Private Krankenversicherung Kuren 2018-12-03T15:14:50+00:00

Private Krankenversicherung und Kuren – wann werden diese übernommen?

Kuren in der privaten Krankenversicherung
Lesezeit: 14 min

In der Privaten Krankenversicherung besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Kostenerstattung bei Kuren. Damit unterscheidet sich die PKV deutlich von der GKV. Allerdings gibt es für Versicherte dennoch Möglichkeiten, sich für Kuren oder Reha-Aufenthalte abzusichern. Hier erfahren Sie alle Details rund um das Thema „Private Krankenversicherung und Kuren“.

Kein grundsätzlicher Leistungsanspruch für Kuren

Gemäß den Musterbedingungen zur Krankheitskostenversicherung aus dem Jahr 2009 sind Private Krankenversicherungen nicht verpflichtet, Kosten für Kuraufenthalte oder Behandlungen in Sanatorien zu erstatten. Selbst bei Reha-Maßnahmen ist die PKV nicht in der Leistungspflicht. Die Versicherungsgesellschaften gehen hier davon aus, dass Arbeitnehmer ohnehin zunächst durch die Sozialversicherungsträger abgesichert sind.

Die PKV erstattet somit Kuren standardmäßig nicht. Jedoch können einzelne Tarife Ausnahmen vorsehen, die eine Kostenerstattung für Kur- oder Sanatoriumaufenthalte möglich machen. Darüber hinaus kann fehlender Versicherungsschutz durch Zusatzversicherungen ergänzt werden.

Grundsätzlich gilt: Privat Versicherte sollten im Vorfeld einer Kur oder einer Reha-Maßnahme genau abklären, ob und in welchem Rahmen ihre Versicherungsgesellschaft die Kosten übernimmt.

Wann kann die PKV für eine Kur genutzt werden?

Ob eine PKV für die Kur aufkommt, hängt zunächst davon ab, ob ein Sozialleistungsträger die Kosten übernehmen kann. Hierzu zählen:

  • Berufsgenossenschaften: Ist ein Kur- oder Reha-Aufenthalt eine Folge eines Arbeitsunfalls, Wegeunfalls oder einer Berufskrankheit, kommt die Berufsgenossenschaft für die Kosten auf. Voraussetzung ist, dass die privat krankenversicherten Arbeitnehmer oder Selbständigen freiwillig über die Berufsgenossenschaft versichert sind.
  • Deutsche Rentenversicherung Bund: Dieser Sozialversicherungsträger kann die Kosten für eine Kur übernehmen, wenn der PKV-Versicherte gesetzlich oder freiwillig in der Deutschen Rentenversicherung versichert ist. Zudem müssen die Reha- oder Kurmaßnahmen dazu dienen, dass die versicherte Person weiterarbeiten oder ihre Arbeit wieder aufnehmen kann.
  • Unfallversicherungen: Ist eine Reha oder eine Kur aufgrund eines Unfalls in der Freizeit medizinisch notwendig, kann eine private Unfallversicherung gemäß den Versicherungsbedingungen teilweise oder komplett für die Kosten aufkommen.

Erst wenn keiner der hier genannten Versicherungsträger für die Kosten aufkommen kann, werden die Leistungen der PKV abgerufen. Wichtig ist dann jedoch, dass die Kostenübernahme durch den Volltarif oder durch eine entsprechende Zusatzversicherung gedeckt ist.

Die erforderlichen Schritte zur Kostenübernahme bei einer Kur

Bevor ein Versicherungsnehmer eine Kostenübernahme für eine Kur beantragen kann, sind verschiedene Schritte notwendig.

  • Arztbesuch: Ob eine Kur oder eine Reha medizinisch notwendig ist, kann nur ein Arzt ermitteln. Die medizinische Notwendigkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass Kosten erstattet werden. Der Arzt erstellt ein Attest, zugleich empfiehlt er entsprechende medizinisch notwendige Maßnahmen.
  • Anfrage bei zuständigen Versicherungen: Das Attest wird zusammen mit den vom Arzt empfohlenen Maßnahmen bei der zuständigen Versicherung eingereicht, also bei der Rentenversicherung von freiwilligen Mitgliedern der gesetzlichen Rentenversicherung, bei der Berufsgenossenschaft bei Berufs- oder Wegeunfällen sowie bei der Unfallversicherung bei Freizeitunfällen.
  • Anfrage bei der PKV: Hat einer dieser Kostenträger die Übernahme der Behandlungskosten oder eine Teilerstattung abgelehnt, wenden sich Versicherte an ihre PKV. Die Private Krankenversicherung kann nur Leistungen übernehmen, die im Tarif oder durch eine Zusatzversicherung abgedeckt sind.

Reha oder Kur?

Von „Reha“ wird gesprochen, wenn es sich um medizinische Rehabilitationsmaßnahmen handelt. Diese Maßnahmen dienen der Heilung oder der Linderung von Beschwerden und können sowohl stationär als auch ambulant durchgeführt werden.

Von einer „Kur“ ist hingegen umgangssprachlich die Rede, wenn ein Patient für längere Zeit stationär in einer Kurklinik oder einem Sanatorium behandelt wird. Besteht für diesen Aufenthalt eine medizinische Notwendigkeit, wird zwischen folgenden Bezeichnungen unterschieden:

  • ambulante Vorsorge: Hierzu zählen alle medizinischen Maßnahmen, die den Gesundheitszustand eines Patienten verbessern, damit er nicht stationär aufgenommen werden muss.
  • medizinische Rehabilitation: Diese Maßnahme erfolgt nach einer ambulanten Vorsorge, die ohne Wirkung geblieben ist. Hierfür wird der Patient stationär aufgenommen. Ziel ist, dass der Patient wieder seinem Beruf nachgehen kann.
  • Anschlussheilbehandlung: Hierbei handelt es sich um die medizinisch notwendige Weiterführung der Behandlung nach einer Operation oder einem stationären Aufenthalt.

Die PKV unterscheidet in ihren Tarifen in der Regel genau zwischen diese Varianten. Sie sollten vor Abschluss einer Versicherung genau auf die Details im Versicherungsvertrag achten, um zu erfahren, wie Sie im Falle einer Kur abgesichert sind.

Spezielle Zusatztarife zur Absicherung von Kuren in der PKV

Wenn die gesetzlichen Versicherungsträger sowie eine Unfallversicherung nicht für die Kosten einer Reha- oder Kurmaßnahme aufkommen, gibt es die Möglichkeit, dass auch die PKV Kosten übernimmt.

  • spezielle Tarifbedingungen: Manche Komforttarife in der PKV leisten auch für Aufenthalte in der Kurklinik. Voraussetzung dafür ist eine Ablehnung durch den gesetzlichen Leistungsträger. Die PKV-Volltarife können dann entweder Zuschüsse zur Kur oder Tagegeld leisten.
  • Kurkosten-Zusatzversicherung: Bei dieser Zusatzversicherung wird ein vertraglich festgelegter Zuschuss zu den Kurkosten geleistet. Meist handelt es sich um einen Tageshöchstsatz, der für Behandlungen, die Kurtaxe sowie die Reisekosten zum Kurort genutzt werden kann.
  • Kurtagegeld-Versicherung: In diesem Fall zahlt die Zusatzversicherung einen bestimmten Tagessatz pro Tag, an dem der Versicherte in der Kur ist. Empfehlenswert ist es hier, ein Tagegeld zu wählen, das den durchschnittlichen Kosten pro Kurtag entspricht. Das Versicherungsmitglied kann in diesem Fall frei über das von der Versicherung gezahlte Tagegeld verfügen und muss keinen Nachweis über die in der Kur erbrachten medizinischen Leistungen liefern.

Diese Kuren können von der PKV übernommen werden

Private Krankenversicherungen erstatten die Kosten für bestimmte Arten von Kuren.

  • Genesungskuren: Diese Art von Kur erfolgt nach einem Krankenhausaufenthalt. Damit die PKV die Kosten trägt, muss der Krankenhausaufenthalt mindestens zehn Tage gedauert haben. Die Kur selbst kann bis zu sechs Woche nach dem stationären Aufenthalt im Krankenhaus angetreten werden.

    Ziel einer solchen Kurbehandlung ist es, den Erfolg der OP oder anderen medizinischen Maßnahmen zu festigen. Eine weitere Voraussetzung für die Kostenübernahme einer Genesungskur besteht in einem ärztlichen Attest, das die medizinische Notwendigkeit des Kuraufenthalts belegt.

  • sonstige Kuren: Stellt ein Arzt eine medizinische Notwendigkeit eines Kuraufenthalts fest, der nicht der Genesung nach einem Krankenhausaufenthalt dient, kann ebenfalls eine Kostenerstattung erfolgen. Möglich ist eine solche Kostenzusage alle zwei Jahre. Allerdings ist auch hier zu prüfen, in welchem Umfang der Versicherer Kosten übernimmt. Vor dem Antritt der Kur sollte die Versicherung die Kostenübernahme schriftlich bestätigen.

Beamte und Selbständige sollten auf PKV-Leistung bei Kuren achten

In der Gesetzlichen Krankenversicherung besteht für Arbeitnehmer ein Anspruch auf Kostenübernahme bei Kuraufenthalten. Wer jedoch privat krankenversichert ist, sollte hier unbedingt auf die Leistungen seiner Versicherung achten. Dies gilt insbesondere für Selbständige, da sie keine Kostenunterstützung von Berufsgenossenschaften oder der gesetzlichen Rentenversicherung erwarten können.

Auch Beamte sollten bei Kuren genau auf ihren privaten Versicherungsschutz achten, denn welche Kosten die Beihilfe übernimmt, hängt vom Dienstherrn und damit von der jeweiligen Beihilfeverordnung ab.

Sowohl für Beamte als auch für Selbständige bietet sich deshalb eine Kurzusatzversicherung an.

Mutter-Kind-Kur mit der PKV: Ist das möglich?

Während die Kuren für Mütter und ihre Kinder zur Pflichtleistung der Gesetzlichen Krankenkasse gehören, sind sie kein Standard-Leistungsbestandteil der PKV. Dennoch gibt es für Mütter die Möglichkeit, auch Kuren mit ihren Kindern in der PKV zu beantragen.
So können spezielle Zusatztarife abgeschlossen werden, die Kuren erstatten. Darüber hinaus besteht bei beihilfeberechtigten Privatversicherten die Chance, weitere Zuschüsse über die Beihilfe für Mutter-Kind-Kuren zu erhalten.

Da jedoch grundsätzlich kein Leistungsanspruch auf eine Mutter-Kind-Kur in der PKV besteht, sollten Versicherte vor einer Kur genau abklären, welche Kosten die Private Krankenkasse dennoch übernehmen kann. So ist es möglich, dass die Kosten für einzelne Behandlungen während der Kur zum Beispiel von der PKV erstattet werden. Wenn Sie von diesem Thema betroffen sind und vorhaben, mit Ihrem Kind eine Kur anzutreten, sollten Sie im Vorfeld bei Ihrer Krankenkasse nach Erstattungen fragen.

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