Private Krankenversicherung Wechsel 2018-12-03T14:44:16+00:00

Private Krankenversicherung – Wechsel mit Vor- und Nachteilen

Private Krankenversicherung Wechsel
Lesezeit: 16 min

Wer mit seinem Tarif unzufrieden ist, kann die PKV oder seinen Tarif wechseln. Auch gesetzlich Krankenversicherte haben die Möglichkeit, in die PKV einzutreten. Doch wann ergibt es Sinn in die PKV zu wechseln? Welche Bedingungen gibt es für den PKV-Wechsel? Dieser Ratgeber gibt Ihnen alle wichtigen Antworten auf Ihre Fragen und Tipps rund um das Thema „Private Krankenversicherung wechseln“.

Welche Personengruppen können zur Privaten Krankenversicherung wechseln?

Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung ist für viele Verbraucher einfach möglich. Lediglich Angestellte müssen über ein bestimmtes Bruttoeinkommen verfügen, um in die PKV zu wechseln.

  • Beamte: Wer verbeamtet ist, hat einen Anspruch auf Beihilfe. Wird diese genutzt, bleibt nur noch die Absicherung über die PKV. Wer bisher auf Beihilfe verzichtet hat und in der GKV versichert war, kann problemlos in die PKV wechseln.
  • Selbständige: Je besser Selbständige verdienen, desto lohnenswerter kann ein Wechsel in die PKV sein. Denn die Beiträge für die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung orientieren sich am Einkommen. Ein PKV-Tarif kann dann deutlich günstiger sein. Wer sich selbständig macht, kann in die PKV wechseln, muss sich aber innerhalb von drei Monaten nach Anmeldung der Selbständigkeit dazu entscheiden. Wer weiterhin in der GKV bleibt und später in die PKV wechseln möchte, kann dies innerhalb einer Zweimonatsfrist tun.
  • Freiberufler: Wer zur Gruppe der Freiberufler gehört und z.B. als Publizist, Arzt, Rechtsanwalt oder Künstler arbeitet, kann in der Regel einfach zur PKV wechseln. In vielen Fällen erhalten die Versicherten noch einen Zuschuss von der Künstlersozialkasse. Manche Berufsgruppen benötigen vor dem Wechsel jedoch einen Antrag auf Befreiung von der gesetzlichen Versicherungspflicht. Dies gilt es vorab zu klären.
  • Studierende: Wer mit dem Studium beginnt, kann sich innerhalb von drei Monaten nach der Immatrikulation von der Versicherungspflicht befreien lassen und zur PKV wechseln. Studierende profitieren während des Studiums von den Vorteilen einer privaten Vollversicherung zu günstigen Beiträgen. Allerdings muss dieser Schritt gut überlegt sein, denn auch Absolventen bleiben vorerst privat krankenversichert und müssen mit höheren Beiträgen rechnen, sofern sie keine Anstellung finden und in die GKV wechseln können.
  • Angestellte: Wer in einer Anstellung arbeitet, kann in die private Krankenversicherung wechseln, wenn sein Bruttoeinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 59.400 Euro überschreitet (Stand: 2018).

Wer sich für einen freiwilligen Wechsel zur PKV entschließt, sollte diesen Schritt immer gut überlegen, denn eine Rückkehr zur GKV ist in der Regel nicht mehr so einfach möglich. Die Chancen sinken darüber hinaus in höherem Alter auf ein Minimum. Wer sich für die PKV entscheidet, geht damit deshalb meist eine Art „Bund fürs Leben“ ein.

Für wen ist der Wechsel zur PKV sinnvoll?

Ein Wechsel in die PKV ist häufig für junge, gesunde Menschen ohne Kinder mit hohem Einkommen eine sinnvolle Alternative zur GKV. Denn so lassen sich nicht nur die gehaltsabhängigen Beiträge zur freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung reduzieren, sondern Versicherte profitieren in der PKV von umfangreicheren Leistungen.

Lohnenswert ist der Wechsel in die PKV in den meisten Fällen auch für Beamte. Denn sie können ohnehin schon von einer hohen Grundabsicherung über die Beihilfe profitieren. Mit einer PKV im Sinne einer „Beihilfeversicherung“ muss dann „nur“ noch der Kostenbeitrag abgesichert werden, der nicht von der Beihilfe getragen wird. So besteht die Möglichkeit, für vergleichsweise geringe Beiträge eine sehr leistungsstarke private Krankenversicherung abzuschließen. Diese Leistungen könnte eine GKV in der Regel nicht bieten.

GKV-Versicherte mit mehreren Kindern
Wenn Sie Kinder haben, bisher in der gesetzlichen Krankenkasse Mitglied waren und über einen Wechsel in die PKV nachdenken, sollten Sie bedenken, dass Sie dann für jedes Ihrer Kinder eine eigene private Krankenversicherung benötigen. Eine Familienversicherung gibt es in der PKV nicht. Auch wenn die Private Krankenversicherung für Kinder günstiger als die Policen für Erwachsene ist, bedeutet diese Variante deutliche Mehrkosten pro Monat. Prüfen Sie deshalb, ob ein Verbleib in der GKV nicht günstiger für Sie ist.

Mögliche Vorteile und Nachteile eines Wechsels zur PKV

Der Wechsel in die PKV kann Versicherten viele Vorteile bringen. Eventuell ist aber auch mit Nachteilen zu rechnen. Wir haben hier Vor- und Nachteile für Sie übersichtlich gegenübergestellt:

VorteileNachteile
Schnellere Behandlung beim Arzt

Meist geringere Wartezeiten auf Facharzttermine

Individuelle Leistungsanpassung möglich

Geringere Beiträge für gut verdienende Selbständige

Vertragliche Leistungen gelten für die gesamte Laufzeit

Besonders niedrige Beiträge in jungen Jahren
Meist deutlich steigende Tarife im Alter

Wechsel in die GKV später kaum noch möglich

Sehr günstige Tarife bieten oftmals kaum bessere Leistung als GKV

Ist der PKV-Wechsel zu einem anderen Versicherer sinnvoll?

Wer bereits eine private Krankenversicherung in Anspruch nimmt, kann den PKV-Wechsel zu einem anderen Anbieter vornehmen. Ein solcher Versicherungswechsel kann zum Beispiel möglich sein, wenn die Beiträge der bisherigen PKV enorm gestiegen sind oder Versicherte mit den Leistungen sowie dem Service sehr unzufrieden sind. In diesem Fall sollten Versicherte jedoch immer genau prüfen, ob sich ein solcher Wechsel überhaupt lohnt.

Was gegen einen Wechsel des Anbieters spricht:

  • Altersrückstellungen: Die privaten Krankenversicherer sorgen mit sogenannten „Altersrückstellungen“ dafür, dass die Versicherungstarife im Alter nicht unverhältnismäßig hoch ansteigen. Hierfür wird ein Teil der Versicherungsbeiträge zurückbehalten und für das Alter zurückgelegt. Wenn Sie nun die Versicherungsgesellschaft wechseln, verlieren Sie einen Teil dieser Altersrückstellungen. Ein PKV-Wechsel bedeutet in diesem Fall einen finanziellen Verlust. Denn beim neuen Versicherer müssen diese Rückstellungen in Form von höheren Versicherungsbeiträgen erst wieder aufgebaut werden.
  • Gesundheitsprüfung: Wechseln Sie zu einer anderen Versicherung, müssen Sie eine erneute Gesundheitsprüfung durchlaufen. Haben Sie bereits einige Vorerkrankungen oder nicht abgeschlossene Behandlungen, kann die Versicherungsgesellschaft Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse festlegen. Dadurch wird Ihr neuer Tarif entweder teurer oder weniger leistungsfähig. In manchen Fällen können Versicherungsgesellschaften eine Aufnahme auch komplett ablehnen.
  • Höheres Alter: Wenn Sie die PKV wechseln, sind Sie immer älter als zu dem Zeitpunkt, als Sie der PKV beigetreten sind. Aus diesem Grund wird Ihr neuer Tarif in der Regel immer teurer ausfallen als der bisherige.

Achten Sie bei einem Wechsel der PKV darauf, dass Sie bereits eine neue Versicherung abgeschlossen haben, bevor Sie die alte Versicherung kündigen. So vermeiden Sie eine Lücke im Versicherungsschutz, sollte die neue Versicherung Ihren Antrag ablehnen, während Sie den alten Vertrag bereits gekündigt haben.

Wenn Sie aus Kostengründen in einen sehr günstigen Tarif wechseln wollen, sollten Sie berücksichtigen, dass diese „Billig-Tarife“ meist mit deutlichen Preissteigerungen in den Folgejahren oder im Alter verbunden sein können. So arbeiten diese Tarife oftmals mit geringen Altersrückstellungen. Diese vermeintlichen günstigen Anfangskosten können sich dann später rächen.

Altersrückstellungen mitnehmen

Seit 2009 besteht gesetzlich die Möglichkeit, dass PKV-Versicherte ihre Altersrückstellung bei einem Versicherungswechsel „mitnehmen“ können. Allerdings ist diese Möglichkeit immer an bestimmte Voraussetzungen gebunden und nicht immer möglich. Unsere Experten können Ihnen im Rahmen einer PKV-Beratung zu diesem Thema weiterhelfen. Sprechen Sie uns dazu an!

PKV-Versicherte haben ein Recht auf einen Tarifwechsel

In der PKV haben Sie ein gesetzliches Recht zum Tarifwechsel. Es ist in Paragraph 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) festgeschrieben. Sie können demnach bei Ihrem Versicherer jederzeit in einen anderen Tarif wechseln, ohne dass die Versicherungsgesellschaft Gebühren dafür erhebt. Erhöht Ihre PKV die Beiträge, muss Sie sie über Ihr Tarifwechselrecht informieren.

Allerdings ist ein Tarifwechsel zu gleichwertigen Konditionen innerhalb der PKV nicht so einfach. Das gilt insbesondere für kleinere Versicherungen, deren Auswahl an Policen eingeschränkt ist.

Wechsel des PKV-Tarifs ohne Gesundheitsprüfung

Ein großer Vorteil von einem Tarifwechsel im Vergleich zum PKV-Wechsel besteht darin, dass Sie keine erneute Gesundheitsprüfung durchlaufen müssen. Auch die Wartezeit entfällt dabei. Voraussetzung dafür ist, dass Sie in einen Tarif mit gleicher oder geringerer Leistung wechseln.

Haben Sie allerdings vor, einen höherwertigen PKV-Tarif beim gleichen Anbieter in Anspruch zu nehmen, werden Gesundheitsfragen gestellt. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie höhere Leistungen bei Zahnersatz benötigen oder bessere Leistungen bei einem Krankenhausaufenthalt wünschen.

Ergibt die Gesundheitsprüfung Einschränkungen, müssen Sie mit Risikoaufschlägen rechnen. Darüber hinaus kann Ihr Versicherer dann auch eine Wartezeit festlegen.

Beim PKV-Wechsel Kündigungsfristen beachten

Wenn Sie die PKV wechseln, müssen Sie eine Kündigungsfrist beachten. Sie liegt bei drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahres. In der Regel entspricht das Versicherungsjahr bei den meisten Gesellschaften dem Kalenderjahr.

Dies bedeutet, dass Ihre Kündigung zum Beispiel spätestens am 30. September bei der PKV eingegangen sein muss, damit diese zum kommenden Jahr gültig wird. Achten Sie darauf, dass der Versicherungsschutz beim PKV-Wechsel genau mit dem Ende der alten Versicherung beginnt, um eine Versicherungslücke zu vermeiden.

Werden die Beiträge Ihrer PKV erhöht, können Sie von Ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Ihr Versicherungsvertrag kann innerhalb von zwei Monaten gekündigt werden, nachdem Sie die Information über die Preiserhöhung erhalten haben.

Es gibt darüber hinaus noch weitere Möglichkeiten zur außerordentlichen Kündigung:

  • Geringerer Verdienst: Liegt das Einkommen des Versicherten unter der Versicherungspflichtgrenze, kann der Versicherungsvertrag mit der PKV außerordentlich gekündigt werden.
  • Familienversicherung: Erfüllt der Versicherungsnehmer die Voraussetzungen für eine Familienversicherung in der GKV, kann er aus der PKV austreten.
  • Heilfürsorge: Besteht aufgrund eines Berufswechsels Anspruch auf Heilfürsorge, kann der PKV-Vertrag gekündigt werden.

Von der Privaten Krankenversicherung in die GKV wechseln

Der Wechsel von der PKV zur GKV zurück ist meist nicht mehr oder nur unter sehr speziellen Bedingungen möglich.

In den folgenden Fällen können Versicherungsnehmer von der Privaten zur Gesetzlichen Krankenkasse wechseln:

  • Verdienst sinkt unter die Versicherungspflichtgrenze: Liegt der Verdienst eines Angestellten für mindestens ein Jahr unter der Grenze von 59.400 Euro brutto pro Jahr, kann er wieder zur GKV wechseln.
  • Rückkehr ins Angestelltenverhältnis: Selbständige oder Freiberufler, die eine Anstellung aufnehmen, können sich wieder gesetzlich krankenversichern, wenn die Verdienstgrenze unterschritten wird.

Wechsel in die GKV ab 55 Jahren
Wer das 55. Lebensjahr vollendet hat, kann in der Regel nicht mehr in die GKV wechseln, auch wenn er aus der Selbständigkeit in eine Anstellung gewechselt hat oder sein Verdienst unter der Versicherungspflichtgrenze liegt.

Einzige Ausnahmen:

  • Wer bis zur Vollendung des 55. Lebensjahrs fünf Jahre zuvor mindestens für einen Tag versicherungspflichtig war, kann möglicherweise von der PKV in die GKV wechseln.
  • Wer fünf Jahre vor Vollendung des 55. Lebensjahrs weniger als 900 Tage der vorausgegangenen fünf Jahre selbständig oder freiberuflich war, kann möglicherweise zur GKV zurückkehren.

Möglichkeiten zum Wechseln von der PKV in die GKV ab 55 könnten ebenfalls noch bestehen, wenn ein Versicherungsnehmer in die Familienversicherung zurückkehrt, weil er kein Einkommen mehr hat oder wenn ein Versicherungsnehmer aus dem Ausland zurückkehr.

In den meisten Fällen muss von Einzelfall zu Einzelfall unterschieden werden. Wichtig ist, dass sich PKV-Versicherte schon vor Erreichen des 55. Lebensjahr mit dem Thema auseinandersetzen. Gerne können wir Ihnen weiterhelfen. In manchen Fällen kann auch eine günstige Basis-Absicherung in der PKV vor hohen Kosten im Alter schützen.

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