Private Pflegezusatzversicherung – wirklich sinnvoll oder nicht?

Wer in Deutschland pflegebedürftig wird, erhält abhängig vom Pflegegrad ein staatliches Pflegegeld. Dafür sorgt die Pflegepflichtversicherung, in die jeder privat oder gesetzlich Versicherte einzahlen muss. Für Verbraucher besteht die Möglichkeit, sich mit einer Zusatzversicherung bei Pflegebedürftigkeit extra abzusichern. Die Frage, ob eine private Pflegezusatzversicherung wirklich sinnvoll ist, lässt sich mit einem pauschalen „Ja“ beantworten. Allerdings solltest du immer individuell prüfen, in welchem Umfang eine solche Versicherung für dich Sinn ergibt.

Die staatliche Pflegerente reicht im Pflegefall nicht zur Kostendeckung aus

Pflege kostet Geld. Je nach Umfang der Pflegebedürftigkeit können bei Pflegegrad 5 monatlich schnell Kosten von über 3.500 Euro zusammenkommen. Das staatliche Pflegegeld sieht hingegen im Pflegegrad 5 bei stationärer Pflege lediglich einen Zuschuss von 2.005 Euro vor. Somit bliebe für die Betroffenen eine Differenz von knapp 1.500 Euro übrig, die diese selbst tragen müssten.

Die folgende Übersicht zeigt, welche Kosten der Staat bei Pflegebedürftigkeit trägt. Daraus wird schnell ersichtlich, dass bereits in unteren Pflegegraden eine enorme Versorgungslücke besteht.

 häusliche Pflegeambulante PflegeVollstationäre Pflege in einer Pflegeeinrichtung
Pflege durch AngehörigePflege durch professionellen Pflegedienst
Pflegegrad 1bis zu 125 € Entlastungsbetragbis zu 125 € Entlastungsbetrag125 €
Pflegegrad 2316 € + bis zu 125 € Entlastungsbetrag689 € + bis zu 125 € Entlastungsbetrag770 €
Pflegegrad 3545 € + bis zu 125 € Entlastungsbetrag1.298 € + bis zu 125 € Entlastungsbetrag1.262 €
Pflegegrad 4728 € + bis zu 125 € Entlastungsbetrag1.612 € + bis zu 125 € Entlastungsbetrag1.775 €
Pflegegrad 5901 € + bis zu 125 € Entlastungsbetrag1.995 € + bis zu 125 € Entlastungsbetrag2.005 €

Somit wird schnell ersichtlich, dass eine private Pflegeversicherung theoretisch für jeden sinnvoll ist. Denn sie kann immer einen wichtigen Zuschuss leisten, um die finanzielle Lücke zu den staatlichen Leistungen zu verringern oder sogar ganz zu schließen.

Für wen eine Pflegezusatzversicherung nicht unbedingt notwendig ist

Wer über hohes Vermögen verfügt oder aus einer Rente hohe Bezüge erhält, benötigt nicht zwingend eine private Pflegezusatzversicherung. Wichtig ist, dass die Zahlung der Differenz zu den staatlichen Zuschüssen auch wirklich erfolgen kann.

Prüfe selbst, ob dein Vermögen für eine Pflege im Pflegegrad 5 ausreicht! Du müsstest bei Bedarf in der Lage sein, durch Rentenbezug zum Beispiel bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit oder durch den Bezug von Altersrente, mindestens 1.500 Euro zu bezahlen. Allerdings wären dann nur die Pflegekosten gedeckt, nicht aber mögliche Kosten, die darüber hinausgehen.

Hochgerechnet auf ein Jahr würdest du als Pflegefall mit Pflegegrad 5 für eine stationäre Einrichtung rund 18.000 Euro benötigen. Solltest du früh pflegebedürftig werden und die Pflege müsste über 30 Jahre aufrechterhalten werden, würdest du 540.000 Euro an Vermögen benötigen, um die Pflegekosten zu bezahlen. Selbst bei einer „nur“ zehn Jahre dauernden aufwändigen Pflege im Pflegegrad 5 müsste dein  Vermögen rund 180.000 Euro umfassen. Somit wäre eine Pflegezusatzversicherung vermutlich nur für diejenigen nicht sinnvoll, die über Immobilien oder ähnliche Vermögenswerte verfügen, mit welchen die Kosten gedeckt werden könnten.

Doch hier beginnt noch eine weitere Überlegung: Wer Kinder hat, möchte diesen sicherlich auch etwas hinterlassen. Ohne Pflegezusatzversicherung könnte das Erbe dann schnell dahinschmelzen. Für die Nachkommen wäre dann kaum noch etwas übrig.

Wonach richtet sich die Leistung der privaten Pflegezusatzversicherung?

Eine sinnvolle Zusatzpflegeversicherung sollte sich immer an den ermittelten Pflegegraden des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) oder der Medicproof GmbH orientieren. So ist sichergestellt, dass die private Zusatzabsicherung die nötigen Leistungen als Ergänzung zum Pflegegeld erbringt.

Ohne diese Verknüpfung könnte die private Zusatzversicherung eigene Gutachter schicken, die in manchen Fällen zu anderen Ergebnissen kommen könnten. Die Folge wären unnötige Streitereien um Leistungsansprüche.

5 Argumente, warum eine Pflegezusatzversicherung wirklich sinnvoll ist

  • Du schonst das Erbe deiner Kinder: Abgesichert mit einer Pflegezusatzversicherung musst du das eigene Vermögen nicht für das Begleichen der Pflegekosten nutzen. Somit sorgst du dafür, dass das Erbe für Ihre Nachkommen bewahrt bleibt.
  • Du schonst die Finanzen deiner Kinder: Unterhaltspflichtige Angehörige können herangezogen werden, wenn deine eigenen Einkünfte nicht zum Begleichen der Pflegekosten ausreichen. Mit einer Pflegezusatzversicherung verhinderst du, dass zum Beispiel deine Kinder für deine Pflege mitbezahlen müssen.
  • Du hast maximale Freiheit bei der Wahl der Pflegeeinrichtung und Art der Pflege: Mit dem staatlichen Pflegegeld und eigenen Zuschüssen bist du in der Regel auf bestimmte Einrichtungen angewiesen. Dank Pflegezusatzversicherung profitierst du von maximaler Freiheit bei der Wahl der Pflegeeinrichtung und kannst dir die Pflege leisten, die du dir wünschst.
  • Du bist nicht auf das Sozialamt angewiesen: Mit einer Pflegezusatzversicherung vermeidest du die Gefahr, Gelder vom Sozialamt beantragen zu müssen, wenn dein Vermögen oder Einkommen nicht mehr ausreicht, um die Pflegekosten zu begleichen.
  • Du erleichterst deinem Partner oder deiner Partnerin den Alltag: Eine Pflegezusatzversicherung kann finanzielle Sorgen im Falle einer Pflegebedürftigkeit verringern. Auf diese Weise trägst du auch dazu bei, dass sich deine Partnerin oder dein Partner besser auf den Alltag konzentrieren kann.

Möchtest du mehr über den Nutzen einer privaten Pflegezusatzversicherung wissen? Dann beraten wir dich gerne. Ruf uns an und vereinbare einen unverbindlichen Beratungstermin.

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