Rechtsschutzversicherung: Kosten und Kostenübernahme

Eine Rechtsschutzversicherung kann dich vor einer hohen finanziellen Belastung bei Rechtsstreitigkeiten oder außergerichtlichen Auseinandersetzungen bewahren. Doch wie viel kostet der Rechtsschutz überhaupt? Und welche Kosten übernimmt die Rechtsschutzversicherung? Hier haben wir alle wichtigen Informationen rund um das Thema „Rechtsschutzversicherung Kosten“ für dich zusammengestellt.

Welche Leistungen sind mit den Kosten für die Rechtsschutzversicherung abgedeckt?

Wenn du eine Rechtsschutzversicherung in Anspruch nimmst, kann sie folgende Kosten übernehmen:

  • Anwaltskosten: Dabei handelt sich um Anwaltshonorare, die du an deinen Anwalt für seine Leistungen bezahlen musst. Nach der Deckungszusage trägt die Rechtsschutzversicherung dessen Kosten abzüglich einer möglichen Selbstbeteiligung.
  • Gerichtskosten: Kommt dein Streitfall vor Gericht, übernimmt der Rechtsschutz die Kosten, die für die Verhandlung anfallen.
  • Zeugengelder: Müssen Zeugen im Gerichtsverfahren eine Aufwandsentschädigung erhalten, kann die Rechtsschutzversicherung diese übernehmen.
  • Honorare für Gutachter und Sachverständige: In Gerichtsverfahren kann der Richter Belege für deine Position fordern. Hierfür müssen häufig Gutachter oder Sachverständige eingesetzt werden. Je nach Umfang der Gutachten können schnell vierstellige Beträge anfallen. Der Rechtsschutz trägt diese Kosten für dich.
  • Kosten für Gegner der juristischen Auseinandersetzung: Solltest du deinen Prozess verlieren, musst du die gesamten Gerichtskosten tragen, also meist auch den Anteil deines Gegners. Deine Versicherung kann dich hier vor hohen Kosten schützen.
  • Kosten für Gerichtsvollzieher: Nutzt du zum Beispiel deine Firmenrechtsschutzversicherung, um gegen einen säumigen Kunden zu klagen, bezahlt deine Versicherung den Gerichtsvollzieher.
  • Kautionen bei Strafsachen: Wird bei einem Strafprozess eine Kaution erhoben, kann die Versicherung diese stellen.
  • Kosten für Übersetzer: Handelt es sich um einen Rechtsstreit im Ausland und hat die Versicherung eine Deckungszusage gegeben, übernimmt sie auch die Kosten für die Übersetzung von notwendigen Dokumenten.
  • Kosten für Mediation: Wenn für die außergerichtliche Einigung Anwälte eingeschaltet werden, bezahlt die Rechtsschutzversicherung auch deren Kosten.
  • Kosten für anwaltliche Beratung: Viele Rechtsschutzversicherer bieten ihren Versicherten eine telefonische anwaltliche Beratung an. Die Hotline ist in der Regel kostenlos, da die Versicherer diese Kosten übernehmen.

Welche Gebühren, Honorare oder andere Beträge von deinem Versicherer bezahlt werden, hängt vom Leistungsumfang und der Art deiner Rechtsschutzpolice ab.

Leistungsausschlüsse beachten

Rechtsschutzversicherungen übernehmen nie die komplette Deckung für alle Arten von rechtlichen Auseinandersetzungen. Wichtig ist deshalb, dass du im Schadensfall genau auf Leistungsausschlüsse achtest. Welche Leistungen deine Versicherungsgesellschaft vertraglich ausschließt, ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Zu den gängigen Leistungsausschlüssen gehören:

  • Straftaten mit Vorsatz
  • Rechtsstreitigkeiten mit der eigenen Rechtsschutzversicherung
  • Klageprozesse in höchster Instanz, zum Beispiel vor dem Verfassungsgericht
  • Klagen bei Baumaßnahmen
  • Klagen im Bereich Urheber- oder Markenrecht
  • Rechtsstreit im Zusammenhang mit dem eigenen Gewerbe

Kosten für die Rechtsschutzversicherung kalkulieren

Wie teuer eine Rechtsschutzversicherung ist, hängt vom Anbieter, den gewählten Bausteinen sowie der gewählten Selbstbeteiligung ab.

Günstige Pauschaltarife für Privatpersonen gibt es schon für weniger als 20 Euro pro Monat. Einzelne Bausteine können schon für weniger als 10 Euro pro Monat genutzt werden. Allerdings ist an dieser Stelle keine pauschale Aussage zu den tatsächlichen Kosten für Ihren Rechtsschutz möglich.

Nutze deshalb am besten das Knowhow unserer Versicherungsexperten. Diese finden für dich durch einen ausführlichen Rechtsschutzversicherungs-Vergleich die beste Police, die mit Preis und Leistung zu deinen Anforderungen passt.

So kannst du die Kosten für die Rechtsschutzversicherung senken

  • Vergleiche verschiedene Versicherungsanbieter: Allein durch den Rechtsschutzversicherungs-Vergleich findest du den günstigsten Tarif bei gleicher Leistung.
  • Erhöhe die Selbstbeteiligung: Indem du die Selbstbeteiligung anhebst, kannst du die Höhe der monatlichen oder jährlichen Versicherungsprämie senken. Eine Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbehalt ist immer die teuerste Variante.
  • Verzichte auf nicht benötigte Leistungsbausteine: Prüfe, ob der gewählte Versicherungsschutz auch wirklich zu deinem Bedarf passt. Eventuell kannst du Kosten sparen, wenn du nicht benötigte Bausteine kündigst oder gar nicht erst auswählst.
  • Nutze Familientarife: Rechtsschutzversicherungen kannst du für die ganze Familie abschließen. Damit sind alle Familienmitglieder mit nur einem Beitrag geschützt. Im Vergleich zu einzelnen Policen für jedes Familienmitglied kannst du Kosten sparen.
  • Nutze Kombitarife: Wenn du bei einem Versicherer mehrere Rechtsschutzversicherungen kombinierst, kannst du die Kosten im Vergleich zu einzelnen Rechtsschutzversicherungen senken.

Kostenentwicklung der Rechtsschutzversicherung in den letzten Jahren

Trotz kontinuierlich steigender Zahl an Policen haben sich die Kosten für Rechtsschutz nach oben entwickelt. Dafür gibt es verschiedene Begründungen. Zum einen haben sich in den letzten Jahren die Anwaltshonorare erhöht und zum anderen sind die Gerichtskosten bei Schadensfällen gestiegen. Diese höheren Ausgaben müssen die Versicherungsgesellschaften mit höheren Prämien kompensieren, um weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können. Einen möglichen Grund für den Anstieg der Rechtsschutzkosten sehen Experten auch im VW-Abgasskandal, da viele Kunden des Wolfsburger Autokonzerns klagen und für die Deckung der Anwalts- und Gerichtskosten ihren Rechtsschutz bemühen.

Kostenübernahme erst nach Deckungszusage
Damit deine Rechtsschutzversicherung deine Gerichts- oder Anwaltskosten übernehmen kann, benötigst du unbedingt eine Deckungszusage. Erst wenn der Versicherer zugesagt hat, dass er die Kosten für deinen Fall übernehmen wird, solltest du dir einen Rechtsbeistand suchen.

Bevor die Versicherungsgesellschaft eine Deckungszusage gibt, wird dein Anliegen geprüft. Dabei greifen folgende Aspekte:

  • Handelt es sich um einen Sachverhalt, der überhaupt von den versicherten Rechtsgebieten deines Rechtsschutzes abgedeckt wird? So kann eine Deckungszusage zum Beispiel abgelehnt werden, wenn du ein arbeitsrechtliches Problem hast, deine Police den Baustein „Berufsrechtsschutz“ aber nicht enthält.
  • Betrifft dein Fall einen Leistungs- bzw. Risikoausschluss? In diesem Artikel haben wir bereits einige Fälle gezeigt, in welchen die Versicherer Deckungsanfragen ablehnen können.
  • Bist du noch in der Wartezeit? Solange die Wartezeit deiner Rechtsschutzversicherung noch nicht vorbei ist, wird in den meisten Fällen keine Versicherung eine Deckungszusage geben. Eine Ausnahme bildet dabei der Verkehrsrechtsschutz, wo es in der Regel eine Sofortdeckung nach Vertragsabschluss gibt.
  • Besteht in deinem Fall Aussicht auf Erfolg? Da Versicherungsgesellschaften die Deckung bei einer Zusage garantieren müssen und diese nicht mehr zurückziehen können, wird im Vorfeld eingeschätzt, wie gut die Erfolgsaussichten sind. Sollte die Versicherung zu dem Schluss kommen, dass keine Aussicht auf Erfolg besteht, kann sie die Deckungszusage in begründeter Form ablehnen.

FAQ: Rechtsschutzversicherung und Kosten

Was muss in einem Schreiben an die Rechtsschutzversicherung zur Kostenübernahme stehen?
In der Regel musst du das Schreiben für die Deckungszusage bei anwaltlicher Unterstützung nicht selbst aufsetzen. So kannst du zum Beispiel die in den meisten Verträgen kostenlose Erstberatung nutzen. Dann kann dein Anwalt der Versicherung den Fall in einem Schreiben kurz skizzieren und damit um Deckungszusage bitten. Das Schreiben sollte neben dieser Skizzierung auch deine Versicherungsnummer sowie deinen Namen und deine Anschrift enthalten.

Was kann ich tun, wenn meine Rechtsschutzversicherung Kosten nicht übernimmt?
Übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Kosten nicht, musst du diese aus eigener Tasche bezahlen. Solltest du Arbeitslosengeld II beziehen oder sonst mittellos sein, gibt es die Möglichkeit, sich einen Beratungshilfeschein beim zuständigen Amtsgericht deines Wohnsitzes zu holen. Für die Bescheinigung ist lediglich eine Gebühr von 10 Euro fällig. Im Rahmen der Beratungshilfe können lediglich Kosten für die außergerichtliche Regelung von Streitfällen übernommen werden.

Übernimmt die Rechtsschutzversicherung Kosten bei einem verlorenen Prozess?
Solange du als Versicherter eine Deckungszusage für deinen Rechtsstreit erhalten hast, wird die Rechtsschutzversicherung auch bei einem verlorenen Prozess die Kosten übernehmen.

Wann übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Anwaltskosten?
Die Anwaltskosten werden übernommen, sobald eine Deckungszusage vorliegt und dein Fall nicht bestimmte Risikoausschlüsse betrifft.

Was kann ich tun, wenn die Versicherung eine Deckungszusage für die Kostenübernahme ablehnt?
Wenn eine Versicherungsgesellschaft eine Deckungsanfrage ablehnt, kannst du zunächst eine genaue Erläuterung der Gründe anfordern. Sollte die Versicherung im Gespräch weiterhin bei der Ablehnung bleiben, gibt es abhängig vom Vertrag die Möglichkeit des Stichentscheids. In diesem Fall prüft ein Anwalt deinen Fall und begründet, warum er möglicherweise Erfolgsaussichten in deinem Rechtsstreit sieht oder nicht. Ist ein Stichentscheid gefallen, musst du oder dein Versicherer sich an die Entscheidung halten.
Eine weitere Möglichkeit ist ein Schiedsgutachten, das von einem Gutachter der Rechtsanwaltskammer erstellt wird. Bestätigt der Gutachter die Ablehnung der Versicherung, musst du die Kosten für das Gutachten tragen. Ist die Ablehnung der Deckungszusage laut Urteil des Gutachters nicht gerechtfertigt, muss die Versicherung dir eine Deckungszusage geben und die Gutachterkosten tragen.
Eine dritte Möglichkeit des Widerspruchs gibt es mit dem Versicherungsombudsmann. Er prüft die Ablehnung der Deckungszusage. Sieht er diese als ungerechtfertigt an, muss die Versicherung deinen Fall bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro übernehmen.

Jetzt individuell beraten lassen!

Mehr erfahren

War dieser Artikel hilfreich? NienJa