Rechtsschutzversicherung Scheidung 2018-12-03T16:48:22+00:00
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Rechtsschutzversicherung bei Scheidung – ist das möglich?

Rechtsschutzversicherung bei Scheidung mit wefox
Lesezeit: 12 min

Wer sich scheiden lässt, muss immer mit zusätzlichen Kosten rechnen, auch wenn sich beide Partner auf eine gütliche Trennung einigen. Die Kosten können jedoch enorm steigen, wenn es zu Auseinandersetzungen um den künftigen Besitz einstmals gemeinsamer Güter oder Gelder geht. Wie gut wäre es dann, mit einer Rechtsschutzversicherung abgesichert zu sein. Doch leider wird das nur ein Wunschtraum bleiben. Denn Rechtsschutzversicherungen für Scheidungsprozesse gibt es in diesem Sinne nicht. Allerdings können Sie auch bei Scheidungen einige Leistungen herkömmlicher Rechtsschutzpolicen in Anspruch nehmen. In diesem Ratgeber erfahren Sie mehr zum Thema.

Grundsätzlich kein Versicherungsschutz bei gerichtlichen Auseinandersetzungen

Rechtsschutzversicherung kommen grundsätzlich nicht für Kosten auf, wenn Scheidungsfragen vor einem Familiengericht geklärt werden. In fast allen Policen sind Rechtsstreitigkeiten aus dem Bereich Familienrecht vom Versicherungsschutz explizit ausgeschlossen.

Es gibt nur wenige Tarife, die hier in begrenztem Rahmen Leistungen erbringen können. Sie gehören jedoch nicht zur Regel. Sie können also davon ausgehen, dass Rechtsschutz für einen Scheidungsprozess nicht möglich ist.

In einem Scheidungsverfahren muss jeder Partner seine Kosten selbst tragen. Hierzu gehören die Kosten für den Anwalt und das Gericht. Sollte ein Ehepartner jedoch finanziell nicht in der Lage sein, für die Verfahrenskosten aufzukommen, besteht rechtlich die Möglichkeit, dass der vermögendere Partner einen Kostenvorschuss leistet. Dieser Vorschuss kann im Rahmen einer Unterhaltsverpflichtung vom Gericht gewährt werden.

Statistik: Im Jahr 2017 wurden laut Statistischem Bundesamt 153.500 Ehen geschieden. Damit lag die Scheidungsquote in diesem Jahr bei rund 37 Prozent. Pro zehn geschlossenen Ehen erfolgten rund vier Scheidungen.
Auch wenn die Statistik sinkende Zahlen aufweist, ist die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung relativ hoch.

Rechtsschutz für Rat und Auskunft bei Scheidungen ist möglich

Eine Rechtsschutzversicherung kann grundsätzlich Rechtsschutz für Rat und Auskunft bieten. Das gilt auch für das Familienrecht und somit auch für Scheidungen.

In den „Allgemeinen Bedingungen für die Rechtsschutzversicherung“ (ARB 2012) finden sich verschiedene Klauseln, welche sich auf diese Leistungen beziehen:

  • „Versicherungsschutz besteht für einen Rat oder eine Auskunft in familien-, lebenspartnerschaftlichen- und erbrechtlichen Angelegenheiten. Wird der Rechtsanwalt darüber hinaus tätig, erstatten wir insgesamt keine Kosten.“ (ARB 2012, Ziffer 2.2.11)
  • „Um Ihnen eine einvernehmliche Konfliktbeilegung zu ermöglichen, tragen wir die Kosten bis zu xxx EUR für einen von uns vorgeschlagenen Mediator. Haben Sie und die andere Partei sich bereits auf einen anderen Mediator geeinigt, tragen wir dessen Kosten bis zu … EUR für die Mediation.“ (ARB 2012, Ziffer 2.3.11)

Grundsätzlich sind diese Musterklauseln nicht bindend für die Versicherungsgesellschaften. Somit kann jeder Versicherer seine eigenen Bedingungen aufsetzen. Allerdings lohnt es sich, nach Tarifen zu suchen, die entsprechenden Beratungsrechtsschutz bieten.

Unter „Rat und Auskunft“ wird die sogenannte „Erstberatung“ bei einem Anwalt gefasst. So kann eine Rechtsschutzversicherung zum Beispiel die Kosten für eine solche Erstberatung vor einem Scheidungsfall übernehmen, auch wenn die Police ansonsten keine Leistungen bei Scheidungen übernimmt. Die Gebühr für ein Erstberatungsgespräch beträgt in der Regel rund 200 Euro, die vom Versicherer getragen werden. Allerdings sollten Versicherte sich von einer ersten Beratung keine tiefgreifende anwaltliche Arbeit erwarten. Es handelt sich dabei lediglich um eine Sondierung von Möglichkeiten. Das Anfertigen von Schriftstücken wird zum Beispiel nicht im Rahmen der Versicherungsleistungen für „Rat und Auskunft“ übernommen.

Ergibt ein Rechtsschutz für Scheidungen Sinn?

Für Versicherungsgesellschaften ergibt ein „Scheidungs-Rechtsschutz“ keinen Sinn. Denn für die Anbieter sind Scheidungsprozesse nur sehr schwer zu kalkulieren, da die Auseinandersetzungen von Ex-Partnern vor Gericht häufig langwierig und damit sehr kostspielig werden können. Um die Kosten einer Scheidung mit einer Rechtsschutzversicherung abzudecken, müssten die Prämien sehr hoch sein. Schon allein aus diesem Grund wäre ein Rechtsschutz für Scheidungen nicht sinnvoll.

Um die Kosten einer Scheidung zu verringern, würde sich ohnehin eine Mediation anbieten. Auf diese Weise ist eine außergerichtliche Einigung mit Hilfe eines Mediators möglich. Die beiden Parteien würden in diesem Fall nur einen Gerichtstermin benötigen, um die Scheidung zu bestätigen. Rechtsstreit um Unterhalt oder Geld wäre damit ad acta gelegt.

Experten raten ohnehin dazu, einen Ehevertrag abzuschließen. Sicherlich denken nur die wenigsten Paare zu Beginn ihrer Ehe an eine mögliche Trennung. Doch die vermeintlich „unromantische“ Vertragslösung sorgt dafür, dass im Fall der Fälle klare Fakten geschaffen werden. Mit einem Ehevertrag bestünde demnach auch keine Notwendigkeit mehr für eine Rechtsschutzversicherung für Scheidungsprozesse.

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