Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit – nur in begrenztem Umfang möglich

Viele Verbraucher suchen nach einer Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit. Damit wünschen sie sich, dass die Police sofort nach Vertragsabschluss genutzt werden kann. Allerdings gibt es keinen Rechtsschutz, der komplett ohne Wartezeit angeboten wird. In welchen Ausnahmen du dennoch Leistungen ohne zu warten in Anspruch nehmen kannst, erfährst du in diesem Ratgeber.

Gibt es bei jeder Rechtsschutzversicherung eine Wartezeit?

Die Wartezeit gehört bei der Rechtsschutzversicherung zum Standard. Abhängig von Tarif und Versicherungsgesellschaft musst du meist drei Monate warten, bis du die volle Deckung für deine vertraglichen Leistungen bekommst. Manche Versicherer bieten auch Tarife mit längerer Wartezeit an. Prüfe am besten vor Vertragsabschluss, wie lang diese Zeitspanne dauert.

Warum die Wartezeit einer Rechtsschutzversicherung Sinn ergibt

Sicherlich wünscht sich jeder Versicherungsnehmer eine Police, die sofort umfassende Leistungen bietet. Gerade im Vorfeld rechtlicher Auseinandersetzungen gibt es den Betroffenen ein gutes Gefühl, wenn sie wissen, dass sie hinsichtlich Anwalts- oder Gerichtskosten abgesichert sind.

Würden jedoch Versicherungen nur Rechtsschutzversicherungen ohne Wartezeit anbieten, wären die Tarife deutlich teurer, die Gesellschaften könnten nicht mehr wirtschaftlich arbeiten und die im Vertrag garantierten Leistungsbestandteile wären in Gefahr. So gehört es zum Wesen einer Risikoversicherung, dass du für diese einen gewissen Zeitraum bezahlst, ohne dass du einen Schaden hattest. Die Wartezeit sorgt dafür, dass der Versicherer ein kleines finanzielles Polster anlegen kann, bis er in vollem Umfang die vertraglich zugesicherten Leistungen übernimmt.

Bei welchen Rechtsschutzversicherungen verzichten Versicherungsgesellschaften auf Wartezeiten?

Es gibt einige Bereiche, in welchen Versicherer dennoch auf Wartezeiten verzichten. Hierzu gehören:

  • der Disziplinar- und Standesrechtsschutz
  • der Schadensersatzrechtsschutz
  • der Ordnungswidrigkeitenrechtsschutz
  • der Strafrechtsschutz

In den meisten Fällen gehören diese Untersegmente zum Verkehrsrechtsschutz. Versicherer können diese deshalb ohne Wartezeit zusichern, weil der Streitwert gering ist und weil häufig schon im Vorfeld ein Erfolg zu erwarten ist.

Da Rechtsschutzversicherungen meist als Kombipakete genutzt werden, musst du pro Baustein prüfen, wie lange die jeweilige Wartezeit ist oder ob sogar keine Wartezeit veranschlagt wird.

Typische Wartezeiten nach Art der Rechtsschutzversicherung

 Leistungsbausteingängige Wartezeit
VerkehrsrechtsschutzSteuerrechtsschutzkeine
Verwaltungsrechtsschutz in Verkehrssachenkeine
Strafrechtsschutzkeine
Sozialrechtsschutzkeine
BerufsrechtsschutzArbeitsrechtsschutzdrei Monate
Disziplinar- und Standesrechtsschutzkeine
MietrechtsschutzWohnungs- und Grundstücksrechtsschutzdrei Monate
Steuerrechtsschutzkeine
Ordnungswidrigkeitenrechtsschutzkeine
PrivatrechtsschutzSchadensersatz-Rechtsschutzkeine
Arbeitsrechtsschutzdrei Monate
Steuerrechtsschutzkeine
Verwaltungsrechtsschutzdrei Monate
Beratungsrechtsschutzkeine
Opferrechtsschutzkeine
Rechtsschutz in Unterhaltssachen12 Monate
Rechtsschutz in Ehesachen36 Monate

Keine Kostenübernahme in der Wartezeit

Versicherungsnehmer sollten beachten, dass die Versicherer während der Karenzzeit keine Kosten für Rechtsstreitigkeiten übernehmen. Dies gilt auch dann, wenn der Fall erst nach Ablauf der Wartezeit vor Gericht verhandelt wird. Maßgeblich für die Leistung des Versicherers ist der Zeitpunkt, an welchem der Fall begann. Eine Rechtsschutzversicherung ist deshalb eine Vorsorgeversicherung, mit der sich Versicherungsnehmer für den künftigen Leistungsfall absichern können. Die Wartezeit müssen sie dann einplanen.

Besonders lange Wartezeiten müssen Versicherungsnehmer beim Familienrechtsschutz in Kauf nehmen. So können zum Beispiel Unterhaltsstreitigkeiten oder Scheidungsfälle sehr langwierig werden. Die Versicherungsgesellschaften sehen deshalb für diese Fälle eine Wartezeit von mehr als 30 Monaten vor.

Kann ich eine Rechtsschutzversicherung rückwirkend abschließen?

Ein rückwirkender Versicherungsabschluss ist bei Rechtsschutzversicherungen in der Regel nicht möglich. Schließlich handelt es sich um klassische Vorsorgeversicherungen, die mit Wartezeiten arbeiten. Eine Rechtsschutzversicherung kann deshalb nicht aus aktuellem Anlass abgeschlossen werden, sondern für den möglichen Fall in der Zukunft, in der man sie braucht.

Es gibt einige Anbieter, die Wartezeiten gegen einen Aufpreis verkürzen. Möglich ist außerdem eine Vorverlegung des Vertragsbeginns. Allerdings musst du dann auch die fälligen Monatsbeiträge rückwirkend bezahlen. Tatsächlich erhältst du damit aber keinen rückwirkenden Versicherungsschutz, sondern du kannst lediglich die Wartezeit verkürzen oder umgehen. Für Rechtsstreitigkeiten, die vor Vertragsabschluss begonnen haben, wird auch diese Versicherung keine Kosten übernehmen.

Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit beim Versicherungswechsel nutzen

Du kannst eine Rechtsschutzversicherung ohne Wartezeit bei einem Versicherungswechsel erhalten. In diesem Fall können Versicherungsgesellschaften davon ausgehen, dass du durch deine alte Rechtsschutzversicherung abgesichert warst und kein Rechtsstreit absehbar ist. Somit ist es wahrscheinlich, dass die neue Police nicht wegen einer bevorstehenden juristischen Auseinandersetzung abgeschlossen wird.

Der Übergang von alter zu neuer Police ohne Wartezeit wird üblicherweise für Privat-, Miet- oder Eigentumsrechtsschutz angeboten.

Die neue Versicherung wird außerdem voraussetzen, dass die alte Rechtsschutzversicherung die gleichen Risiken abgedeckt hat wie die neue. Somit kannst du zum Beispiel beim Versicherungswechsel vom Verkehrsrechtsschutz zum Mietrechtsschutz nicht auf einen Erlass der Wartezeit zählen.

Um sicherzugehen, dass du ohne Wartezeit wechseln kannst, solltest du unbedingt die Vertragsdetails im Vorfeld abklären.

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