Private Pflegeversicherung Sinnvoll 2018-12-05T09:44:59+00:00

Private Pflegeversicherung –
sinnvoll oder nicht?

Ist eine private Pflegeversicherung sinnvoll
Lesezeit: 14 min

In Deutschland gehört die gesetzliche Pflegeversicherung zu den Pflichtversicherungen. Jeder Versicherungsnehmer, ob privat in der PKV oder gesetzlich in der GKV, muss Beiträge für die Pflegepflichtversicherung bezahlen. Allerdings sind die Leistungen im Falle einer Pflegebedürftigkeit beschränkt. Ob und welche private Pflegeversicherung sinnvoll ist, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Die Möglichkeiten der privaten Pflegeversicherung

Verbraucher haben in Deutschland vier verschiedene Möglichkeiten, um eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen:

  • Pflege-Bahr: Dabei handelt es sich um eine staatlich geförderte Form der Pflegezusatzversicherung. Voraussetzung für die Förderung ist ein monatlicher Mindestbeitrag. Das Ziel dieser privaten Pflegezusatzversicherung ist es, die Versicherten im Pflegefall auf günstige Weise zusätzlich abzusichern.
  • Pflegetagegeldversicherung: Bei dieser Form der Pflegezusatzversicherung erhalten die Versicherten im Leistungsfall ein vereinbartes Tagegeld.
  • Pflegekostenversicherung: Mit dieser Pflegezusatzversicherung werden die konkret anfallenden Pflegekosten ergänzend zur gesetzlichen Pflegeversicherung erstattet. Damit eine Kostenerstattung erfolgen kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.
  • Pflegerentenversicherung: Diese Variante der privaten Pflegezusatzversicherung sieht vor, dass ein pflegebedürftiger Versicherter eine fest vereinbarte monatliche Rente erhält. Die Versicherungsleistung ist unabhängig davon, ob die Person privat oder durch professionelle Pflegekräfte gepflegt wird.

Übersicht: Pflegeversicherungen und Leistungen
Um zu wissen, für wen welche Art der privaten Pflegezusatzversicherung sinnvoll ist, erhalten Sie hier eine Übersicht über die Arten der Versicherungen mit den jeweiligen Leistungen:

 PflegetagegeldversicherungPflege-BahrPflegerentePflegekosten-Versicherung
Wann werden Beiträge gezahlt?laufendlaufendabhängig von Vertragsmodelllaufend
Beitragsbefreiungmöglich, aber meist vom Pflegegrad abhängignicht möglichim Leistungsfall jamöglich, aber meist vom Pflegegrad abhängig
Beitragsdynamikmöglichmöglichmöglichmöglich
frei verfügbare Leistungenjajajanein
unabhängig Leistungen von der gesetzlichen Pflegeversicherungjajaneinja
Leistungen abhängig vom Pflegegradjajaneinnein, bei Restkostentarifen
Kostennachweis
notwendig
neinneinneinja
empfohlenes Eintrittsalter bei Versicherungsabschluss30 Jahre
Höchstalter bei
Eintritt
zwischen 65 und 75 Jahren65 Jahrezwischen 50 und 65 Jahren
staatlicher Zuschussnein5 Euro pro Monatneinnein
Versicherer kann Antrag ablehnenjaneinjaja
maximale Wartezeit nach Vertragsbeginnim Durchschnitt 3 Jahre5 Jahre3 Jahre3 Jahre

Für diese Personengruppen ergibt eine private Pflegeversicherung Sinn

Wer zum Pflegefall wird, kann zunächst abhängig vom Pflegegrad Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung beziehen. Alle Kosten, die über diese Leistungen hinausgehen, müssen die Betroffenen selbst übernehmen, sofern keine private Pflegezusatzversicherung vorhanden ist.

Um die Kosten für die Pflege zu begleichen, werden alle Einkünfte sowie das Vermögen der Pflegebedürftigen herangezogen. Reichen Rente oder Ersparnisse nicht aus, können die Sozialämter auch von Angehörigen die Übernahme der Kosten einfordern. So kann die Pflegebedürftigkeit der Eltern für deren Kinder eine hohe finanzielle Belastung darstellen, wenn die Eltern die Pflegekosten nicht allein bestreiten können.

  • für Angehörige: Eine Pflegezusatzversicherung ist nicht nur für die Pflegebedürftigen selbst sinnvoll, sondern auch für deren Angehörige. Sie sind im Fall einer Pflegebedürftigkeit selbst finanziell abgesichert, wenn die private Zusatzversicherung die Kosten trägt.
  • Menschen ab 40: Die Gefahr, pflegebedürftig zu werden, steigt mit zunehmendem Lebensalter. Da die gesetzliche Pflegeversicherung in den seltensten Fällen ausreicht, um alle Pflegekosten zu decken, ist es spätestens ab 40 Zeit, sich um eine private Zusatzversicherung zu kümmern.
  • Senioren: Gerade im Seniorenalter steigt das Risiko einer Pflegebedürftigkeit enorm. Viele Versicherer nehmen auch Senioren noch auf. Sie müssen allerdings mit höheren Beiträgen rechnen. In diesem Fall kann Pflege-Bahr sinnvoll sein, da die Versicherung jeden Antragsteller aufnehmen muss.

Für junge Menschen bis 40:
Wer bei Versicherungen Prioritäten setzen möchte, sollte sich in dieser Lebensphase primär um die Absicherung seiner Berufsunfähigkeit kümmern. Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte noch vor dem Abschluss einer Pflegezusatzversicherung erfolgen.

Grundsätzlich ist eine private Pflegezusatzversicherung sinnvoll, wenn Versicherte im Alter auf Pflege angewiesen sind und frei entscheiden wollen, wo und von wem sie gepflegt werden wollen. Je besser die private Absicherung ist, desto umfangreichere Möglichkeiten stehen im Pflegefall zur Auswahl. Wichtig ist, dass Sie vor dem Abschluss einer privaten Pflegeversicherung genau darauf achten, welche Wünsche Sie damit verbinden. Wollen Sie später überwiegend ambulant in Ihren eigenen vier Wänden gepflegt werden, sollten Sie vor allem auf diese Bausteine achten.

Verfügen Sie über eine hohe Altersvorsorge und Vermögenswerte, können Sie sich überlegen, ob Sie eine private Pflegezusatzversicherung abschließen möchten. Allerdings sollten Sie dabei berücksichtigen, dass Pflegekosten sehr schnell sehr hoch ausfallen können. Selbst eine hohe Rücklage kann in wenigen Jahren aufgebraucht werden. Eine Zusatzversicherung minimiert dieses Risiko.

Es kann für Kinder sinnvoll sein, ihre Eltern mit einer privaten Pflegezusatzversicherung auszustatten. So können die Kinder die Versicherungskosten übernehmen, wenn die Eltern finanziell nicht (mehr) dazu in der Lage sind. Dann sind Eltern und Kinder im Fall einer Pflegebedürftigkeit abgesichert.

Pflegekosten-Beispiel: Darum ist eine private Pflegeversicherung sinnvoll

Wer pflegebedürftig ist und in den Pflegegrad 5 eingestuft wird, erhält 2.005 Euro pro Monat. Auf den ersten Blick hört sich das nach viel Geld an. Allerdings relativiert sich diese Summe schnell, wenn man die tatsächlichen Kosten von Pflegeheimen berücksichtigt.
So kann ein Pflegeplatz in einer professionellen Einrichtung 3.500 Euro und mehr jeden Monat kosten. Die Differenz zu den gesetzlichen Leistungen im höchsten Pflegegrad beträgt dann 1.500 Euro.

Diese Summe müssten die betroffenen Pflegebedürftigen schließlich selbst bezahlen. Wenn in diesem Fall die Rente oder andere Einkünfte nicht ausreichen, müssen entweder Angehörige oder das Sozialamt bezahlen. Eine private Pflegeversicherung kann die Selbstkosten dabei deutlich reduzieren.

Was leistet die gesetzliche Pflegeversicherung?

Die gesetzliche Pflegeversicherung leistet abhängig von der Höhe des sogenannten Pflegegrades. Der Pflegegrad bestimmt, in welchem Umfang die betroffenen Personen noch selbst alltägliche Dinge hinsichtlich ihres körperlichen und psychischen Zustands verrichten können und in welchem Maß sie dabei auf Hilfe angewiesen sind.

Pflegegradmaximale finanzielle Leistung monatlich
1125 Euro
2770 Euro
31.262 Euro
41.775 Euro
52.005 Euro

Grundsätzlich handelt es sich bei der gesetzlichen Pflegeversicherung „nur“ um eine Art Teilkaskoschutz, der nur für einen Teil der tatsächlich entstehenden Pflegekosten aufkommen kann. In der Regel ist eine zusätzliche Absicherung mit einer privaten Pflegeversicherung immer sinnvoll, um eine mögliche Finanzierungslücke zu schließen.

Pflegeversicherung für Kinder – ist sie sinnvoll?

Grundsätzlich ist eine Pflegeversicherung für Kinder sinnvoll. Beim Nachwuchs steht dabei nicht die altersbedingte Pflegebedürftigkeit im Fokus, sondern die Gefahr, dass Kinder in der Folge einer Verletzung oder eines Unfalls auf Pflege angewiesen sind.

Wer sich für eine private Pflegezusatzversicherung für sein Kind entscheidet, sollte am besten schon frühzeitig daran denken. Dies gilt umso mehr, weil Kinder auch mit einer Behinderung oder Erkrankung geboren werden können. Für diese Kinder wäre es unmöglich, aufgrund der Vorerkrankungen die für die private Pflegeversicherung erforderliche Gesundheitsprüfung zu bestehen.

Eine sinnvolle Lösung ist es deshalb für die Eltern, schon bei vorhandenem Kinderwunsch eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen. In diesem Fall können die Versicherten ihre Kinder später über die „Kindernachversicherung“ absichern.
Wird das Neugeborene innerhalb eines Zeitraums von zwei Monaten nach der Geburt auf diese Weise privat pflegeversichert, entfällt die sonst obligatorische Gesundheitsprüfung.

Zusammengefasst: Wenn Sie als Paar Kinder planen, sollten Sie sich frühzeitig um eine private Pflegezusatzversicherung kümmern, wenn Sie Ihre Kinder ohne Gesundheitsprüfung ebenfalls mit einer Pflegezusatzpolice ausstatten wollen.
Unsere Experten helfen Ihnen gerne beim Pflegeversicherungsvergleich weiter. Nehmen Sie dazu einfach Kontakt zu uns auf!

Wie wahrscheinlich ist eine Pflegebedürftigkeit?

Wer heute noch jung und gesund ist, rechnet kaum damit, dass er eines Tages pflegebedürftig werden könnte. Die Statistik spricht jedoch eine sehr deutliche Sprache. So gehen Experten davon aus, dass jeder zweite Mann und jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig werden. Das Risiko der Pflegebedürftigkeit steigt mit dem Lebensalter. Ab 80 Jahren erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, auf Pflege angewiesen zu sein, deutlich.

Vor diesem Hintergrund dürfte die Frage, ob eine private Pflegeversicherung sinnvoll ist, schnell beantwortet sein.

Jetzt individuell beraten lassen!

Mehr erfahren

War dieser Artikel Hilfreich? NienJa