Private Krankenversicherung Voraussetzungen 2018-12-03T14:39:04+00:00
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Private Krankenversicherung – Voraussetzungen für den Wechsel in die PKV

Vorraussetzungen für private Krankenversicherungen
Lesezeit: 15 min

Der Wechsel in die PKV ist für Selbständige, Freiberufler, Studenten, aber auch für Angestellte möglich. Für den Beitritt in die Private Krankenversicherung müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Einzige Ausnahme sind Kinder. Für sie kann jederzeit eine private Krankenversicherung abgeschlossen werden. In diesem Beitrag informieren wir Sie ausführlich zu den Voraussetzungen für die PKV und geben praktische Tipps zum Thema.

Versicherung von Kindern
Kinder können grundsätzlich immer privat krankenversichert werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Eltern in der GKV oder der PKV versichert sind.
Säuglinge können bis zum Alter von drei Monaten ohne Gesundheitsprüfung in einem gleichwertigen Tarif wie ein privat versichertes Elternteil in eine PKV aufgenommen werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Elternteil für mindestens drei Monate in der gleichen privaten Krankenversicherung versichert ist.

Diese Berufsgruppen können sofort zur PKV wechseln

Ob ein Versicherungsnehmer in die private Krankenversicherung eintreten kann, hängt zunächst davon ab, ob er von der Versicherungspflicht befreit wurde. Diese Befreiung ist nicht damit zu verwechseln, dass Verbraucher in Deutschland keine Krankenversicherung benötigen. Vielmehr bedeutet „Versicherungsfreiheit“ bei der Krankenversicherung, dass keine Pflicht besteht, Mitglied der Gesetzlichen Krankenkasse zu sein.

Wer hauptberuflich selbständig ist oder freiberuflich arbeitet, kann ohne vorherige Bedingungen in die PKV wechseln. Gleiches gilt für Beamte, deren Dienstherr das Land oder Bund ist. Sobald sie ihren Anspruch auf Beihilfe nutzen, können sie ohne weitere Voraussetzungen eine private Krankenversicherung abschließen.

Wer angestellt ist, muss mit seinem Einkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreiten, um sich in der PKV versichern zu können. Das gilt ebenso für angestellte Ärzte oder Apotheker, die bei selbständiger Arbeit zu den Freiberuflern zählen würden. Mitarbeiter des Öffentlichen Diensts, die nicht verbeamtet sind müssen ebenfalls die Pflichtversicherungsgrenze bzw. die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) überschreiten, um sich privat krankenversichern zu können.

Überblick: PKV-Möglichkeiten nach Berufsgruppen

BerufsgruppeBedingung zum Wechsel in die Private Krankenversicherung
Angestellte (pflichtversichert oder freiwillig gesetzlich versichert)Das Einkommen liegt an oder über der Versicherungspflichtgrenze.
SelbständigeEin Wechsel ist unabhängig vom Einkommen sofort möglich.
Freiberufler (z.B. Ärzte, Anwälte, Apotheker)Ein Wechsel ist unabhängig vom Einkommen sofort möglich.
Künstler und PublizistenHier muss eine mögliche Versicherungspflicht über die Künstlersozialkasse geprüft werden. Dann ist ein Wechsel in die PKV nicht möglich.
angestellte Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, AnwälteDas Einkommen liegt an oder über der Versicherungspflichtgrenze.
BeamteBei Anspruch auf Beihilfe ist ein Wechsel in die PKV sofort möglich.
StudierendeInnerhalb der ersten drei Monate nach der Immatrikulation kann Befreiung von der Versicherungspflicht beantragt werden. Dann ist ein Wechsel zur PKV problemlos möglich.
ArbeitsloseIn diesem Fall ist kein Wechsel in die PKV möglich.

Besondere Voraussetzungen für Angestellte: Pflichtversicherungsgrenze beim Einkommen

Einzige Voraussetzung für die PKV ist bei Angestellten, dass sie die Verdienstgrenze für die Pflichtversicherung überschreiten. Diese auch Jahresentgeltgrenze (JAEG) genannte Einkommensgrenze wird jedes Jahr aufs Neue ermittelt und orientiert sich an der allgemeinen Lohnentwicklung. Seit dem Jahr 2011 ist diese Grenze kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2018 liegt die Versicherungspflichtgrenze bei einem jährlichen Bruttogehalt von 59.400 Euro, was einem monatlichen Bruttogehalt von 4.950 Euro entspricht.

Wer über den Zeitraum von einem Jahr diese Verdienstgrenze überschreitet, wird darüber von seiner GKV informiert und hat dann die Möglichkeit, in die PKV für Angestellte zu wechseln.

Entwicklung der Jahresentgeltgrenze seit 2011

JahrJahresgrenzeMonatsgrenze
201859.400,00 Euro4.950,00 Euro
201757.600,00 Euro4.800,00 Euro
201656.250,00 Euro4.687,50 Euro
201554.900,00 Euro4.575,00 Euro
201453.550,00 Euro4.462,50 Euro
201352.200,00 Euro4.350,00 Euro
201250.850,00 Euro4.237,50 Euro
201149.500,00 Euro4.125,00 Euro

Wechselfrist zur PKV
Wer als Angestellter zur Privaten Krankenversicherung wechseln möchte, kann innerhalb von zwei Wochen, nachdem er versicherungsfrei geworden ist, seine Mitgliedschaft in der GKV beenden. Versicherungsfrei ist der Versicherungsnehmer ab dem Zeitpunkt, ab welchem er die Information darüber von seiner GKV erhalten hat.
Die Kündigung ist zum Ende der Versicherungspflicht oder zum Ablauf des übernächsten Versicherungsmonats möglich.

Gesundheitsprüfung bestehen

Wer zur PKV wechseln möchte, muss für den Versicherungsantrag umfangreiche Fragen zur Gesundheit beantworten. In der Regel erfolgt die Abfrage über einen Gesundheitsfragebogen. Dort möchte die zukünftige Versicherung zum Beispiel Folgendes wissen:

  • Hat der Antragsteller chronische Krankheiten?
  • Liegen Allergien vor? Wenn ja, welche?
  • Ist der Antragsteller Raucher?
  • Gibt es Vorerkrankungen?
  • Wurden OPs durchgeführt?
  • Gibt es Zahnersatz?

Anhand der gestellten Fragen kann eine Versicherungsgesellschaft das Versicherungsrisiko einschätzen.
Zusätzlich kann die Versicherung bei den behandelnden Ärzten anfragen. Zu diesem Zweck müssen Antragsteller diese von der Schweigepflicht entbinden.

Das Ergebnis der Gesundheitsprüfung kann dazu führen, dass Versicherungsgesellschaften für die PKV Risikoaufschläge verlangen oder Leistungen im Voraus ausschließen.

Darüber hinaus besteht bei einer Vollversicherung keine Aufnahmepflicht in die PKV. Somit kann eine Versicherungsgesellschaft den Antrag auf die PKV auch ablehnen, wenn die Gesundheitsprüfung ein zu hohes Risiko ergeben hat.

Einzige Ausnahme: In den Basistarif der PKV können Angestellte per Gesetz auch ohne Gesundheitsprüfung und Wartezeiten wechseln.

Kriterien, welche den Wechsel in die PKV beeinflussen können

Wer in die PKV wechselt, möchte meist entweder niedrigere Versicherungsbeiträge bezahlen und/oder von höheren Leistungen profitieren. Insbesondere für Selbständige, die ein höheres Einkommen erzielen und bisher noch freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, kann ein Wechsel in die PKV sinnvoll sein.

Wichtig für die Entscheidung zum Wechsel kann auch die Jahresarbeitsentgeltgrenze sein. Sie gibt vor, bis zu welchem Einkommen ein Versicherungsnehmer anteilig Beiträge in die GKV bezahlen muss. Gerade bei höheren Einkommen kann es für Angestellte sinnvoll sein, in die PKV zu wechseln, sobald sie von der Versicherungspflicht freigestellt sind.

Mit der PKV bestehen zudem größere Wahlmöglichkeiten, wenn es um einzelne Leistungsbausteine geht. Der Versicherungsschutz kann individuell an die persönlichen Ansprüche und Voraussetzungen angepasst werden. Diese Möglichkeit bietet eine GKV nicht. Sie kann allenfalls mit einer privaten Zusatzversicherung ergänzt werden.

Bruttojahresentgelt
Diese Einkünfte werden für die Ermittlung des Bruttojahresentgelts berücksichtigt:

  • monatlich gezahlte Löhne und Gehälter
  • Sachbezüge wie Firmenwagen
  • pauschalierte Vergütung für Überstunden
  • regelmäßige Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld
  • vermögenswirksame Leistungen
  • Arbeitsentgelt aus versicherungspflichtigen Zweitbeschäftigungen

Unterscheiden sich PKV-Tarife hinsichtlich der Voraussetzungen für den Einstieg?

  • Tarife für Beamte: Beamte sind in den meisten Fällen beihilfeberechtigt. Bei der Beihilfe handelt es sich um eine Absicherung im Krankheitsfall, die vom Bund oder Land getragen wird, abhängig davon, wer Dienstherr ist. Eine Berechtigung zur Beihilfe ermöglicht Beamten, den Kostenanteil, der nicht von der Beihilfe getragen wird, sowie zusätzliche Leistungen mit einer PKV abzusichern. Somit ist die Beanspruchung von Beihilfe Voraussetzung dafür, eine Private Krankenversicherung abzuschließen. Verzichten Beamte auf diesen Anspruch, entfällt die Wahlfreiheit und sie müssen sich gesetzlich krankenversichern.
  • Tarife ohne Altersrückstellung: Wer sich für einen PKV-Tarif ohne Altersrückstellung entscheiden möchte, kann dies in der Regel nur bis zum 21. Lebensjahr tun. Denn ab diesem Alter stellt die PKV meist automatisch Beiträge für das Alter zurück.
  • Private Krankenversicherung für Kinder: Für Kinder bieten Versicherungsgesellschaften meist eigene Tarife an. Diese sind in der Regel deutlich günstiger, weil vor allem die Altersrückstellung wegfällt. Die günstigen Kindertarife sind deshalb üblicherweise nur bis zum Alter von 21 Jahren nutzbar.

Ansonsten gibt es keine Anforderungen, die tarifabhängig für die Aufnahme in die PKV gelten. Vor einiger Zeit gab es spezielle Private Krankenversicherungen für Studenten, doch heute erhalten Studenten eine Vollversicherung zu günstigeren Konditionen.

Verkürzte Wechselfrist
Vor einigen Jahren waren Angestellte und Arbeitnehmer erst dann versicherungsfrei, wenn sie die Versicherungspflichtgrenze über drei Jahre hinweg überschritten hatten. Somit waren auch Berufsanfänger von der Möglichkeit zum Versicherungswechsel ausgeschlossen, auch wenn deren Gehalt über der Jahresentgeltgrenze lag. Doch seit dem 1. Januar 2011 ist eine Ein-Jahres-Wechselfrist möglich. Dies bedeutet, dass Versicherungsfreiheit vorliegt, wenn das Bruttoeinkommen über den Zeitraum von einem Jahr über der JAEG liegt.

Wechsel zur PKV ab 55 Jahren

Wer zur PKV wechseln möchte, kann dies grundsätzlich bis zu seinem 55. Lebensjahr tun. Danach sind Versicherte theoretisch versicherungsfrei und können sich demnach auch in der PKV versichern. Allerdings müssen sie dafür eine Gesundheitsprüfung absolvieren. Durch das fortgeschrittene Alter werden die meisten Versicherungsgesellschaften deshalb einen hohen Beitrag aufrufen. Dies gilt auch, weil die versicherte Person bis dato noch keine Altersrückstellungen gezahlt hat.

Grundsätzlich gilt: Je länger ein Versicherter mit dem Wechsel zur PKV wartet, desto höher werden die Beiträge, weil die Zeitspanne für Altersrückstellungen geringer wird. Entsprechend sinnvoller ist der Beitritt zur PKV in jüngeren Jahren bei guter Gesundheit.

In diesen Fällen können Sie wieder versicherungspflichtig werden

Wer die Anforderungen erfüllt hat und zur PKV gewechselt hat, kann jedoch wieder zur Pflichtversicherung zurückkehren. Dies ist dann der Fall, wenn das Einkommen die Pflichtversicherungsgrenze wieder unterschreitet. Ebenso kann die Aufnahme einer Teilzeitbeschäftigung zur Rückkehr in die GKV führen.

Wer arbeitslos wird, kann ebenfalls versicherungspflichtig werden.
Nehmen ursprünglich selbständige oder angestellte Versicherte ein Studium oder eine Ausbildung im Zweiten Bildungsweg auf, kann ebenfalls Versicherungspflicht bestehen und eine Rückkehr in die GKV ist möglich.

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