Private Krankenversicherung JAEG2019-04-08T10:18:56+02:00
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Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) als Wechselfaktor in die Private Krankenversicherung

Update zur JAEG 29.01.2019

Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (abgekürzt als JAEG), wird auch Versicherungspflichtgrenze genannt. Sie markiert in Deutschland eine Recheneinheit in der Sozialversicherung und gibt an, ab welcher Höhe des regelmäßigen jährlichen Arbeitsentgelts ein Arbeitnehmer nicht mehr in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sein muss. Er kann ab dieser bestimmten Summe frei entscheiden, ob er gesetzlich versichert bleibt oder in die private Krankenversicherung wechselt. Welche rechtlichen Voraussetzungen zur Versicherungsfreiheit gelten, finden Sie in § 6 im 5. Buch des Sozialgesetzbuches – Gesetzliche Krankenversicherung.

Wer einen Wechsel zur privaten Krankenversicherung überlegt, ist meist unter die sogenannte „Versicherungspflichtgrenze“ gefallen. Im Alltag wird diese von Verbrauchern häufig als Beitragsbemessungsgrenze (BBG) bezeichnet.

Doch tatsächlich handelt es sich nur in einem speziellen Fall um den gleichen Wert. Ansonsten spielt überwiegend die Jahresarbeitsentgeltgrenze für die PKV eine Rolle.

In diesem Ratgeber verwenden wir den Begriff „Beitragsbemessungsgrenze“ im korrekten Sinn und bieten Ihnen dazu sowie zur Versicherungspflichtgrenze handfeste Informationen.

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Die aktuelle Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) 2019

Warum sind Jahresarbeitsentgeltgrenze und Beitragsbemessungsgrenze (BBG) nicht dasselbe?

Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine Kennzahl, welche die Höhe der Beiträge zu einer Sozialversicherung beschränkt. Da die Beiträge von der Höhe des Einkommens der Arbeitnehmer abhängen, wurde diese Höchstgrenze eingeführt, um die Versicherungsbeiträge nicht unverhältnismäßig hoch ansteigen zu lassen. Die Beitragsbemessungsgrenze sagt jedoch nichts darüber aus, ob ein Angestellter sich in der GKV versichern muss oder die Wahl zwischen freiwillig gesetzlicher oder privater Krankenversicherung hat.

Um die Grenze zur Pflichtversicherung zu definieren, gibt es die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze. Überschreitet das jährliche Bruttoeinkommen eines Arbeitnehmers diesen Betrag, ist er von der Versicherungspflicht befreit und kann sich privat krankenversichern oder alternativ freiwilliges Mitglied der GKV werden.

Lag die Versicherungspflichtgrenze im Jahr 2018 noch bei 59.400 Euro brutto pro Jahr, so steigt diese im Jahr 2019 auf 60.750 Euro. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) steigt also um 1.350 Euro.

Nur in einem Fall ist die Versicherungspflichtgrenze mit der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) identisch: Wenn Arbeitnehmer vor dem 31. Dezember 2002 eine PKV genutzt haben, gilt für sie die Beitragsbemessungsgrenze als Versicherungspflichtgrenze. Somit konnten diese Angestellten im Jahr 2018 schon bei einem niedrigeren Bruttoeinkommen von 53.100 Euro pro Jahr in die private Krankenversicherung wechseln. Im Jahr 2019 allerdings, ist das erst ab einem Bruttoeinkommen von 54.450 Euro möglich.

Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze für die Krankenkasse im Überblick

BeitragsbemessungsgrenzeJahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)
deckelt den Maximalbeitrag, den Mitglieder für die GKV leisten müssenlegt fest, bis zu welchem Jahreseinkommen sich Arbeitnehmer gesetzlich krankenversichern müssen
wird jährlich an die Einkommensentwicklung des Vorjahres angepasst und steigt bei guter Entwicklung anwird jährlich an die Einkommensentwicklung des Vorjahres angepasst und steigt bei positiver Entwicklung an
Anhebung der Grenze bewirkt eine Beitragserhöhung für Gutverdiener, Absenkung führt zur BeitragssenkungAnhebung erschwert den Wechsel in die PKV für besser Verdienende
Update 2019: 54.450 Euro jährliches Bruttoeinkommen oder 4.537,50 Euro brutto monatlichUpdate 2019: 60.750 Euro jährliches Bruttoeinkommen oder 5.062,50 Euro brutto monatlich
hat Einfluss auf die Höhe des Arbeitgeberzuschusseshat keinen Einfluss auf den Arbeitgeberzuschuss
ist nicht relevant für den Wechsel zur PKVist relevant für den Wechsel zur PKV

Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung

Die Beitragsbemessungsgrenze wird allgemein auf die Sozialversicherung angewandt, also auf die gesetzliche Krankenversicherung sowie die Renten- bzw. Arbeitslosenversicherung. Damit wird das sogenannte „Solidarprinzip“ angewandt, mit welchem sich die Beitragshöhe an der Höhe des Verdiensts des Mitglieds orientiert. Wer gut verdient, kommt für die Beiträge der weniger verdienenden Mitglieder mit auf.

Mit Hilfe der Beitragsbemessungsgrenze wird der Höchstbetrag eingegrenzt, für welchen verhältnismäßig in die Kasse eingezahlt werden muss. Liegt der Verdienst über dieser Grenze, wird der Teil, der darüber liegt, nicht mehr für die Berechnung des Beitrags berücksichtigt.

Die Beitragsbemessungsgrenze für die GKV lag im Jahr 2018 bundeseinheitlich bei 53.100 Euro. Diese steigt im Jahr 2019 auf 54.450 Euro.

Im Jahr 2018 lag die Beitragsbemessungsgrenze für die Beiträge zur Rentenversicherung in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich hoch – im Osten 69.600 Euro und im Westen bei 78.000 Euro. In 2019 werden auch diese Grenzen angehoben: In Westdeutschland auf 80.400 Euro (monatlich 6.700 Euro), in Ostdeutschland auf 73.800 Euro, das wären monatlich 6.150 Euro.

Die Beitragsbemessungsgrenzen werden jährlich neu berechnet und orientieren sich an der Lohnentwicklung in Deutschland. Seit 2011 ist die Beitragsbemessungsgrenze für die GKV aufgrund der positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kontinuierlich gestiegen. Dies bedeutet, dass dementsprechend auch die Versicherungsbeiträge mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil für sehr gut verdienende Angestellte gestiegen sind.

Steigende Einkommensgrenze für die Pflichtversicherung kann Wechsel in PKV erschweren

Für Arbeitnehmer kann es bei steigender Versicherungspflichtgrenze schwieriger werden, in eine private Krankenkasse zu wechseln. Lag die Pflichtversicherungsgrenze 2018 noch bei 59.400 Euro, so steigt diese Grenze für 2019 auf 60.750 Euro.

Grundsätzlich gilt: Wer als Arbeitnehmer in die private Krankenkasse wechseln möchte, sollte seinen aktuellen Krankenkassenbeitrag berücksichtigen und diesen Beitrag mit den Leistungen günstigerer PKV-Tarife vergleichen. Zugleich sollte abgeklärt werden, wie hoch der Arbeitgeberanteil bei einem PKV-Tarif ausfällt, um mögliches Sparpotential mit einem PKV-Wechsel aufzudecken.

Entwicklung der Jahresarbeitsentgeltgrenze(JAEG)

Entwicklung der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)

Wer kann sich unabhängig von Beitragsbemessungsgrenze und Pflichtversicherungsgrenze privat krankenversichern?

Die PKV ist für Selbständige mit höherem Verdienst, Freiberufler wie Ärzte, Apotheker, Anwälte oder Künstler eine Alternative zur GKV oder die einzige Versicherungsmöglichkeit. Sie müssen dafür keine Beitragsbemessungsgrenzen oder Pflichtversicherungsgrenzen berücksichtigen und können ihren Versicherungsschutz frei auswählen.

Die Kosten für den PKV-Tarif richten sich dabei nicht nach dem Verdienst der Versicherten, sondern nach Alter, Vorerkrankungen und den gewünschten Leistungen. Somit können die Policen individuell an den eigenen Bedarf und die persönlichen Voraussetzungen angepasst werden.

Einfluss der Beitragsbemessungsgrenzen auf die PKV

Im Zuge einer Anpassung des Versicherungsvertragsgesetzes, die am 1. Januar 2009 gültig wurde, sind Private Krankenversicherungen dazu verpflichtet, einen Basistarif anzubieten, dessen Leistungen branchenweit gleich sind. Zugleich muss dieser Basistarif den gleichen Bedingungen entsprechen wie der GKV. Die privaten Krankenversicherungen sind im Zuge der Gesetzesänderungen dazu verpflichtet, neue Kunden ohne Gesundheitsprüfung in den Basistarif aufzunehmen.

Der Basistarif ist an die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der GKV gebunden und entspricht seit dem 1. Januar 2018 somit maximal dem Höchstbetrag der GKV inklusive Pflegeversicherung für eine Person ohne Kind von 769,95 Euro. GKV-Mitglieder, die in die PKV wechseln wollen, sollten deshalb unbedingt einen Versicherungsvergleich durchführen, um günstigere PKV-Volltarife mit höherer Leistung als die GKV zu finden.

Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG):
Antworten auf die wichtigsten Fragen

Um das Jahresarbeitsentgelt zu berechnen, wird zunächst das Bruttojahreseinkommen aus einer Beschäftigung ermittelt, indem der durchschnittliche Monatslohn mit 12 multipliziert wird. Dann werden vom Bruttojahreseinkommen alle Einnahmen abgezogen, die nicht zum regelmäßigen Arbeitseinkommen gehören. Das können zum Beispiel Einmalzahlungen, Kinderzuschläge oder Zuschläge für Verheiratete sein. Bezieht ein Arbeitnehmer schwankende Bezüge, wird das regelmäßige Jahresentgelt geschätzt.

Grundlage für die Berechnung des JAEG liefert § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB V. Demnach ist die Berechnung wichtig, um zu prüfen, ob ein Arbeitnehmer versicherungsfrei ist und zwischen PKV oder GKV wählen darf.

Zu den weiteren für das JAEG relevanten Einkünften zählen alle weiteren Einnahmen, die über das Arbeitsentgelt hinausgehen, zum Beispiel lohnsteuerbefreite Zuwendungen. Als Einnahmen gelten darüber hinaus unregelmäßige Einkünfte, die nicht mindestens ein Mal pro Jahr ausgezahlt werden.

Die Berechnung des Jahresentgelts muss bei Beginn eines Beschäftigungsverhältnisses, bei einer dauerhaften Gehaltsveränderung sowie am Anfang jedes neuen Kalenderjahres erneut berechnet werden.

Wichtig: Nebenjobs werden bei der Berechnung des Bruttojahreseinkommens mitberücksichtigt. Minijobs sind davon jedoch ausgenommen. Sollten Sie jedoch mehrere Minijobs gleichzeitig ausüben, werden diese für die Berechnung des JAEG herangezogen. Berücksichtigt werden außerdem keine Einkünfte aus selbständiger Arbeit, sofern diese nicht Ihre Hauptbeschäftigung ist.

Variable Gehaltsanteile wie Bonuszahlungen oder andere Einmalzahlungen wie Jahrestantiemen werden für die Berechnung des JAEG nicht berücksichtigt. Auch Gewinnbeteiligungen bleiben unberücksichtigt, da es bei diesen Einkünften im Voraus nicht sicher ist, ob diese überhaupt ausgezahlt werden.

Wenn Sie als Arbeitnehmer jedoch mit Ihrem Arbeitgeber ein Fixum vereinbart haben und der andere Gehaltsanteil besteht aus regelmäßigen Provisionszahlungen, werden diese für das JAEG berücksichtigt. Allerdings werden die Einkünfte über regelmäßig gezahlte, aber variable Gehaltsanteile dann vorausschauend geschätzt.

Werbungskosten werden nicht direkt von der Jahresarbeitsentgeltgrenze abgezogen. Sie werden jedoch berücksichtigt, wenn das Gesamteinkommen berechnet wird. So können Werbungskosten entweder als Pauschbetrag von 1.000 Euro vom Gesamteinkommen als „Arbeitnehmerpauschbetrag“ abgezogen werden. Liegen die Werbungskosten höher, müssen diese entsprechend der Ausgaben vom Gesamteinkommen subtrahiert werden.

Ist im Arbeitsvertrag ein Weihnachtsgeld vereinbart oder gibt es eine mündliche Zusicherung, haben Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf diese regelmäßige Zahlung. In diesem Fall muss das Weihnachtsgeld mit in die Berechnung des Jahresarbeitsentgelts einbezogen werden.

Handelt es sich um eine unregelmäßige, freiwillige Leistung des Arbeitgebers, auf welche der Arbeitnehmer keinen Rechtsanspruch hat, muss das Weihnachtsgeld für die Berechnung der JAEG nicht berücksichtigt werden.

Sobald die Jahresentgeltgrenze von einem Arbeitnehmer innerhalb eines Kalenderjahres unterschritten wird, ist er krankenversicherungspflichtig und muss sich gesetzlich krankenversichern.

Wird die Jahresentgeltgrenze jedoch nur vorübergehend unterschritten, kann ein Arbeitnehmer weiterhin von Krankenversicherungsfreiheit profitieren und zwischen GKV und PKV wählen.

Zur vorübergehenden Unterschreitungen der JAEG zählen zum Beispiel:

  • Sie werden nach einer längeren Erwerbsunfähigkeit wieder in Ihren Beruf eingegliedert.
  • Sie haben im Rahmen Ihrer Arbeitsrechte gestreikt und konnten deshalb weniger arbeiten.
  • Sie sind Reservist oder Reservistin bei der Bundeswehr und wurden für ein Manöver kurzfristig eingezogen.
  • In Ihrem Unternehmen wurde Kurzarbeit angeordnet und Sie haben deshalb vorübergehend weniger verdient.
  • Sie beziehen Krankengeld oder Übergangsgeld und deshalb ist Ihr Einkommen vorübergehend niedriger als bisher.

Wenn Sie mit Ihrem Gesamteinkommen die Jahresentgeltgrenze bereits vor der Elternzeit überschritten haben, bleiben Sie für die Dauer der Elternzeit versicherungsfrei.

Sollten Sie während der Elternzeit einer nicht versicherungspflichtigen Arbeit nachgehen, bleibt Ihr Status ebenfalls erhalten und nach dem Ende der Elternzeit sind Sie in der Krankenversicherung versicherungsfrei, vorausgesetzt, Ihr Jahreseinkommen überschreitet nach der Wiederaufnahme Ihrer Arbeit nach der Elternzeit die JAEG.

Endet Ihre Elternzeit und waren Sie bis dahin wegen Überschreitung des JAEG versicherungsfrei, endet die Versicherungsfreiheit unmittelbar mit dem Ende der Elternzeit. Haben Sie sich nicht von der Versicherungspflicht befreien lassen und Sie haben beim gleichen Arbeitgeber im Rahmen der maximal 30 Stunden weitergearbeitet, endet die Versicherungsfreiheit erst zum Ende des Kalenderjahrs nach Beenden der Elternzeit. Voraussetzung ist, dass Sie zuvor krankenversicherungsfrei waren.

Sollten Sie während der Elternzeit bei einem anderen Arbeitgeber als zuvor gearbeitet haben, endet die Versicherungsfreiheit unmittelbar mit dem Ende der Elternzeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie sich von der Versicherungspflicht während der Elternzeit befreit haben oder nicht.

Waren Sie vor der Aufnahme der Elternzeit freiwillig gesetzlich krankenversichert, weil Sie die JAEG überschritten haben, bleiben Sie während der Elternzeit in der GKV.

Wichtig ist, dass Sie sich während der Elternzeit nicht von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen können, wenn Sie durch die geringeren Einkünfte in der Elternzeit das JAEG unterschreiten.

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