Private Krankenversicherung Vorerkrankungen 2018-12-03T14:59:42+00:00
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Private Krankenversicherung – Vorerkrankungen und ihr Einfluss auf den Vertrag

Private Krankenversicherung mit Vorerkrankungen
Lesezeit: 14 min

Wer von der GKV zur PKV oder die private Krankenversicherung wechselt, muss immer Gesundheitsfragen beantworten. Damit möchte die PKV mehr über den Gesundheitszustand der Antragsteller erfahren und daraus das Versicherungsrisiko ableiten. Somit spielen Vorerkrankungen eine wichtige Rolle bei der Frage, ob ein PKV-Volltarif ohne Leistungsausschlüsse oder Risikoaufschläge möglich ist. Wir haben hier alle wichtigen Details rund um das Thema „PKV und Vorerkrankungen“ für Sie zusammengestellt.

Welche Vorerkrankungen relevant für die PKV sind

Grundsätzlich sind alle Vorerkrankungen für die Private Krankenversicherung relevant. Denn schließlich muss sie anhand der Krankengeschichte ermitteln, wie hoch das Versicherungsrisiko ist. Nur bei genauen und ehrlichen Angaben kann die Tarifermittlung fair erfolgen.

Im Gesundheitsfragebogen wird bei einem Versicherungsantrag Folgendes abgefragt:

  • Erkrankungen des Zahnhalteapparats, des Kiefers
  • psychische Erkrankungen
  • Behinderungen
  • durch Unfälle verursachte Einschränkungen und Behandlungen
  • durchgeführte Operationen
  • fehlende Organe oder Gliedmaßen
  • Kuraufenthalte
  • Allergien
  • aktuelle Behandlungen
  • angeratene Behandlungen
  • stationäre Aufenthalte
  • HIV-Infektionen
  • Drogenabhängigkeiten
  • Alkoholabhängigkeit
  • Tabakkonsum
  • Krebserkrankungen

Für die Krankenkasse sind auch Leiden relevant, die noch nicht vom Arzt behandelt wurden.

Die Beantwortung der Gesundheitsfragen sollte immer ehrlich und so transparent wie möglich erfolgen. Zwar ist die PKV nicht zur unmittelbaren Prüfung des Wahrheitsgehalts verpflichtet. Doch spätestens, wenn eine Leistung von einem versicherten Mitglied beantragt wird, werden die Angaben im Gesundheitsfragebogen verifiziert. Zu diesem Zweck kann die PKV ihr Mitglied bitten, den behandelnden Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden. Wer dann falsche Angaben bei den Gesundheitsfragen gemacht hat, kann mit Leistungsverweigerung seitens der PKV rechnen.

Meist haben Patienten nicht alle Daten zu ihren Krankheiten oder Behandlungen im Kopf und können diese nicht mehr genau nachvollziehen. Um Falschangaben oder lückenhafte Angaben bei der Gesundheitsprüfung zu vermeiden, sollten Sie deshalb lieber noch einmal bei den behandelnden Ärzten und Praxen nachfragen und sich ggf. eine genaue Dokumentation Ihrer Behandlungen zuschicken lassen.

Warum sich die PKV für Vorerkrankungen interessiert

Die Privaten Krankenversicherungen funktionieren anders als die Gesetzlichen Krankenkassen nicht auf dem Solidarprinzip. Somit trägt die Versicherungsgesellschaft selbst das individuelle Versicherungsrisiko für jedes Mitglied. Zugleich ist die PKV jedoch dazu verpflichtet, die vertraglichen Leistungen ohne zeitliche Begrenzung zu garantieren.
Um das Risiko einschätzen zu können und dementsprechend die Beiträge zu kalkulieren, müssen Antragsteller für die PKV einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Darin werden alle Fragen rund um den aktuellen Gesundheitszustand sowie vergangene Behandlungen und Vorerkrankungen beantwortet.

Für Versicherte ist die Beantwortung der Gesundheitsfragen manchmal unangenehm, da sie dort sehr persönliche Details preisgeben müssen. Doch die ehrlichen Angaben dienen nicht nur der Versicherung zur Risikoeinschätzen. Sie tragen letztlich dazu bei, dass die Versicherungsprämien fair festgelegt werden, die Versicherungen jederzeit ihrer Erstattungspflicht nachkommen können und die Beiträge nicht exorbitant steigen.

Basistarif: Aufnahme in die PKV trotz Vorerkrankungen

Die Privaten Krankenkassen sind seit 2009 dazu verpflichtet, einen Sozialtarif, den sogenannten Basistarif, anzubieten. Denn seither gilt in Deutschland die Krankenversicherungspflicht. Somit dürfen PKV einen Antragsteller nicht komplett ablehnen, sondern müssen ihn mindestens im Basistarif versichern.

Die Versicherungsgesellschaften sind zur Aufnahme in den Basistarif unter folgenden Bedingungen verpflichtet:

  • Der Antragsteller ist ohne Krankenversicherung und darf sich nicht gesetzlich krankenversichern.
  • Der Versicherungsantrag wurde innerhalb von sechs Monaten nach Beginn der freiwilligen Versicherung in der Gesetzlichen Krankenversicherung gestellt.
  • Der Antragsteller ist privat versichert und hat seine aktuelle Versicherung nach dem 31. Dezember 2008 abgeschlossen.

Auch wenn der Basistarif keine Leistungsbegrenzungen oder Risikoausschlüsse aufgrund von Vorerkrankungen vorsieht, müssen Antragsteller Gesundheitsfragen beantworten. Diese Fragen dienen für die Versicherer einerseits zur Kalkulation, andererseits sind die Ergebnisse wichtig, falls die Versicherten später vom Basistarif in einen Volltarif wechseln wollen.

Freiwillige Öffnung der PKV für Beamte und Beamtenanfänger sowie deren Angehörige

Wer verbeamtet wird oder bisher als Beamter bei der GKV versichert war, kann auch mit Vorerkrankungen zur PKV wechseln, die sonst zur Ablehnung führen würden. Grundlage hierfür bietet die sogenannte „freiwillige Öffnung“ einiger Versicherungesellschaften.

Sie haben sich dazu verpflichtet, keinen Antragsteller aus Risikogründen abzulehnen, wenn der Antrag innerhalb von sechs Monaten nach der Verbeamtung erfolgt. Für bisher freiwillig gesetzlich krankenversicherte Beamte gilt keine Frist. Sie können jederzeit zur PKV ohne Gesundheitsprüfung wechseln, wenn sich die Kasse an der freiwilligen Öffnung beteiligt.
Die Regelung gilt nicht nur für die Beamten selbst, sondern auch für ihre beihilfeberechtigten Angehörigen.

FAQ zum Thema „PKV und Vorerkrankungen“:

Kann ich auch eine Private Krankenversicherung trotz psychischer Vorerkrankung abschließen?
Die meisten PKV lehnen einen Versicherungsantrag ab, wenn bereits eine psychische Vorerkrankung bei einem Antragsteller bestanden hat. Allerdings ist eine PKV-Police dennoch möglich. So können zum Beispiel Leistungsausschlüsse für die entsprechende Krankheit vereinbart werden. Die Versicherten erhalten dann zwar keine Leistungen zum Beispiel für Psychotherapie, können sich jedoch ansonsten in vollem Umfang privat krankenversichern.

Gibt es eine PKV ohne Gesundheitsprüfung?
Es gibt keinen PKV-Volltarif, der ohne Gesundheitsfragen auskommt. Der Fragenkatalog bildet neben dem Lebensalter der Versicherten sowie den gewünschten Leistungen die Grundlage für die Berechnung der Versicherungsprämie. Ohne Gesundheitsprüfung müssten die Versicherungsgesellschaften die Beiträge aufgrund des unkalkulierbaren Risikos enorm erhöhen, sodass sie kaum mehr bezahlbar wären.

Achten alle Privaten Krankenversicherungen auf Vorerkrankungen?
Jede PKV wird auf Vorerkrankungen achten. Ausnahmen gibt es für Beamtenanwärter oder Beamte, die sich aufgrund der freiwilligen Öffnung einiger PKV privat krankenversichern. Ebenso gibt es bei privaten Zusatzversicherungen bei manchen Tarifen die Möglichkeit, eine Police ohne Gesundheitsfragen abzuschließen. Allerdings müssen Versicherte dann mit stärkeren Summenbegrenzungen bei der Erstattung rechnen.

Was passiert, wenn ich bei der PKV meine Vorerkrankungen nicht angebe?
Wer beim Versicherungsantrag Vorerkrankungen verschweigt oder falsch angibt, riskiert eine fristlose Kündigung des Versicherungsvertrags und Rückforderungen von bereits erbrachten Leistungen.

Können auch Vorerkrankungen zur Ablehnung durch PKV führen, die schon viele Jahre zurückliegen?
Wenn Krankheiten in der Vergangenheit immer noch Einfluss auf den heutigen Gesundheitszustand oder das Behandlungsrisiko haben, können diese Vorerkrankungen zu einer Ablehnung durch die PKV führen. Auch hier kann eventuell mit der Versicherung ein Leistungsausschluss vereinbart werden, um dennoch privat krankenversichert zu werden.

Was tun bei einer Ablehnung?
Wird Ihr Versicherungsantrag aufgrund von Vorerkrankungen abgelehnt, können Sie auch bei anderen PKV einen Antrag stellen. Da die Gesundheitsfragen der Versicherungsgesellschaften oftmals in Details abweichen, ist eine Vollversicherung bei anderen PKV noch möglich, auch wenn Sie bereits einmal abgelehnt wurden.
Eine weitere Möglichkeit, dennoch privat krankenversichert zu werden, ist der Leistungsausschluss. Sie verzichten dann auf Leistungen der PKV für einen bestimmten Befund oder eine festgelegte Krankheit.
Besteht weder die Möglichkeit, sich bei einem anderen Anbieter zu versichern oder einen Leistungsausschluss zu vereinbaren, können Sie den Basistarif des Versicherungsunternehmens beantragen. Er kann nicht abgelehnt werden und entspricht in den Leistungen der GKV.

Muss mich meine PKV trotz Vorerkrankungen aufnehmen?
Die PKV ist grundsätzlich nicht zur Aufnahme eines Antragstellers verpflichtet. Einzige Ausnahme ist der Antrag auf einen Basistarif. Ihn darf die PKV in der Regel nicht ablehnen, sofern alle Voraussetzungen dafür erfüllt sind (s. Abschnitt „Basistarif: Aufnahme in die PKV trotz Vorerkrankungen“). Wer sich jedoch weigert, die Gesundheitsfragen für den Antrag auf den Basistarif zu beantworten, kann auch dann abgelehnt werden.

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