Regel ab dem Zeitpunkt wahrnehmen, ab welchem Sie per Brief von der Beitragserhöhung informiert werden.

Ihre Kündigung muss dann spätestens ein Tag vor dem Datum beim Versicherer eintreffen, an welchem die Beitragserhöhung in Kraft tritt.

Beim PKV-Wechsel auf Beitragsstabilität achten
Wer beim Wechsel zu einem anderen Anbieter oder zur PKV mögliche Beitragserhöhungen prüfen möchte, sollte insbesondere auf die Beitragsstabilität der Anbieter achten. So können häufige Beitragserhöhungen innerhalb weniger Jahre ein Indiz dafür sein, dass beim gewünschten Versicherungsunternehmen in den kommenden Jahren wieder mit Beitragsanpassungen zu rechnen ist. Sie können sich zum Beispiel durch einen PKV-Vergleich sowie Testberichte über Beitragserhöhungen verschiedener Anbieter informieren. Gerne helfen Ihnen unsere Versicherungsexperten auch zu diesem Thema weiter.

Die gesetzlichen Grundlagen für die Beitragserhöhung der PKV

Die Privaten Krankenversicherungen können ihre Beiträge nicht willkürlich erhöhen. Wenn die Beiträge der Versicherten angepasst werden müssen, sind folgende gesetzliche Grundlagen zu berücksichtigen:

  • das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG): In diesem Regelwerk sind die Bedingungen aufgeführt, unter welchen eine Versicherungsgesellschaft ihr Geschäft betreiben darf.
  • das Versicherungsvertragsgesetz (VVG): Hier werden die Rechte und Pflichten von Versicherten und Versicherungen festgehalten.
  • die Krankenversicherungsaufsichtsverordnung (KVAV): Mit diesem Regelkatalog werden die Grundlagen für die Kalkulation von Beiträgen definiert.

Kontrolliert werden die Beitragserhöhungen der Privaten Krankenversicherer von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Zuvor leitet der für die Kalkulation zuständige sogenannte Aktuar die Ergebnisse kommentiert an einen unabhängigen Treuhänder weiter, der diese schließlich an die Aufsichtsbehörde weitergibt, nachdem er die rechtliche Korrektheit der Berechnung überprüft hat. Erst wenn der mathematische Treuhänder nach der abschließenden Kontrolle der Beitragsanpassung zugestimmt hat, kann diese von der Versicherung umgesetzt werden.

Wie läuft eine Beitragsanpassung in der PKV ab?

Bis Beiträge einer PKV erhöht werden, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Zunächst können medizinische Fortschritte bei Behandlungsmethoden und Geräten zu höheren Erstattungskosten führen. Darüber hinaus können sich generell die Preise im Gesundheitswesen nach oben entwickeln. Steigende Kosten führen schließlich zu einer Überprüfung der Kostenkalkulation. Gemäß Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) sind die PKV dazu verpflichtet, die angebotenen Tarife einmal pro Jahr zu kontrollieren. Dabei wird ermittelt, ob die kalkulierten Kosten mit den erforderlichen Kosten übereinstimmen. Dabei werden die Tarife für Kinder, Jugendliche und Erwachsene überprüft.

Liegt die Abweichung von erforderlichen und kalkulierten Versicherungsleistungen bei zehn Prozent oder darüber, werden schließlich alle Berechnungsgrundlagen für die einzelnen Beobachtungseinheiten (Kinder, Jugendliche, Erwachsene) kontrolliert. Ergibt eine Überprüfung schließlich eine dauerhafte Abweichung, muss das Versicherungsunternehmen neu kalkulieren. Diese erneute Kalkulation kann schließlich zu einer Beitragserhöhung führen.

Diese muss jedoch noch von einem Treuhänder geprüft und an die zuständige Aufsichtsbehörde übermittelt werden, bevor die Versicherten darüber informiert werden.

Warum Versicherungsprämien in der PKV manchmal sprunghaft steigen können

Versicherungsunternehmen können die Schwelle zur Beitragsanpassung auch niedriger ansetzen und schon bei Abweichungen von fünf Prozent oder mehr von der Kalkulation zum tatsächlichen Bedarf Beiträge anheben. Es kann dabei vorkommen, dass ein Versicherungsunternehmen über mehrere Jahre hinweg diese Schwelle beim Prüfen nicht überschreitet und somit die Beiträge nicht erhöht. Wird dann nach mehreren Jahren diese Grenze überschritten, müssen bei einer neuen Kalkulation alle bisherigen Grundlagen neu geprüft und angepasst werden. Diese Anpassungen können zu einem deutlichen Preisanstieg führen, nachdem die PKV-Prämie mehrere Jahre hinweg konstant hoch war.

Altersrückstellungen sollen drastische Beitragssprünge im Alter abmildern

Die Private Krankenversicherung hat Altersrückstellungen für ihre Versicherten zu bilden. Demnach müssen in den Erwachsenentarifen monatlich zehn Prozent der Prämie für die Rücklagen im Alter angespart werden. Diese Altersrückstellungen sollen verhindern, dass die Versicherungsbeiträge im höheren Alter aufgrund der gestiegenen Behandlungskosten exorbitant ansteigen.

Versicherte im Rentenalter profitieren darüber hinaus in der PKV davon, dass sie keine Beiträge mehr für Krankentagegeld bezahlen müssen. Ebenso fällt der Anteil von zehn Prozent für die Altersrückstellungen weg.

Ist eine Kündigung der PKV bei Beitragserhöhung sinnvoll?

Wenn Versicherungsprämien erhöht werden, ist das im ersten Moment für Versicherte immer ärgerlich. Denn so können die monatlichen Fixkosten deutlich steigen. Als Reaktion liegt nahe, dass die Betroffenen sofort nach Erhalt des Erhöhungsschreibens die PKV kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln. Allerdings sollte ein solcher Wechsel immer gut überlegt sein. Denn zum einen ist es fraglich, ob die neue PKV gleiche Leistungen günstiger anbieten wird und zum anderen ist nicht sicher, ob die angesparten Altersrückstellungen komplett mitgenommen werden können.

Hier haben wir alle Optionen bei einer Beitragserhöhung der PKV gegenübergestellt:

OptionVorteilNachteilFür wen?
PKV wechselngünstigerer Beitragerneute Gesundheitsprüfung

meist Risikoaufschläge oder Leistungsausschlüsse durch neue Krankheiten

Altersrückstellung kann nicht vollständig mitgenommen werden
In der Regel ist diese Variante nur für jüngere und gesunde Versicherte geeignet, die nur wenige Jahre in der PKV sind.
Tarifwechsel innerhalb der gleichen Gesellschaftniedrigere Kosten

mehr Leistung möglich

Altersrückstellungen können erhalten bleiben
Leistungsausschlüsse bei Mehrleistung möglich

Gefahr der Ablehnung bei Wechsel in höherwertigen Tarif
PKV-Versicherte, die beim gleichen Anbieter bleiben und Ihre Tarifleistungen anpassen wollen.
Selbstbehalt erhöhenniedrigere monatliche Prämiehoher Selbstkostenanteil erfordert höhere Finanzkraft

Senkung des Selbstbehalts später ohne deutliche Beitragserhöhung nur schwer möglich
Selbständige, die keinen Arbeitgeberanteil bekommen, können von dieser Option profitieren.
Leistungsverzichtniedrigerer Monatsbeitragim Leistungsfall sind hohe Kosten z.B. für Einzelzimmer möglich

geringerer Leistungsumfang später nur gegen deutlichen Aufschlag wieder rückgängig zu machen
Diese Lösung ist meist ungeeignet, da eine Leistungsminderung immer nur nachteilig sein kann.
freiwillige gesetzliche Krankenversicherungoft geringere Beitragsanpassungen im Alter, da einkunftsabhängigLeistungen nur nach dem Regelkatalog der GKV

für weitergehende Leistungen ist eine private Zusatzversicherung erforderlich

für besserverdienende Selbständige oder Angestellte deutlich teurer als PKV
Diese Option ist immer mit Leistungsbeschränkungen verbunden und meist nur für Angestellte empfohlen, deren Einkommen die Pflichtversicherungsgrenze knapp überschreitet.

Kann ich mich gegen eine Beitragserhöhung wehren?

Grundsätzlich kann eine PKV die Beiträge nicht willkürlich erhöhen, sondern die Erhöhungen müssen auf der Basis der eigenen Kalkulation im Vergleich zu den tatsächlichen Kosten verhältnismäßig sein. Zu diesem Zweck werden Erhöhungen vor der Freigabe durch einen Treuhänder geprüft.
Doch auch wenn diese Prüfung erfolgt ist, können Verbraucher Tariferhöhungen juristisch prüfen lassen und bei Zweifeln auch juristisch dagegen vorgehen. Aus diesem Grund müssen Sie bei einer Beitragserhöhung der PKV nicht zustimmen und haben auch die Möglichkeit, Ihr Sonderkündigungsrecht zu nutzen.

Haben Sie Fragen zur Beitragsanpassung Ihrer Police oder möchten Sie wissen, welche Versicherungsgesellschaften seit mehreren Jahren nur moderate Steigerungen bei Ihren Beiträgen verzeichnen? Dann können Sie unsere Experten gerne kontaktieren. In einem ausführlichen PKV-Vergleich ermitteln wir die besten Tarife für Sie!

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