Private Krankenversicherung JAEG 2018-12-03T15:28:37+00:00
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Private Krankenversicherung:
Die Jahresarbeitsentgeltgrenze als Wechselfaktor

Jahresarbeitsentgeltgrenze für private Krankenversicherungen
Lesezeit: 12 min

Wer einen Wechsel zur privaten Krankenversicherung überlegt, ist meist unter die sogenannte „Versicherungspflichtgrenze“ gefallen. Im Alltag wird diese von Verbrauchern häufig als Beitragsbemessungsgrenze bezeichnet. Doch tatsächlich handelt es sich nur in einem speziellen Fall um den gleichen Wert. Ansonsten spielt überwiegend die Versicherungspflichtgrenze für die PKV eine Rolle. In diesem Ratgeber verwenden wir den Begriff „Beitragsbemessungsgrenze“ im korrekten Sinn und bieten Ihnen dazu sowie zur Versicherungspflichtgrenze handfeste Informationen.

Warum sind Versicherungspflichtgrenze und Beitragsbemessungsgrenze nicht dasselbe?

Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine Kennzahl, welche die Höhe der Beiträge zu einer Sozialversicherung beschränkt. Da die Beiträge von der Höhe des Einkommens der Arbeitnehmer abhängen, wurde diese Höchstgrenze eingeführt, um die Versicherungsbeiträge nicht unverhältnismäßig hoch ansteigen zu lassen. Die Beitragsbemessungsgrenze sagt jedoch nichts darüber aus, ob ein Angestellter sich in der GKV versichern muss oder die Wahl zwischen freiwillig gesetzlicher oder privater Krankenversicherung hat.

Um die Grenze zur Pflichtversicherung zu definieren, gibt es die sogenannte Versicherungspflichtgrenze. Überschreitet das jährliche Bruttoeinkommen eines Arbeitnehmers diesen Betrag, ist er von der Versicherungspflicht befreit und kann sich privat krankenversichern oder alternativ freiwilliges Mitglied der GKV werden.

Die Versicherungspflichtgrenze liegt im Jahr 2018 bei 59.400 Euro brutto pro Jahr.

Nur in einem Fall ist die Versicherungspflichtgrenze mit der Beitragsbemessungsgrenze identisch: Wenn Arbeitnehmer vor dem 31. Dezember 2002 eine PKV genutzt haben, gilt für sie die Beitragsbemessungsgrenze als Versicherungspflichtgrenze. Somit könnten diese Angestellten schon bei einem niedrigeren Bruttoeinkommen von 53.100 Euro pro Jahr in die private Krankenversicherung wechseln.

Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze für die Krankenkasse im Überblick

BeitragsbemessungsgrenzeVersicherungspflichtgrenze
deckelt den Maximalbeitrag, den Mitglieder für die GKV leisten müssenlegt fest, bis zu welchem Jahreseinkommen sich Arbeitnehmer gesetzlich krankenversichern müssen
wird jährlich an die Einkommensentwicklung des Vorjahres angepasst und steigt bei guter Entwicklung anwird jährlich an die Einkommensentwicklung des Vorjahres angepasst und steigt bei positiver Entwicklung an
Anhebung der Grenze bewirkt eine Beitragserhöhung für Gutverdiener, Absenkung führt zur BeitragssenkungAnhebung erschwert den Wechsel in die PKV für besser Verdienende
2018: 53.100 Euro jährliches Bruttoeinkommen oder 4.425 Euro brutto monatlich2018: 59.400 Euro jährliches Bruttoeinkommen oder 4.950 Euro brutto monatlich
hat Einfluss auf die Höhe des Arbeitgeberzuschusseshat keinen Einfluss auf den Arbeitgeberzuschuss
ist nicht relevant für den Wechsel zur PKVist relevant für den Wechsel zur PKV

Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung

Die Beitragsbemessungsgrenze wird allgemein auf die Sozialversicherung angewandt, also auf die gesetzliche Krankenversicherung sowie die Renten- bzw. Arbeitslosenversicherung. Damit wird das sogenannte „Solidarprinzip“ angewandt, mit welchem sich die Beitragshöhe an der Höhe des Verdiensts des Mitglieds orientiert. Wer gut verdient, kommt für die Beiträge der weniger verdienenden Mitglieder mit auf.
Mit Hilfe der Beitragsbemessungsgrenze wird der Höchstbetrag eingegrenzt, für welchen verhältnismäßig in die Kasse eingezahlt werden muss. Liegt der Verdienst über dieser Grenze, wird der Teil, der darüber liegt, nicht mehr für die Berechnung des Beitrags berücksichtigt.
Die Beitragsbemessungsgrenze für die GKV liegt im Jahr 2018 bundeseinheitlich bei 53.100 Euro. Die Beitragsbemessungsgrenze für die Beiträge zur Rentenversicherung ist in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich hoch und beträgt im Osten 69.600 und im Westen bei 78.000 Euro.

Die Beitragsbemessungsgrenzen werden jährlich neu berechnet und orientieren sich an der Lohnentwicklung in Deutschland. Seit 2011 ist die Beitragsbemessungsgrenze für die GKV aufgrund der positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kontinuierlich gestiegen. Dies bedeutet, dass dementsprechend auch die Versicherungsbeiträge mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil für sehr gut verdienende Angestellte gestiegen sind.

Steigende Einkommensgrenze für die Pflichtversicherung kann Wechsel in PKV erschweren

Für Arbeitnehmer kann es bei steigender Versicherungspflichtgrenze schwieriger werden, in eine private Krankenkasse zu wechseln. So lag die Pflichtversicherungsgrenze 2017 noch bei 57.600 Euro und somit rund 1.800 unter dem Wert für 2018. Ein Arbeitnehmer an der Grenze zur Pflichtversicherung müsste 2018 demnach monatlich über 100 Euro brutto mehr verdienen, um in die PKV wechseln zu können.

Grundsätzlich gilt: Wer als Arbeitnehmer in die private Krankenkasse wechseln möchte, sollte seinen aktuellen Krankenkassenbeitrag berücksichtigen und diesen Beitrag mit den Leistungen günstigerer PKV-Tarife vergleichen. Zugleich sollte abgeklärt werden, wie hoch der Arbeitgeberanteil bei einem PKV-Tarif ausfällt, um mögliches Sparpotential mit einem PKV-Wechsel aufzudecken.

Wer kann sich unabhängig von Beitragsbemessungsgrenze und Pflichtversicherungsgrenze privat krankenversichern?

Die PKV ist für Selbständige mit höherem Verdienst, Freiberufler wie Ärzte, Apotheker, Anwälte oder Künstler eine Alternative zur GKV oder die einzige Versicherungsmöglichkeit. Sie müssen dafür keine Beitragsbemessungsgrenzen oder Pflichtversicherungsgrenzen berücksichtigen und können ihren Versicherungsschutz frei auswählen.

Die Kosten für den PKV-Tarif richten sich dabei nicht nach dem Verdienst der Versicherten, sondern nach Alter, Vorerkrankungen und den gewünschten Leistungen. Somit können die Policen individuell an den eigenen Bedarf und die persönlichen Voraussetzungen angepasst werden.

Einfluss der Beitragsbemessungsgrenzen auf die PKV

Im Zuge einer Anpassung des Versicherungsvertragsgesetzes, die am 1. Januar 2009 gültig wurde, sind Private Krankenversicherungen dazu verpflichtet, einen Basistarif anzubieten, dessen Leistungen branchenweit gleich sind. Zugleich muss dieser Basistarif den gleichen Bedingungen entsprechen wie der GKV. Die privaten Krankenversicherungen sind im Zuge der Gesetzesänderungen dazu verpflichtet, neue Kunden ohne Gesundheitsprüfung in den Basistarif aufzunehmen.

Der Basistarif ist an die Beitragsbemessungsgrenze der GKV gebunden und entspricht seit dem 1. Januar 2018 somit maximal dem Höchstbetrag der GKV inklusive Pflegeversicherung für eine Person ohne Kind von 769,95 Euro. GKV-Mitglieder, die in die PKV wechseln wollen, sollten deshalb unbedingt einen Versicherungsvergleich durchführen, um günstigere PKV-Volltarife mit höherer Leistung als die GKV zu finden.

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