Private Pflegeversicherung Zuschuss 2018-12-05T11:57:48+00:00

Private Pflegezusatzversicherung: Ist ein Zuschuss möglich?

Private Pflegeversicherung Zuschuss
Lesezeit: 13 min

Die private Zusatzpflegeversicherung kann eine mögliche Finanzierungslücke im Pflegefall ausgleichen oder schließen. Mit dem sogenannten „Pflege-Bahr“-Tarif erhalten Versicherte die Möglichkeit, für die private Pflegezusatzversicherung einen Zuschuss zu erhalten. Wer diese Zuschüsse bekommen kann und für wen sich diese Tarife lohnen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist der Pflege-Bahr?

Die Bundesregierung hat am 29. Juni 2012 das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) beschlossen. Im Rahmen dieses Gesetzes wurde eine staatlich geförderte Form der Pflegezusatzversicherung eingeführt, ähnlich wie die staatlich geförderten „Riester-Verträge“ zur Altersvorsorge.

Die private Pflegeversicherung mit staatlichem Zuschuss wird heute meist „Pflege-Bahr“ genannt. Den Namen erhielten diese Policen, weil sie auf die Initiative des damaligen Gesundheitsministers Daniel Bahr zurückgehen. Manche bezeichneten die staatlich geförderten Pflegezusatzversicherungen auch als „Pflege-Riester“.

Ziel der Pflegezusatzversicherung mit Zuschuss

Die Bundesregierung hat schon im Jahr 2013 knapp 90 Millionen Euro für die Förderung der privaten Pflegezusatzversicherung vorgesehen. Mit dieser Summe sollte es rund 1,5 Millionen Menschen ermöglicht werden, den staatlichen Zuschuss zu erhalten. Auf diese Weise wollte die Bundesregierung die private Pflegevorsorge stärken und zu einer besseren sozialen Absicherung sorgen.

Im Jahr 2018 soll es rund 800.000 Bundesbürger geben, die Pflege-Bahr in Anspruch nehmen.

Wie hoch ist der staatliche Zuschuss bei Pflege-Bahr-Tarifen?

Die staatliche Förderung bei speziellen Pflegetagegeldversicherungen beträgt 5 Euro pro Monat seit dem Jahr 2013. Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Versicherten mindestens zehn Euro monatlich in die Pflegezusatzversicherung einzahlen. Darüber hinaus gelten noch weitere Voraussetzungen, damit eine Förderung möglich ist.

Wer kann eine Pflege-Bahr-Zusatzversicherung abschließen?

Grundsätzlich haben Sie bei der privaten Pflegezusatzversicherung immer ein ordentliches Kündigungsrecht. Dadurch können Sie mit einer Frist von drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahres kündigen.

Erhöht Ihre Versicherungsgesellschaft jedoch die Preise, haben Sie ein außerordentliches Kündigungsrecht. Die Kündigungsfrist beträgt dann einen Monat ab Erhalt der Information über die Beitragserhöhung und wird wirksam zu dem Zeitpunkt , ab dem die höhere Prämie zu bezahlen wäre.

Lohnt sich ein Versicherungswechsel bei einer Beitragserhöhung?

Die private Pflegezusatzversicherung mit staatlichem Zuschuss können Sie abschließen, wenn

  • Sie mindestens 18 Jahre alt sind.
  • Sie in der gesetzlichen oder privaten Pflegepflichtversicherung abgesichert sind.

Was ist noch besonders an Pflege-Bahr?

Für die staatlich bezuschusste Pflegezusatzversicherung dürfen weder Ausschlusskriterien noch Risikozuschläge von den Versicherungsgesellschaften festgelegt werden. Darüber hinaus müssen die Leistungen der Pflegezusatzversicherungen den Geldleistungen entsprechen, die auch das staatliche Pflegegeld bieten.

Bestandteile des Versicherungsvertrags können über die Basisleistungen hinausgehen, werden aber nicht gefördert.
Grundsätzlich sind Pflege-Bahr-Tarife demnach vergleichbar mit gängigen privaten Pflegetagegeldversicherungen, denn es handelt sich um Policen, die nach dem Risikoprinzip arbeiten und nicht nach dem Solidarprinzip wie die gesetzliche Pflegepflichtversicherung.

Geförderte Pflegetagegeldversicherungen orientieren sich im Leistungsfall an den ermittelten Pflegegraden und verlangen zur Zahlung des Pflegetagegelds keine zusätzlichen Kostennachweise.

Weitere Voraussetzungen für die staatliche Förderung der Pflegezusatzversicherung sind:

  • Wartezeit von maximal fünf Jahren
  • mindestens 600 Euro Leistung bei Pflegegrad 5

Minderjährige Personen oder Antragsteller, die schon pflegebedürftig sind, können die Pflege-Bahr-Tarife nicht abschließen.

Das müssen Versicherte tun, um den staatlichen Zuschuss zur Pflegezusatzversicherung zu erhalten

Die staatliche Zulage für die Pflegezusatzversicherung muss vom Versicherungsnehmer beantragt werfen. Den entsprechenden Antrag erhalten Sie von Ihrem Versicherer und können ihn dort einreichen. Der Zuschuss wird dann durch die zentrale Stelle der deutschen Rentenversicherung Bund an die Versicherer gezahlt, welche die Zuschüsse an die Versicherten weitergeben.

Pflege-Bahr bei ALG II und Grundsicherung

Wer eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung nutzt und Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung bezieht, kann den Vertrag bis zu drei Jahre ruhen lassen. Möglich ist außerdem eine Vertragskündigung innerhalb von drei Monaten nach Beginn des Bezugs von ALG II.

Wer kann von den staatlich bezuschussten Pflegezusatzversicherungen profitieren?

Da es sich bei Pflege-Bahr um eine private Pflegezusatzversicherung ohne Gesundheitsprüfung handelt, ist diese Police insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen geeignet. Wer zum Beispiel an schweren Krankheiten wie Krebs, AIDS, Multipler Sklerose oder Diabetes leidet, erhält in der Regel keine gängige private Krankenzusatzversicherung. Bei einem Pflege-Bahr-Tarif sind die Versicherungsgesellschaften verpflichtet, die Antragsteller auch ohne Gesundheitsprüfung aufzunehmen.

Darüber hinaus entfällt bei Pflege-Bahr das Höchstalter für die Aufnahme in die Versicherung. Somit eignet sich diese besondere Police auch für ältere Versicherungsnehmer.

Kritik an den staatlich geförderten Pflegezusatzversicherungen

Versicherungsexperten kritisieren, dass die geförderten Pflege-Bahr-Tarife die bestehende Finanzierungslücke zum staatlichen Pflegegeld nicht ausgleichen können. Auch die Stiftung Warentest, die mit Finanztest verschiedene Pflegezusatzversicherung getestet hat, kam in einem Beitrag aus 2013 zu dem Schluss, dass geförderte Tarife allein nichts bringen.

Wer sich somit für den Pflegefall ausreichend absichern möchte, benötigt einen umfassenderen Schutz als allein eine Pflege-Bahr-Zusatzversicherung.

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